Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass ein Open-Air-Fest in Schlüchtern hessenweit und gar über die Landesgrenzen hinaus bekannt wird? Zum fünften Mal ertönt am Samstag, 31. August, die Innenstadt in einem bunten Musik-Potpourri. Auch move36 ist als Medienpartner beim Straßenmusikfestival samt Stand am Start. Wir stellen dir alle 15 Bands und Solisten vor.

Das Ding scheint dieses Jahr Rekorde zu brechen, einer ist bereits geknackt: Über 70 Bands, Solisten und Duos aus ganz Deutschland haben sich für das fünfte Straßenmusikfestival in Schlüchtern beworben. So viele wie noch nie. Eine Qual der Wahl für die Jury, die mehr als 55 Künstler aussieben musste. Auch die Resonanz im Social Web ist intensiver als in den vergangenen Jahren. Und wenn das Wetter mitspielt, erwarten die Organisatoren 8000 Besucher in der Innenstadt.

„Das Straßenmusikfestival hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem wichtigen Bestandteil des Schlüchterner Veranstaltungskalenders entwickelt. Ich liebe es, durch die Stadt zu laufen und an jeder Ecke Musik der unterschiedlichsten Genres zu hören“, so Bürgermeister Matthias Möller (parteilos). Krautrock, Rockabilly, HipHop, Reggae, Folk, Psychedelic, Schlagerpunk, Pop – auf den neun Bühnen bieten dir 15 Künstler von 18 Uhr bis 23 Uhr ein anspruchsvoll-buntes Medley. Auch shoppen kannst du so lange. Ab 23 Uhr werden dann die Musiker von der Jury prämiert: 1000 Euro bekommt der erste Platz, 500 der zweite und 250 der dritte.

„Schlüchtern ist ja bekannt für seine Feste. Das Straßenmusikfestival allerdings bietet ein vollkommen anderes Flair“, findet Axel Ruppert, erster Vorsitzender des Vereins für Wirtschaft und Tourismus (Wito), der das Event zusammen mit der Stadt organisiert. Kulinarisch soll dieses Jahr vor allem der Bereich Streetfood ausgebaut werden. Daneben gibt es natürlich alles, was der Gaumen so begehrt: Bier, Bratwurst, Pommes, Burger, Waffeln, Flammkuchen, Cocktails, Wein, Kaffee und und und. An dem Tag sind zudem alle Parkplätze in der Schlüchterner Innenstadt kostenfrei, und aus den umliegenden Ortschaften fahren kostenlose Schuttlebusse. Weitere Infos zu Anreise, Bühnen und Spielzeiten findest du unter festival-schluechtern.de sowie auf Facebook. Auf den folgenden Seiten erfährst du in Kurzportraits mehr über die Künstler beim Straßenmusikfestival Schlüchtern.

Leider hat kurzfristig ein Duo abgesagt, das wir im gerade erschienen Magazin noch vorstellen, und zwar die beiden Berlinerinnen von DEL_F64.0 – ein schrilles und experimentelles Impromusik-Projekt. Für sie sind kurzfristig die Mädels von Weitsicht aus dem Raum Frankfurt eingesprungen.

WEITSICHT AUS DEM RAUM FRANKFURT

Singer-Songwriterinnen mit vielen Facetten

“Heute bekamen wir ganz unverhofft einen Anruf, ob wir dort kurzfristig auftreten können – ja, das können wir”, schreibt Weitsicht am 22. August auf Facebook. Zu dem Zeitpunkt war die neue move36 bereits im Druck, und wir konnten die Mädelsband nicht mehr mit Duo DEL_F64.0 tauschen, das eigentlich auf dem Straßenmusikfestival Schlüchtern aufgetreten wäre. Doch Weitsicht ist ein gebührender Ersatz -mit Cajon, Cello, Gitarre und Keyboard musizieren die drei Mädels “mal laut, mal leise, mal fordernd, mal gefühlvoll”. Kürzlich sind sie auf dem CSD in Frankfurt aufgetreten. Eine Singer-Songwriterinnen-Combo, die sich in der Popmusik zuhause fühlt, sich aber nicht allein in diese Schublade stecken lässt.

DEFUXDEIWELSWILDE AUS DANNSTADT

Unterhaltende Straßenmusik

Die Trommel auf dem Rücken, ein Lied auf den Lippen, das Banjo in der Hand, so zieh‘ ich durchs Land.“ So die gereimten Zeilen, mit denen Defuxdeiwelswilde seine Kunst beschreibt. Doch nicht nur ein Banjo hat der Mann aus der Pfalz in der Hand, wie du unschwer am Bild erkennen kannst. Vor allem setzt Hubert Kern verschiedene Tröten ein wie zum Beispiel eine Kazoo. Das Ganze ist nicht nur ein Straßenmusik-Konzert, sondern eine unterhaltsame One-Man-Show für Jung und Alt – also wie gemacht für das Straßenmusikfestival in Schlüchtern.

CARLOS JUSTINIANO AUS ESSEN 

Verspielter Latin

Wie sein Name erahnen lässt, wurde Carlos Justiniano 1957 in Südamerika geboren, genauer in Talcahuano in Südchile. 1983 nahm er sein erstes Album auf und reiste als Musiker auch durch Peru und Argentinien. 1991 tourte er durch Schweden und ließ sich danach in Deutschland nieder, wo er noch heute lebt. „Mein Musikprojekt besteht aus dem harmonischen Zusammenspiel von Gitarre, Stimme, Cello und Querflöte“, beschreibt es Carlos. Verspielt-ruhige Musik, die die Klänge mittelalterlicher Troubadoure, singender Chansonniers und Lateinamerikas miteinander verbindet.

JACK HERRA AND THE JUNGLETONES AUS FULDA

Fetziger Rock’n’Roll und heißer Rockabilly

„Rock‘n‘Roll, Rockabilly und Hillbilly – manchmal mit ein wenig Polka und Ska – werden mit starker Ambition zum Headbanging dargeboten. Ganz nach dem Motto: Musik ist Gitarre, Bass, Schlagzeug und schwitzende Musiker.“ Na, diese Zeilen klingen doch nach Mucke für jene, die es schneller mögen. Jack Herra and the Jungletones aus Fulda, das sind Jack Herra (Vocals, Gitarre und Banjo), Steve Jaegger (Bass) und Mad Daniels (Drums). Die drei liefern auch unplugged, aber zumindest mit kleinem Kofferverstärker, eine wilde Show ab. Der fetzigere Part beim Straßenmusikfestival ist mit diesem Trio gesichert.

FEED AUS HAMBURG

Live-Looping-Kunst mit atmosphärischen Klängen

Zuvor bereits jahrelang in diversen Rock- und Bluesbands unterwegs, hat sich Marcus Jany aka Feed vor fünf Jahren dem Musizieren mit Loopstation und Gitarre verschrieben. „Ich verwende keine Playbacks. Alles, was man hört, entsteht live“, so der Musiker aus Hamburg. Aus anfänglichen Improvisationen sind längst ausgefeilte Stücke und Klanglandschaften geworden, die Feed auf ein Ablum gepackt hat: „Listen to Feed!“. Als Straßenmusiker spielt er oft am Hamburger Hafen, aber „auch gerne in Berlin“. Seine eigenen Worte beschreiben seinen Stil wohl am besten: „Sehr entspannend, verträumt, psychedelisch, farbig, groovig, herausfordernd und eigen, aber nicht sperrig.

FORMER CHILD AUS JENA

Nachdenkliche Songs mit Loopstation

Beim Auerworld-Festival in Thüringen hatte sie diesen Sommer ihren ersten Festival-Gig und nimmt nun außerdem am „ThüringenGrammy“ teil. Luise aus Jena musiziert als Former Child auf kleinen und größeren Bühnen – und braucht dazu keinen Drummer, keinen zusätzlichen Gitarristen, keinen Backgroundsänger. Denn sie hat stets eine Loopstation im Gepäck. So füttert sie ihre Songs mit Indie-, Alternative- und Pop-Elementen, dabei manchmal voller Energie, zuweilen auch melancholisch. Ihre eingängig-nachdenklichen Texte „handeln mal nicht nur von der Liebe“, wie sie auf Facebook schreibt.

LAUSCHER AUS HAMM

Folk mit Geschichten von unterwegs

„Straßenmusik ist eine ganz besondere Leidenschaft von uns. Es ist, wenn absolut unverstärkt gespielt, der ehrliche und unverfälschte Kontakt mit Passanten“, sagen Christine und Dominique, die das Folk-Duo Lauscher bilden. Stets auf Reisen, erzählen sie während ihrer Konzerte auch Abenteuerliches davon – sowie Hintergründe zu ihren Instrumenten. Denn: Dominique spielt eine Waldzither, ein fast vergessenes deutsches Zupfinstrument des frühen 20. Jahrhunderts, und Christine entlockt einer Singenden Säge mit ihrem Geigenbogen abstrakte Klänge. Seit 2008 touren sie zusammen und haben unter anderem bereits auf dem Herzberg-Festival gespielt.

MEDIUM AUS WEGBERG

Souliger Hip-Hop mit Tiefgang

„Guter Tune definitiv“, schreibt ein Follower den beiden auf Youtube. Sängerin Jonie Loop und Rapper Psyed aus Wegberg in Nordrhein-Westfalen haben sich 2015 zum Hip-Hop-Duo Medium zusammengeschlossen. Doch 08/15-Rap kommt ihnen nicht in den Sinn. Jonie bewegt sich im Bereich Singer-Songwriting und überzeugt mit ihrer unaufdringlich-sanften Stimme, Psyed rappt mit einem locker-sympathischen Flow – das Ganze immer garniert mit Soul, Reggae oder Jazz. „Es ist einfach toll, eine Innenstadt mit Musik zu füllen. Als wir von dem Ablauf und der Idee des Festivals im Internet gelesen hatten, waren wir direkt begeistert und haben uns beworben“, so die beiden.

SCARS ON LOUISE AUS SANKT VITH (BELGIEN)

Synthie-Pop zum Mitsingen

„Get ready for electronic beats, acoustic drums and dreamy melodies to sing along to.“ So lauten die vielversprechenden Worte des belgischen Trios Scars on Louise. Die noch junge Band, 2017 gegründet, besticht durch einen Mix aus Alternative und Synthie-Pop. Die kraftvolle Stimme von Sängerin Ellen ist zwar dominant, verwischt aber dabei nicht die Gitarre oder das Keyboard ihres Bruders Romain und das Schlagzeug von Kumpel Kevin. Im Sommer 2018 schaffte es die Band mit ihrer Single „No way out“ nach ganz oben in die Charts von „Radio Contact Ostbelgien Now.“ Dieses Jahr peilen sie noch weitere Auftritte in europäischen Städten an.

SANTANA AUS BERLIN

Pulsierender Psychedelic-Hardrock

Dieser Mann gibt den härteren, schwereren Part beim Straßenmusikfestival. Als Frontmann der in Berlin beheimateten Psychedelic-Hardrock-Band Redlake Circus hat Santana bereits weltweit Bühnen entzündet – mit groovigen Riffs, rotzigem bis smoothem Blues und mysthischen Melodien. Daneben ist er noch in zwei weiteren Musikprojekten aktiv, die Psychedelic, Trip-Hop, Ambient und vieles mehr vereinen: Enso Akasha und Iah Moontra. „Dicke Soundwände, hypnotische Grooves und eine bedrohlich wabernde Klangästhetik“, schreibt das Berliner Magazin „Visions“ über Redlake Circus. Wir können also gespannt sein, was Santana als Solokünstler so zum Besten gibt.

ROSKØNIG AUS WÄCHTERSBACH

Ein Akustikprojekt mit Gefühl

Diesen Mann könntest du kennen, wenn du 2017 auf dem Straßenmusikfestival warst: Damals hat Roskønig noch mit seiner Band Grüne Raben den dritten Platz abgeräumt. Diese zerfiel aus zeitlichen Gründen, und Sebastian Roskoni, der übrigens in Schlüchtern zur Schule gegangen ist, startete sein Soloprojekt. „Das nun irgendwie viel größer geworden ist, als ich es mir ausgemalt hatte“, so der Musiker. Im Mai brachte ihn eine kleine Tour nach Frankfurt, Hamburg, Leipzig, Münster und Dortmund. Sein erstes Soloalbum „Von Geistern und Berichten“ spielt er vor allem in Kneipen und Kulturzentren. Der Schwerpunkt bei seinem gefühlvollen Akustiksound liegt auf den Texten.

TANTE KÄTHE AND THE HUSBAND SHAKERS AUS FULDA 

Rockige Frauenband zum Mitgrooven

„Mit handgemachter Rockmusik und einer Stimme, die zugleich an allen Ecken und Enden funkt, soult und rockt, bringen wir jeden Saal zum Beben und jede Hüfte zum Schwingen“, so die fünf Mädels von Tante Käthe and the Husband Shakers auf ihrer Facebook-Seite. Und das haben sie bereits 2017 auf dem Straßenmusikfestival unter Beweis gestellt. Starke Stimmen, grooviger Bass und Gitarre, Percussions und Rasseln – eingepackt in Rockklassiker. Einfach was für jeden. Diesmal sind sie aufgrund fehlender „Elternzeitvertretung“ nur zu dritt.

SPELLBOUND AUS GOTHA 

Eine Reise durch historische Weltmusik

Bei diesem Gespann kannst du nicht nur lauschen und genießen, sondern auch noch was lernen. Und zwar über historische Musik aus Europa. Ob mittelalterliche Trommeln, Klänge der Renaissance oder Dudelsacktradition aus Spanien oder dem Balkan – die Band Spellbound nimmt „das Publikum mit auf ihren kurvenreichen Weg, die Vielfalt der Kulturen und des Lebens zu feiern“, so das Quintett, das schon seit zwei Dekaden besteht. Spellbound steht für Experimentierfreudigkeit fernab jeglicher Konventionen. In der Straßenmusik sehen sie eine besondere Herausforderung, weil sie hier Laufpublikum dazu bewegen müssten, stehen zu bleiben.

STECKBECKENZECKEN AUS LEVERKUSEN 

Eine Schlagerpunk-Comedy-Show

Schräge Outfits, freche Sprüche und lustige Lieder – das alles gibt‘s von den Steckbeckenzecken. Steck… wie bitte?! „Das ‚Steckbecken‘ ist ein Synonym für Bettpfanne, welches für das Andenken an die Schlagergeneration steht, und ‚Zecken‘ bezieht sich auf die Punkszene, da Punks des Öfteren als solche bezeichnet werden“, so die Erklärung der Band. Eine Genre-Schublade gefällig? Schlagerpunk. „Deutschsprachige, humoristische Lieder über Liebe, Frohsinn oder auch das Wandern in den Bergen werden in komödiantischen Liveshows in einem Crossover aus Schlager und Punkrock stilvoll präsentiert“, so die „Schlagerpunks von nebenan“.

LAURYN MARK AUS FRANKFURT

Genre-übergreifende Singer-Songwriterin

„Heimwegspuren“ heißt ihr erstes deutsches Album, das kürzlich veröffentlicht wurde und du unplugged beim Straßenmusikfestival erleben kannst. Lauryn Mark ist SingerSongwriterin, Komponistin und Produzentin aus dem Raum Frankfurt. „Auf dem Album taucht der Hörer in ein Meer von verschiedenen Gefühlen ein, aber größtenteils sind die Songs voll von Liebe, Lebensgeschichten und der Suche nach Antworten auf die Fragen des Lebens“, so ihre Beschreibung. In eine Genre-Schublade lässt sie sich nicht stecken. Rock, Pop, Jazz, Soul – Lauryn Mark taucht in viele Stile ein.

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