Die Langebrückenstraße in Fulda wird zur archäologischen Ausgrabungsstelle. Sobald die Bebauung des Areals klar ist, kann’s losgehen. Was werden die Archäologen finden?

Foto: Vonderau Museum; Joseph Vonderau bei seinen Grabungen in der Langebrückenstraße.

Vor mehr als 100 Jahren hat Fuldas bekanntester Heimatforscher, Joseph Vonderau, herausgefunden: Schon in der Steinzeit lebten Menschen in Fulda. An der Langebrückenstraße entdeckte er entsprechende Funde, die bis ins Mittelalter hineinreichen. Darunter: Feuersteingeräte, eisenzeitlich (keltische) Keramik, römische Keramik (Terra Sigillata),Teile von Mühlrädern, Reste einer Geweih- und Knochenschnitzerei.

Seltene Einblicke in die Vorgeschichte

“Das besondere an dieser Fundstelle ist die Erhaltung organischen Materials, das sich in den dauerfeuchten Böden am Übergang zur Fuldaaue nicht zersetzt hat”, erklärt Dr. Frank Verse von der Stadt- und Kreisarchäologie Fulda. Das ermögliche einen seltenen Blick in die Vorgeschichte. Der bisherige Standort der L14 ist ein Platz, der immer wieder besiedelt wurde. Im Mittelalter gab es hier erst eine Furt, dann eine Brücke.

Der Wissenschaftler ist sich sicher: Hier warten weitere bedeutende Fundstücke darauf, ausgegraben zu werden. Verse erwartet Erkenntnisse zur Vor- und frühen Stadtgeschichte. “Daher ist dieses Gelände für die archäologische Forschung höchst interessant.”

Hier wird gegraben

Gegraben wird allerdings nur dort, wo die Bauarbeiten tiefer als 1,5 Meter in den Boden vordringen, also dort wo eine Tiefgarage oder ein Keller geplant ist. Wieso? “Aufgrund der Untersuchungen Vonderaus gehen wir davon aus, dass die oberen 1,5 m aus Schwemm- und Aufschüttungsmaterial bestehen. Daher werden erst bei Eingriffen ab dieser Tiefe Bauvoruntersuchungen notwendig”, erklärt der Fachmann.

Dabei wäre es doch spannend, das gesamte Areal zu untersuchen. Das sieht das Hessische Denkmalschutzgesetz allerdings nicht vor. Die Stadt Fulda erklärt dazu: “Im vorliegenden Fall greift das sogenannte Verursacherprinzip, wonach die durch ein Bauvorhaben gefährdeten Bodendenkmäler auf Kosten der Bauherrschaft archäologisch untersucht werden müssen.” Bereiche, die nicht gefährdet sind, werden also nicht untersucht.

Was im Boden verborgen liegt

“Für einen Forscher ist es natürlich wahnsinnig spannend, zu wissen, was dort verborgen liegt, wo es keine archäologischen Untersuchungen geben wird. Auf der anderen Seite liegen die Fundstücke aber geschützt im Boden. Das ist vielleicht gar nicht so schlecht”, meint Verse. Stimmt. Du musst dir nur einmal überlegen, wie viel Kulturgut durch die letzten großen Kriege verloren gegangen ist. Und wie die Welt in 100 oder 200 Jahren aussieht, kann heute keiner sagen.

Laut Stadt Fulda sollen die Grabungen schon diesen Sommer beginnen. Bis du dir mögliche Fundstücke im Museum anschauen kannst, werden aber Jahre ins Land ziehen. Denn die Konservierung organischen Materials ist aufwendig.

Übrigens: Der Neubau auf dem Gelände wird durch die Archäologie nicht verzögert, meint Verse. Die Grabungen seien vorgeschrieben und daher bei der Planung des Baus berücksichtigt.

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