Wir können einfach nicht aufhören zu gucken. Mittlerweile geht der Serienhype soweit, dass er sogar Liebesbeziehungen zerbrechen lässt. move36-Redakteur Leo hat in aktuellen Ausgabe untersucht, warum wir Serien so brutal verfallen und einfach nicht genug davon bekommen können. Als echter Serienjunkie bezeichnet sich auch Julia Schmid. Die Augsburgerin liebt die fiktiven Geschichten und hält durch ihre Beiträge auf serienfuchs.de andere Liebhaber des Formates mit Hintergrundwissen und Analysen auf dem Laufenden. Wir haben mit ihr über den Hype gesprochen. 

Bist du ein Serienjunkie?

Ja, das trifft es ganz gut. Da ich beruflich über Serien schreibe, muss ich natürlich auch wissen, worüber ich schreibe. Serien nehmen einen großen Teil meiner Freizeit ein, und es ist eine große Leidenschaft geworden. Wenn mich eine Serie begeistert, kann ich mich tagelang mit spannenden Fantheorien im Web beschäftigen oder zu einem echten Fangirl mutieren, das Fanart auf Tumblr rebloggt, eigene Plot-Spekulationen zu Fortsetzungen auf die Beine stellt und unterwegs den Soundtrack zur Show rauf und runter hört.

Julia Schmid

Das klingt tatsächlich nach einem Serienjunkie. Wann hat dich die Sucht gepackt?

An den genauen Zeitpunkt kann ich mich nicht mehr erinnern – irgendwann hat‘s einfach Klick gemacht. Viele Serien habe ich nebenbei geguckt, wie die meisten das machen. Ich glaube, es war “Lost” – damals habe ich zum ersten Mal nach einem Cliffhanger verzweifelt auf die nächste Woche und die nächste Episode gewartet.

Was ist für dich das Faszinierende an einer Serie, das dich bei der Stange hält?

Serien haben einen großen Vorteil gegenüber Filmen: Sie können sich Zeit nehmen, eine Geschichte ausführlich zu erzählen und die dazugehörigen Charaktere zum Leben zu erwecken. Deswegen kann ich bei vielen Serien nicht abschalten. Meistens ist es nicht nur die Geschichte, sondern ich möchte dann auch unbedingt wissen, wie es mit diesem und jenem Charakter weitergeht. Und ehe man sich versieht, ist es zwei Uhr früh und man hat eine komplette Staffel am Stück geguckt.

Also bist du eine klassische Binge-Watcherin?

Das hängt ganz von der Serie ab. Bei mitreißenden Serien (z.B. “The Sinner” oder “Tabula Rasa”) kann ich einfach nicht anders, als so viele Folgen wie möglich an einem Stück zu gucken. Bei leichterer Kost, wie beispielsweise “Modern Family” und “Riverdale”, kann ich auch problemlos Wochen oder Monate auf neue Folgen warten. Bin ich mit ganzem Herzen dabei, versuche ich immer up to date zu sein, was meist mit Binge-Watching zusammenhängt.

Gibt es denn einen Serienhype? Und falls ja, woran machst du ihn fest?

Den gibt auf jeden Fall und allmählich erreicht er auch Deutschland. Mittlerweile hat man das Gefühl, dass fast täglich neue Serien angekündigt werden und es wöchentlich Neustarts gibt. Es scheint ein regelrechter Wettkampf ausgebrochen zu sein, in dem jeder Sender eine eigene Serie an den Start bringen möchte. Immer größer, aufwändiger und mit einem hochkarätigeren Cast als die Konkurrenz. Dass zum Beispiel eine Hollywood-Legende wie Meryl Streep plötzlich für eine TV-Serie vor der Kamera steht, zeigt ganz deutlich, dass Serien gefragter denn je sind.

Vor 20 Jahren spielten Serien eine eher untergeordnete Rolle. Wie haben sich aus deiner Sicht Serien qualitativ gewandelt?

Wenn ich an Serien vor 20 Jahren denke, fallen mir spontan vor allem Soaps und Sitcoms ein, die das Feld damals dominiert haben. Klar, es gab auch Serien wie “Buffy”, aber vor allem heitere, leichte Kost hatte das Sagen im Fernsehen. Wer geniale Ideen hatte, hat sie damals in einen Film verpackt, weil dort das Budget größer war und man mehr wagen konnte.

Immer weniger Leute zieht es ins Kino. Haben deiner Meinung nach Serien den Filmen den Rang abgelaufen?

Definitiv. Vor allem in den vergangenen zehn Jahren haben sich Serien mehr und mehr einen Weg nach vorne gekämpft und können es in verschiedenen Fällen qualitativ spielend leicht mit aufwändigen Filmproduktionen aufnehmen – das kann man nun gut oder schlecht finden. “Game of Thrones” muss sich nicht hinter “Der Hobbit” verstecken. Mit diesem Gedanken müssen sich manche Filmschaffende langsam, aber sicher anfreunden. Die Wahrheit ist nun einmal, dass Serien das Kino von morgen sind.


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