Sie ist die älteste AG an der Wigbertschule in Hünfeld und feiert nun ihr 40-jähriges Bestehen: Die Theaterwerkstatt zeigt am Donnerstag (1. Juni) und Freitag (2. Juni) das Stück “Wecken Sie Madame nicht auf!”. Arnold Pfeifer (61) ist Leiter der AG und berichtet über seine Arbeit mit den Jugendlichen.

Ein Text von Lisa Laibach

Arnold Pfeifer liebt seine Arbeit. „Ich finde es schön, meine Erfahrung an die Jugendlichen weiterzugeben und zu sehen, wie sie sich weiterentwickeln und immer besser werden“, beschreibt er seine Arbeit als Leiter der Theaterwerkstatt. Deshalb habe er sich irgendwann von der Schauspielerei etwas entfernt und den Weg als Theaterpädagoge eingeschlagen. „Das ist genau das, was ich wirklich machen will“, sagt er. Für ihn ist das Besondere, „wenn die Jugendliche und Kinder über ihre Grenzen gehen und das dem Publikum zeigen, berührt mich das tief.“

Begonnen hat damals alles mit einem Theaterprojekt einer Deutschklasse von Christine van Endert-Saillet. Sie war junge Studienrätin und studierte mit der elften Klasse Jean Anouilhs „Antigone“ ein und führte es schließlich 1977 auf. Es gab kaum Kostüme, wenige Bühnenbilder und Requisiten. Doch die Theaterwerkstatt war entstanden und bereits nach kurzer Zeit sehr angesehen.

Jedes Jahr wurde ein neues Stück aufgeführt – und 1986 erstmals eine Eigenproduktion mit „Können wir das?“. Schon immer haben die Schüler ein Mitspracherecht bei der Auswahl und der Gestaltung der Stücke. „Wir schreiben sie gemeinsam oder ändern bei bereits bestehenden Werken Szenen so, dass sie in die heutige Zeit passen“, erklärt der 61-Jährige. Eigenproduktionen seien sehr zeitaufwändig, werden aber immer noch produziert, wie unter anderem „Einsam bist du sehr allein“, „Funkstille (eine Parodie auf Soaps im TV), „Verborgene Spuren“ und „Götterspeise“. Häufig seien diese Eigenproduktionen aber zu viel Aufwand für die Schüler.

„Es hat sich im Laufe der 22 Jahre einiges geändert“, erklärt Pfeifer, der 1995 die Leitung der Theaterwerkstatt übernahm. Der Unterricht an der Schule habe zugenommen. “Die Schüler haben oft Nachmittagsunterricht und sind bei den Proben erschöpft.” Nichtsdestotrotz seien die Jugendlichen – in diesem Jahr sind es 15 – begeistert bei der Sache. „Das kann man auch immer wieder bei den Aufführungen sehen“, so der Theaterpädagoge. Und einige Schüler haben schließlich ihr Schulhobby zu ihrem Beruf gemacht – allen voran Paul Frielinghaus, der unter anderem bei der ZDF-Krimiserie „Ein Fall für zwei“ mitspielte.
Pfeifer übernahm die Theater-AG, weil Endert-Saillet erkrankte. Die Schüler versuchten zuerst in Eigenregie die AG aufrechtzuerhalten, was aber nicht funktionierte. 1995 gab es deshalb erstmals keine Aufführung. „Wenn ein Betrachter von Außen fehlt, klappt es nicht“, ist er sich sicher. Der Förderverein der Theaterwerkstatt fragte Pfeifer, ob er die Leitung übernehmen würde, und trägt seitdem die Kosten für seine Stelle – seit Kurzem beteiligt sich auch die Schule daran. „Ohne den Förderverein wäre ich heute nicht hier und es gäbe vielleicht auch keine Theaterwerkstatt mehr“, glaubt Pfeifer.

Der Theaterpädagoge lobt die gute Kooperation mit der Schule. „Vorgestern und gestern wurden die Schüler beispielsweise vom Unterricht freigestellt, um an den letzten Proben teilzunehmen.“ Ganz so häufig wie in den vergangenen Tagen wird sonst aber nicht geprobt. Jeden Freitagnachmittag trifft sich die Theaterwerkstatt, um Stücke auszuwählen, umzuschreiben und schließlich einzustudieren. Hinzu kommen manchmal Probenwochenenden.

Etwas ganz Besonderes ist für Pfeifer zu sehen, wie Schüler lernen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen: „Sie müssen lernen, Menschen zu verstehen. Sie lernen Empathie.“ Das war insbesondere bei dem Stück im vergangenen Jahr wichtig, das die Nazi-Zeit thematisierte. „Die Schüler müssen nicht nur die Geschichte kennen, sondern sie müssen versuchen zu verstehen, wie die Menschen gedacht haben und warum sie damals so gehandelt haben. Das ist die hohe Kunst“, ist der Theaterpädagoge überzeugt.

Aufführungen

Das erste Stück der Theaterwerkstatt war „Antigone“ von Jean Anouilh. In Anlehnung daran zeigt die AG nun zum Jubiläum „Wecken Sie Madame nicht auf!“ von Anouilh. Die Komödie wurde 1970 erstmals in Paris aufgeführt und behandelt das Theater, die Schauspieler und den Regisseur – seine grandiosen Bühnenideen und sein Scheitern im Alltag.

Die Aufführungen finden am heutigen Donnerstag und morgigen Freitag jeweils um 19.30 Uhr in der Stadthalle Kolpinghaus in Hünfeld statt. Karten gibt es ab 19 Uhr an der Abendkasse.

Zur Person Arnold Pfeifer

Arnold Pfeifer (61) ist seit 1995 Leiter der Theaterwerkstatt der Wigbertschule und folgte damit auf Gründerin Christine van Endert-Saillet. Er kommt aus Schlüchtern und leitet momentan insgesamt vier Theaterprojekte. Der 61-Jährige hat Sozialpädagogik studiert, sich das Schauspielern selbst beigebracht, gezielt Seminare bei anderen Schauspielern und Regisseuren besucht und lange Zeit als freier Schauspieler gearbeitet. 1995 hat er schließlich mit der Übernahme der Theater-AG der Wigbertschule Hünfeld denWeg als Theaterpädagoge eingeschlagen.

Arnold Pfeifer leitet seit 1995 die Theater-AG. Foto: Lisa Laibach

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Mariana Friedrich

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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.