Die Alte Schule verwandelte sich am Mittwoch- und Donnerstagabend in das Internat St. Reinaldis und wurde Schauplatz eines grausigen Mordes. Der Kurs Darstellendes Spiel der Richard-Müller-Schule lud zum kriminalistischen Dinnerabend mit einer toten Lehrerin, kuriosen Putzfrauen und kulinarischen Höhepunkten.

Es sollte eigentlich ein geselliges Zusammenkommen sein. Zum Schuljahresbeginn lud das Internat St Reineldis zum großen Dinner in den Speisesaal. Die Köchin Frau Koch hat keine Kosten und Mühen gescheut, ein grandioses Fünf-Gänge-Menü aufzutischen, die Lehrer und Schüler waren herausgeputzt und begrüßten die Gäste. Doch dann das: Nach dem Vorsüppchen kippte Lehrerin und Familienmutter Frau Fischer (dargestellt von Julia Heinz) vom Stuhl. Ein Mord beim Dinner?

Es fiel wirklich nicht schwer, sich auf die Welt, die die Schüler des Kurses Darstellendes Spiel von Richard-Müller- und Eduard-Stieler-Schule sich für ihren kriminalistischen Dinnerabends überlegt hatten, einzulassen. Die Darsteller der Lehrer begrüßten uns Gäste am Eingang der Alten Schule, die Schüler geleiteten mehr oder weniger willig zu den Tischen und in dem Gewusel vor dem Dinnerstart konnte man sich den einen oder anderen Charakter genauer betrachten. Da war der zurückhaltende Streber, die überschwänglich freundlichen Mädels, der Klassenclown, die kuriose Putzkolonne, die bis zum letzten Moment für Ordnung sorgte und es sich nicht nehmen ließ, auch die Gäste auf Hochglanz zu polieren. Alles wirkte perfekt, ein wenig zu perfekt.

Der Tod von Frau Fischer

Dann aber das Haar in der Suppe, wie Köchin Frau Koch hervorhob. Wortwitze sind ihre Stärke. Wie ein roter Faden führte Jennifer Auth nicht nur durch das Menü, sondern auch durch die Szenen des Kriminalfalls, die sich rund um Aperitif, Vorspeise, Zwischengang, Hauptgericht und Dessert entspann, und sie machte das urkomisch.

Doch was ist passiert? Eine tote Lehrerin? Das scheint an der Schule nicht wirklich Bestürzung hervorzurufen. Der Direktor Winfried von Wagner alias Leon Achterling versucht augenblicklich vom Geschehen abzulenken, doch das Geschehen nimmt seinen Lauf.

Ein Ermittlungsausschuss um den neuen Lehrer Benedict Mycroft – Paul Garabet – wird eingerichtet. Die Anspielung auf die Serie “Sherlock” springt einem nahezu ins Gesicht, doch es gab in dem Stück der Schüler noch viel mehr solcher netter kleiner Verweise. Der Suchtrupp nimmt den ganzen Speisesaal des Internats – der Alten Schule – auseinander. Gäste müssen Fingerabdrücke und Speichelproben abgeben, werden verhört und befragt. Vermutungen, Gerüchte und Verdächtigungen gehen um.

Die Indizien

Eine nach Knoblauch riechende Ampulle wird gefunden. Gift? Ein Schüler berichtet von seinem komischen Mitbewohner. Es kommt ans Licht, dass die Tochter des Direktors eine Affaire mit der Toten hatte. Und alle Gäste können miträtseln. Während sich die Story um uns herum entspann, wurden auch die Diskussionen an den Tischen immer intensiver. War es die Köchin, die solche Ampullen nutzt? War es der depressive Schulstreber? War es der Ehemann der Toten oder gar der Direktor selbst, der einen viel größeren Skandal vertuschen möchte?

Während des Essens, in jedem Gang versteckte sich ein kleines blutiges Element wie Tomaten, Grantapfelkerne, Erdbeere – gingen die Darsteller durch den Raum und sprachen mit den Zuschauern. Und es war erstaunlich: Obwohl sie keine wirklich große Theatererfahrung haben, fiel keiner aus seiner Rolle. Routiniert beantworteten sie die hartnäckigen Nachfragen ihrer Gäste, improvisierten frei heraus, mutmaßten und rätselten mit.

Zum Ende des Abends war es an den Zuschauern, das Rätsel zu lösen. Jeder fand einen kleinen Zettel auf seinem Platz, auf dem der Tätername eingetragen werden sollte. Aus allen richtigen Antworten wurde dann sogar eine Gewinnerin gezogen, die sich über eine Flasche Rotwein freuen durfte.

Eine Idee, eine Location, ein Krimi

Als die 21 Schülerinnen und Schüler des Kurses Dramatisches Spiel der RiMS und der Eduard-Stieler-Schule im Herbst 2017 zum ersten Mal Theaterluft schnupperten, haben sie sich sicher noch nicht ausgemalt, dass sie nur wenige Monate später die Alte Schule in Fulda für zwei Abende komplett übernehmen und ihre Gäste zu Zeugen eines schaurigen Todesfalles machen würden. Die meisten hatten noch nie auf einer Bühne gestanden. “Erstmal haben wir nur Grundlagen gelernt, gemeinsam erarbeitet, was Theaterspielen eigentlich ist”, erinnert sich Kursleiterin Marina Boonyaprasop-Meister.

Doch natürlich sollte eine Aufführung am Ende des Schuljahres stehen, und die Schüler hätten sich etwas gewünscht, bei dem Improvisation und die Möglichkeit, selbst zu schreiben, zusammen käme. “So entstand die Idee eines Krimidinners.” Die Charaktere, die Geschichte, sogar das Menü haben sich die Schüler selbst ausgedacht. Nur ein Raum, in dem das Spektakel stattfinden könnte, eine Gastronomie, die 21 Schülern zwei Abende lang ihre Räume zur Verfügung stellt, musste noch gefunden werden.

Und da kam Felix Wessling ins Spiel. “Ich fand die Idee von Anfang an super!” Es passe einfach in das Konzept der Alten Schule, und mit Marina Boonyaprasop-Meister fragte ihn auch eine altbekannte Kollegin an. “Bei ihr wusste ich einfach, dass das passt. Und es war so. Es ist einfach geil, wie kreativ die Schüler sind.” Sorge um seine Gastronomie hatte er nicht, sagt er. “Ich war nur skeptisch, weil die Schüler auch das Menü selbst kreieren wollten. Aber das, was sie sich ausgedacht haben, war mit kleinen Anpassungen von uns super umsetzbar.”

“Hier wurden wahre Schätze, auch verborgene, der Schüler gehoben”, lobt der Leiter des Wirtschaftsgymnasiums der Richard-Müller-Schule, Hubert Krah, nach der Aufführung beeindruckt seine Schüler. Leider wird die Inszenierung am Donnerstag zum letzten Mal gezeigt, denn im kommenden Schuljahr machen viele der Schüler ihr Abi. Aber auch dann wird es wieder einen Kurs Dramatisches Spiel geben, der Fulda mit seinen Ideen überraschen wird.

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QuelleFotos: Mariana Friedrich
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Mariana Friedrich

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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.

Joscha Reinheimer

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