[vc_column_text]Sie gehören zum Deutschpunk wie Sido zum Deutschrap. Seit über 30 Jahren macht Wizo aus Sindelfingen Polit- und Funpunk. Am heutigen Mittwoch machen Frontmann und Bandgründer Axel Kurth (49), Drummer Alex Stinson und Bassist Ralf Dietel mit ihrer Tour “Schönheit des Verfalls” Halt im Kreuz. „Maximalen Blödsinn“ verspricht Axel für das Konzert. Hier ein Auszug aus dem Interview, das im aktuellen move36-Magazin erschienen ist. 

Welcher Verfall ist schön und warum?

Das ist natürlich sehr sarkastisch gemeint. Es geht vor allem darum, dass tatsächlich alles zu verfallen scheint um uns herum. Unsere Lebensräume, die realen und die digitalen, werden immer mieser. Und es gibt einen Rechtsruck in der Gesellschaft. Aber wir lassen uns von dieser schlechter werdenden Zeit ja nicht unterkriegen, wir bleiben da entspannt. Wir sind eh die Punkrocker, die schon immer von no future gefaselt haben und dann ganz enttäuscht waren, als es doch keinen Atomkrieg gab in den 80ern. Deshalb freuen wir uns bis zu einem gewissen Grad, wenn jetzt alles den Bach runtergeht, weil wir wissen, dass man aus diesen Verfallsmomenten auch einiges an guter Laune ziehen kann.

Seit 30 Jahren macht ihr Politpunk – vor allem gegen Nazis, gegen kapitalistische Ausbeutung und für das Aufbegehren gegen Unrecht. Hat es gefruchtet?

Das kann ich nicht sagen. Ich weiß, dass es eine ganze Generation von Leuten gibt, die mit uns groß geworden sind und vielleicht ohne das bisschen, was ihnen unsere Musik geben konnte, ein unschönes Ende genommen hätten. Gleichzeitig weiß ich natürlich nicht, ob ich nicht schon viele auf die schiefe Bahn gebracht habe. Die Sache ist ja: Für uns hätte es niemals eine Option gegeben, diesen Weg zu verlassen. Was aber Unrecht, Rassismus oder Umweltzerstörung anbelangt, kann ich nur sagen: Wir sind nicht arg viel weitergekommen.

Ist Punkrock denn noch so politisch, nonkonformistisch und schrill wie vor 30 Jahren?

Das ist nicht mehr so, weil er komplett vom Mainstream absorbiert wurde. Man muss da auch ketzerisch sagen: Wir, also Wizo, pflegen eine Kultur von zornigen Heranwachsenden, die vor 30 Jahren jugendlich waren. Und das sind sie ja heute nicht mehr. Punk als relevante Subkultur für die heutige Jugend ist sehr infrage zu stellen. Aber was immer gleich bleibt, ist meiner Meinung nach die Weisheit der 17-Jährigen, die spüren, dass sie noch nicht zur Welt der Erwachsenen gehören, aber auch, dass sie keine Kinder mehr sind – und dann durchblicken, wie abgefuckt alles um uns herum ist. Das waren in unserer Generation halt die Punkrocker, heute kann’s eine andere Szene sein.

Ihr habt eine recht turbulente Bandgeschichte: 1986 habt ihr die Band gegründet, 2005 aufgelöst, 2009 neu zusammengefunden; seit 2014 ist Ralf Dietel am Bass und seit 2015 sitzt Alex Stinson am Schlagzeug – Ist Wizo noch Wizo? Oder hat sich was verändert?

Das ist eine gute Frage. Wizo ist Teil einer Evolution. Die Konstante bin auf der Bühne ich und hinter der Bühne unser vierter Mann und Manager Fratz, mit dem wir unser ganzes Label aufgebaut haben. Bei uns gab es aber nie harte Brüche, wir sind mit all unseren Ex-Mitgliedern noch gut befreundet.

Nach der Trennung hast du als Solokünstler weitergemacht – hattest du immer eine Reunion von Wizo im Blick?

Als wir aufgehört haben, waren wir wirklich ganz schön durch mit der Geschichte. Wir hatten uns musikalisch nichts mehr zu sagen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich eine Reunion nicht im Blick, sonst hätte ich die Band nicht aufgelöst. Danach ist mir allerdings klar geworden: Ich kann mich noch so sehr auf den Kopf stellen – meine Musik wird immer klingen wie Wizo.

Kurz bevor ihr euch aufgelöst habt, wart ihr im Kreuz, richtig?

Ja, 2005 und 2014 wieder glaube ich. Wir kennen das Kreuz gut. Es ist nur etwas schwierig hier, weil in Fulda nicht mehr so viele Menschen auf Konzerte zu gehen scheinen. Wir wollen das aber nicht aufgeben, uns ist’s wichtig, weiterhin in Fulda zu spielen. Außerdem liegt die Stadt ja infrastrukturell sensationell – egal, wo man hinwill, man kommt immer irgendwie durch Fulda.

Gibt’s irgendwelche netten Anekdoten von euren Auftritten?

Ich persönlich habe eine sehr schöne Geschichte im Kreuz erlebt: Ein PA-Verleiher (PA ist eine Beschallungsanlage, Anm. d. Red.) hat mir damals ein wunderschönes Röhrenmikrofon aus den 50ern oder 60ern verkauft. Ich liebe halt Mikrofone und alte Studiotechnik, das ist mein Steckenpferd.

Ein stilvolles Steckenpferd. Was erwartet uns im Kreuz?

Zu dem Zeitpunkt sind wir mitten in unserer Tour – das heißt erfahrungsgemäß: Euch erwartet eine optimal tight sitzende Band, die maximalen Blödsinn von der Bühne gibt. Was zwischen den Songs passiert, weiß ich noch nicht. Aber es wird garantiert sehr unterhaltsam mit uns.[/vc_column_text]

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