Mit ihrem Slam „One Day“ gelang Julia Engelmann 2013 der Durchbruch. Mittlerweile hat sie drei Bücher veröffentlicht und ist mit ihrem Programm „Eines Tages, Baby – Upgrade -“ auf Tour. Am 14. Mai macht die Bremerin Halt in Fulda. Mit move36 hat sich die 24-Jährige ((wird am 13. Mai 25!)) über ihren ersten Auftritt, das Tourleben und ihre eigene Verletzbarkeit unterhalten.

Von Sophia Reddig

Was ist Poesie für dich?

Das Festhalten von flüchtigen Gefühlen und Bildern, das Teilhabenlassen anderer an einem Innenleben.

Warum hast du angefangen zu schrieben?

Geschichten schreibe ich schon seit der Grundschule. Mit 17 habe ich angefangen, Gedichte zu schreiben und war das erste Mal auf einem Poetry Slam. Das hat mich total angesprochen, und ich habe mich gleich für den nächsten Monat angemeldet.

Und wie war dein erster Auftritt?

Sehr aufregend! Ich konnte an nichts Anderes mehr denken. Danach hat jemand flüchtig im Vorbeigehen gesagt, dass der Text cool war und ich weitermachen soll. Ich bin quasi nach Hause geschwebt – und seitdem dabei.

Hast du Tipps für Newcomer, die den Schritt auf die Bühne wagen?

Zuerst: Niemand muss auf eine Bühne. Es gibt so viele tolle Schriftsteller, die nicht ins Rampenlicht wollen. Und für die, die wollen, sich aber nicht trauen: Es gibt nichts zu verlieren. Ich finde, für die Bühne braucht man nichts außer einem Gedanken, der einem etwas bedeutet.

Was ist anders, wenn man nicht bei einem Poetry Slam Auftritt antritt, sondern eine Lesung mit seinen Texten bestreitet?

Einiges! Ich habe mir mein eigenes Bühnenbild gebastelt. Ich kann Konfetti werfen, Musik zwischen den Acts spielen, mit dem Publikum direkter sprechen. Außerdem sind meine Eltern dabei und managen mich. Wir sind quasi ein lyrischer Wanderzirkus.

Deinen Eltern, deinem Bruder und deinen Großeltern hast du Texte gewidmet. Was sagen Sie dazu?

Die freuen sich, ich habe ja sehr liebevolle Dinge geschrieben. Das ist wie ein Geschenk, was ich ihnen machen kann. Das Gedicht an meine Eltern ist natürlich das Lieblingsgedicht meiner Eltern, was sie immer weiterempfehlen.

Und wenn nur ein lyrisches Du vorkommt, hast du manchmal Angst, dass die Person sich wiedererkennt und weiß, was du denkst?

Eigentlich ist es sogar schön, Gefühle und Fragen zu teilen, mich verletzlich zu machen und mich zu offenbaren. Besonders, wenn sich jemand zurücköffnet.

Wie meinst du das?

Ich empfinde eine große Gemeinschaft beim Teilen von Gedanken und Gefühlen. Meist kommt was zurück: Egal, ob ich auf der Straße angesprochen werde, eine Instagram-Nachricht bekomme oder jemand im Publikum sich bei einer Lesung eine Träne wegwischt. Das ist alles unheimlich bereichernd.

Wenn du deine Texte so oft liest, blickst du mit zeitlichem Abstand nochmal anders darauf?

Auf jeden Fall. Mir geht es ja manchmal sogar schon so, dass ich nach einem Tag anders über einen Gedanken oder etwas Gesagtes denke. Das geht mir mit Gedichten genauso: Manchmal beantworte ich Fragen, die ich mir mal gestellt habe, heute anders für mich. Oder ich merke, dass ich schon einmal weiter war und alles vergessen habe.

Änderst du in einem solchen Fall mal ein Gedicht?

Live lasse ich manchmal Passagen raus oder ändere bestimmte Wörter. Aber wenn ich das Gefühl hätte, ich müsste viel verändern, würde ich ein neues Gedicht schreiben.

Wie schreibst du am liebsten?

Ich habe ein paar Dinge, mit denen ich mich beim Schreiben gerne umgebe wie Bilder, Zitate und natürlich genügend Zeit (lacht). Am liebsten höre ich beim Schreiben ein Lied, was ich fünf Stunden durchhören kann.

Kein Wunder, dass du häufig Songlyrics zitierst.

Ja, Musik ist für mich unglaublich wichtig und inspirierend. Einen Soundtrack für verschiedene Momente zu haben, macht mein Leben schön. Ich bin ein richtiger Playlist-Fan. Für meine Show erstelle ich immer eine Einlass- und eine Auslassplaylist, die die Zuschauer in Stimmung bringen soll. Ich spiele selbst Klavier und Gitarre und lockere mein Programm gerne mit Liedern auf.

Dein Programm heißt „Eines Tages, Baby“. Wer ist Baby und was sagt Baby dazu, dass er oder sie Baby genannt wird?

Mittlerweile sind meine Bücher meine Babys (lacht). Beschwert haben sie sich noch nicht.

Julia Engelmann ist am 14. Mai um 19 Uhr mit ihrem Programm “Eines Tages, Baby – Upgrade” in der Orangerie.

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