Schmeiß dein Smartphone in die Ecke, schließe die Fenster. Netflix an, “I am a Killer” auf play. Für DEN heißen Scheiß musst du hoch konzentriert sein, sonst verbrennt er dich.

Robert Johnson ist ein Mörder, von der Justiz zum Tode verurteilt. Er sitzt dir gegenüber, schaut direkt in dein Gesicht. Seine Augen flößen Angst und Respekt ein. Wenn du ihn siehst, weißt du, das ist keiner, mit dem man sich anlegen sollte.

Johnson will sterben

Johnson hat seinen Zellengenossen stranguliert. Der Mord sollte nur einem Zweck dienen, ihn in den Todestrakt zu bringen. Warum jemand freiwillig für die Todesstrafe plädiert? Johnson ist über 50. Bislang war er derjenige, der seine Mitinsassen schikaniert und rumgeschubst hat. Er hat Angst, selbst zum Opfer zu werden, sobald er alt und gebrechlich ist. Bis zur Vollstreckung des Todesurteils können Jahre ins Land ziehen.video link=”https://www.youtube.com/watch?v=o_reFAYtKas”]Der Todeskandidat erzählt dir diese Story nüchtern, ohne jegliche Regung. Schockt dich das? Glaubst du, Johnson ist ein abgebrühtes Monster? Er hat keine Eltern, die ihn lieben, weiß nicht, was es heißt, wichtig für jemanden zu sein. Er ist eine bedauernswerte Figur. Erst als er schon im Todestrakt sitzt, wird sein Cousin auf ihn aufmerksam, baut Kontakt auf. Johnson ist skeptisch, glaubt, dass er sich schon nach kurzer Zeit wieder von ihm abwendet.

Er wurde nie geliebt

Ein Trugschluss. Todeszellen-Insasse Nr. 322534 erfährt zum ersten Mal, was es heißt, geliebt zu werden. Jetzt ist da jemand, dem er nicht egal ist. Hätte er diese Erfahrung schon als Kind gemacht, säße er heute wohl nicht im Todestrakt. Bedauerlich. Oder was meinst du? Hast du Mitleid mit dem Mörder?

Seit dem die Todesstrafe in den USA 1976 wieder eingeführt wurde, sind 8000 Menschen zum Tode verurteilt worden. Zehn der Verurteilten erzählen dir, warum sie sterben sollen. In “I am a Killer” zwingt dich Netflix, dein eigenes Urteil zu fällen. Ist es gerecht, dass diese Menschen hingerichtet werden sollen? Was meinst du? Am besten schaust du dir jeden der Fälle genau an. Hinterher kommst du den Antworten auf die vielen Fragen näher. Vielleicht sprichst du sogar dein eigenes Urteil über die zehn Verbrecher und die Todesstrafe. Vielleicht kommst du sogar zu dem Schluss, dass sie selbst das größte Verbrechen ist. Vielleicht.

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