Erste Versuche liefen bereits mit interaktiven Filmen, wo der Zuschauer sich seine individuelle Storyline zusammenbaut. Nun hat Netflix mit “Bandersnatch”, beworben als “Black Mirror Event”, neue Maßstäbe gesetzt. Unser heißer Scheiß der Woche.

Eine Rezension von Felix Weigl

Welche Frühstücksflocken sollen es sein? Welche Musik wird während der Busfahrt gehört? Mit solchen kleinen, unwichtig erscheinenden Entscheidungen beginnt der interaktive Film “Bandersnatch” auf Netflix.

Er erzählt die Geschichte von Stefan, der ein Videospiel entwickeln möchte, das unzählige verschiedene Wege bereithalten soll. Ob er es allein entwickelt oder mit Unterstützung einer Firma, wie er mit dem Stress der Arbeit umgeht – all das und noch mehr darf der Zuschauer selbst entscheiden.

Leicht sind die meisten Entscheidungen nicht. Ein simples Richtig oder Falsch gibt es nicht.

Über fünf Stunden Filmmaterial

Circa alle 90 Sekunden muss der Zuschauer eine Entscheidung treffen. Innerhalb von zehn Sekunden, ansonsten übernimmt der Film die Entscheidung. Zur Verfügung stehen über fünf Stunden Material, so dass jeder Zuschauer einen eigenen Film erleben kann. Im Durchschnitt dauert das Schauen 90 Minuten. Der kürzeste Pfad endet nach 40 Minuten. Es kann aber auch zweieinhalb Stunden dauern, bis du eines der fünf Hauptenden sehen kannst. Wenn man kleinere Variationen der Enden einbezieht, ergeben sich sogar bis zu zwölf Enden.

Testlauf mit dem gestiefelten Kater

Bereits 2017 veröffentlichte Netflix mit “Der gestiefelte Kater und das magische Buch” einen interaktiven Film. Nicht ansatzweise so komplex wie nun “Bandersnatch”, aber Ziel war laut Netflix die “Grenzen des Geschichtenerzählens” zu testen.

Außerdem richtet sich “Bandersnatch”, in typischer Black-Mirror-Manier an ein älteres Publikum. Es geht nicht gerade zimperlich zu.

So spannend wir die Serie “Black Mirror”

Die interaktive Komponente bringt frischen Wind in die Netflixlandschaft und funktioniert hervorragend. Raubkopierer schauen deswegen übrigens in die Röhre, denn die bekommen höchstens fünf Stunden nicht zusammenhängendes Material am Stück. Also keine Chance, ein vernünftiges Seherlebnis zu erhalten.

“Bandersnatch” geht relativ gemächlich los, entwickelt aber nach kurzer Zeit eine packende Dynamik, die ein herkömmlicher Film nicht bieten kann. Nach und nach entwickelt sich eine Metaebene, die die Entscheidungen zum Ende hin immer schwerer machen. Und dann möchte man vielleicht noch einmal anfangen und einen anderen Weg ausprobieren. Fazit: Ein spannendes, neuartiges Filmerlebnis, das sich jeder Filmfan nicht entgehen lassen sollte. 

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