Poetryslam. Moderatorin Leonie Wanrke. Foto: Josephin Chilinski

Frauenpower im Kreuz Fulda: Unter dem Motto „Lautstärke ist weiblich“ haben am Mittwochabend sechs Teilnehmerinnen aus ganz Deutschland ihr lyrisches Können unter Beweis gestellt. Mit am Start waren mehr als 200 Gäste, darunter vorwiegend Frauen verschiedenen Alters. 

Ein Text von Sanja Winhold

Mit Witz und Charme führte Leonie Warnke durchs Programm und nahm dabei kein Blatt vor den Mund: „Wir zeigen, dass trotz mangelnder Schwänze nichts fehlt“, so die Aussage der gut gelaunten und quirligen Moderatorin aus Leipzig. Damit war die Botschaft des Femme-Poetry-Slams von Beginn an klar.

Vor dem ersten Battle rief Warnke das Publikum auf, in unterschiedlichen Intensitäten zu applaudieren. „Gebt mir eine fünf!“, rief sie. „Und jetzt eine sieben.“ Die Zuschauer waren die Jury des Abends. Nach drei Vorrunden entschieden sie jeweils, wer von den Slammerinnen es ins Finale schaffte.

Von Träumen und Grenzen

Besonders überzeugten Bonnie-Lycen Henze, Teresa Reichl und Rebecca Heims mit ihren Darbietungen. Henze bezog sich ihrem Vortrag auf die Rolle der Geschlechter. „Als ich klein war, war Lego immer neutral“, sagte sie, „Heute gibt es eine blaue und eine pinke Ecke“. Mit ihrer „Ballade von Anna-Sophie und Ole“ sprach sie die noch nicht überall vorhandene Gleichheit von Mann und Frau an – eine Geschichte, die berührte.

Mit einer flotteren Vortragsweise beeindruckte Reichl, die als „Traumbastlerin“ auftrat. Nostalgisch ging es bei Heims zu. „Ich war mit meinem Opa letzten Sommer im Urlaub. Dabei ist folgender Text entstanden“, erklärte sie. Ihre Devise: „Grenze ist etwas, das im Kopf entsteht.“ Ihr philosophischer Vortrag über das geteilte Deutschland begeisterte das Publikum, das Heims zur weiteren Finalistin kürte.

“Ich werfe wie ein Mädchen – und ich meine, dass ich treffe”

Die Reihenfolge, in der die Finalistinnen abschließend erneut auftraten, entschied sich beim Körper-Schnick-Schnack-Schnuck unter Anleitung der Moderatorin. Auch hier hatte Warnke die Lacher auf ihrer Seite.

Am Ende entschieden Henze und Reichl das Rennen für sich: erstgenannte mit einer emotionalen Ansprache an einen ihr nahestehenden Menschen, der sein Kreuz bei der vergangenen Bundestagswahl der AFD gegeben hat, Reichl mit ihrer verweiblichten Version eines Gangster-Rapper-Ficker-Alltags, die mit knalligen Sprüchen („Ich werfe wie ein Mädchen – und ich meine, dass ich treffe“) für Bewunderung sorgte.

Lob für die Zuschauer

Beide freuten sich über den Sieg. „Aber eigentlich geht es hier ja gar nicht ums Gewinnen“, erklärte die 21-jährige Reichl. Die Regensburgerin tourt seit zwei Jahren als Poetry-Slammerin durch Deutschland. In Fulda war sie bisher noch nie – anders als ihre Titelkollegin Henze, die im vergangenen Jahr schon einmal beim Fuldaer Stadtfest aufgetreten ist. Die 26-Jährige aus Leipzig ist seit Januar 2015 auf den Bühnen des Landes unterwegs.

Doch nicht nur für die Teilnehmerinnen gab es Anerkennung. Auch das Publikum erntete Lob. „Die Zuschauer waren total aufmerksam“, fügte Reichl hinzu. Und tatsächlich wurden auch kleine Texthänger mit Beifall toleriert. Eben ganz ein Abend von Frauen für Frauen.

Zwischen den Battles begeisterte die Berliner Musikerin Johanna-Amelie Strorek mit berührenden, selbstgeschriebenen Balladen.

Der nächste Poetry-Slam im Kreuz findet wie gewohnt mit Lars Ruppel am 11. April statt.

Die Teilnehmerinnen:

Theresa Reichl
Rebecca Heims
Bonnie-Lycen Henze
Zoe Velten
Katrin Freiburghaus
Theresa Hahl

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Praktikant move36

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