Ohne sie wären “Die drei Fragezeichen” in Deutschland sehr wahrscheinlich nicht derart erfolgreich geworden. Die forsche Aiga Rasch hat großen Anteil an deren Erfolgsgeschichte. In der Kinderakademie Fulda kann sich nun jeder ein Bild von ihrer beeindruckenden Leistung machen.

„Die drei Fragezeichen“ sind ein Phänomen. Seit 50 Jahren ermitteln Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. In 200 Fälle haben sich die Jungs aus Rocky Beach an der amerikanischen Westküste mittlerweile gestürzt.

Dass die Jugendkrimireihe in Deutschland über Jahrzehnte so erfolgreich geworden ist, hat sie auch einer Frau zu verdanken, die außerhalb von Fankreisen nur wenigen bekannt ist. Aiga Rasch heißt sie. Oder besser: hieß sie. Denn die gebürtige Stuttgarterin ist Heiligabend 2009 gestorben.

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Aiga Rasch besuchte das Fanny-Leicht-Gymnasium.
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In Tübingen studierte Rasch Germanistik, Philosophie und Psychologie - brach aber ab.

Aiga Rasch: Retterin von “Die drei Fragezeichen”

Ihr haben die Bücher und Hörspiele von „Die drei Fragezeichen“ die unverwechselbaren Cover zu verdanken. Allein wegen der Motive lohnt es sich, die Schallplatten der Serie zu sammeln. Wäre Rasch nicht so forsch gewesen, hätte die Serie mit einem ziemlich lahmen Design leben müssen.

Es ist 1969, als Aiga Rasch den Erfolg von „Die drei Fragezeichen“ in aller letzter Sekunde sichert. Damals arbeitet sie bereits etwa sieben Jahre als Illustratorin im Frankh-Kosmos-Verlag. Im Lektorat entdeckt Rasch die ersten beiden Bände der Serie – eingebunden in einen von einem Kollegen designten Schutzumschlag.

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Erster Umschlag des ersten "Die drei Fragezeichen"Bands.

Schwarzes Cover? Verleger ist entsetzt

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Raschs Upgrade für das “Gespensteschloss”

Sonderlich begeistert ist die Illustratorin davon nicht. Und tatsächlich: Das Design springt nicht gerade ins Auge. Beliebig ist es. In den Umschlägen könnte man alle möglichen Bücher verstecken. Wiedererkennungswert: null.

Dementsprechend schlecht verkaufen sich die Bücher. Aiga Rasch kribbelt es in den Fingern. Sie möchte der Serie ein neues Layout verpassen. Das Problem: Die Lektorin traut ihr dieses männliche Thema nicht zu. Rasch schlägt deswegen vor, auf das Honorar zu verzichten, wenn ihre Entwürfe nicht gut ankommen sollten.

Nach kurzer Zeit liefert sie einen Entwurf mit dem charakteristischen schwarzen Grundlayout – noch heute Basis der Cover. Ihr Verleger ist allerdings entsetzt. Ein schwarzes Cover? Das hatte es für ein Jugendbuch ja noch nie gegeben! Dennoch kann Aiga Rasch ihn überzeugen.

“Die drei Fragezeichen”-Ausstellung in der Kinderakademie Fulda

Von 1970 bis 1999 kreiert Aiga Rasch 89 beeindruckende Cover für „Die drei Fragezeichen“. Die Motive sind grell, wirken dennoch düster bis gruselig – genauso wie viel Fälle der drei Detektive.

Die Kinderakademie Fulda (KAF) stellt seit einigen Wochen „Die drei Fragezeichen“-Illustrationen von Aiga Rasch aus. „Die sprechenden Bilder“ nennt sich die Ausstellung. Und sie sprechen tatsächlich, bestimmen die Bilder, die beim Lesen oder Hören der Episoden der Serie im Kopf entstehen.

Aiga Rasch, Die drei ???
Die KAF stellt Entwürfe und finale Cover von "Die drei Fragezeichen" aus.

Die Ausstellung zeigt nicht nur die finalen Versionen der Cover, sie ergänzt sie mit vorangegangenen Entwürfen. Einige kommen dem Endergebnis schon sehr nahe, zum Beispiel jene für die Folge „…und der sprechende Totenkopf“. Andere haben mit dem späteren Cover so gar nichts am Hut. Bestes Beispiel: ein Entwurf für die Folge „… und die Geisterinsel“.

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Dieser Entwurf die die "Geisterinsel" lag noch weit weg vom späteren Cover.
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Deutlich düsterer: Das finale Cover für "Die drei Fragezeichen und die Geisterinsel"

Aiga Raschs Inspirationen-Goldgrube

Ein Ordner, der in der Ausstellung „Die sprechenden Bilder“ ausliegt, liefert tiefe Einblicke über die Entstehungsweise der Illustrationen für die Serie. Darin befinden sich unter anderem Briefe des Frankh-Kosmos-Verlags an Rasch. Daraus geht hervor: Häufig sind sich die Entscheider des Verlags zügig über einen Entwurf einig. Dann und wann muss die Illustratorin jedoch noch (mehrmals) nachbessern.

Wo hatte Rasch die Inspirationen für ihre Illustrationen gefunden? Auch das verrät der Ordner, in dem KAF-Besucher blättern können. Rasch hat sie häufig in Magazinen gefunden. Dem Cover für „…und das Narbengesicht“ stand die Anzeige einer Versicherung Pate. Das Vorbild für „…und der seltsame Wecker“ lieferte eine Werbung für eine Uhr. Und der „schrullige Millionär“ stammt aus einem TV-Programm-Hinweis.

Vorbilder für die Cover von “Die drei ???

"...und das Narbengesicht"

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"...und der seltsame Wecker"

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"...und der schrullige Millionär"

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Neue Technik für “Tatort Zirkus”

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“Tatort Zirkus”: Erster Computer-Entwurf für ein Cover

Ein besonderes Ausstellungsstück in der KAF ist ein Entwurf für die Folge „Tatort Zirkus“. Merkwürdig sieht er aus, etwas pixelig. Der Grund: Aiga Rasch hat damals das erste Mal eine „Die drei Fragezeichen“-Illustration mit dem Computer angefertigt. Zuvor hatte sie alle per Hand gezeichnet.

Die Ausstellung „Die sprechenden Bilder“ kannst du noch bis einschließlich 10. Februar in der Kinderakademie Fulda besuchen. Infos über Öffnungszeiten und Eintrittspreise findet ihr auf der Website der KAF.

Hardcorefans von „Die drei Fragezeichen“ sei eins gesagt: Es könnte dir in den Fingern jucken, ein paar Illustrationen und Entwürfe mitgehen zu lassen. Das lass aber lieber mal bleiben.

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QuelleFotos: Sascha-Pascal Schimmel

Sascha-Pascal Schimmel

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Seit August 2016: Redakteur bei move36-Reportage // Oktober 2014 bis September 2016: Redakteur bei fuldaerzeitung.de // April 2013 bis September 2014: Volontär bei Focus Online // Master of Arts Journalismus (Johannes Gutenberg Universität Mainz) // Diplom-Volkswirt (Julius Maximilians Universität Würzburg)