Über ein Jahrzehnt haben diese Jungs die Fuldaer Musikszene geprägt: Seit 2004 gibt es die Mighty Vibez. Anfangs zwölf Köpfe, zwischenzeitlich neun und zuletzt sieben. Eine turbulente Bandgeschichte, die nun endet. Ihren eingängigen Querschnitt aus Reggae, Hip-Hop, Dub, Rock, Ska und Dancehall werden viele missen auf den Fuldaer Bühnen.

Vor ihrem Abschiedskonzert am Freitag im Kreuz haben Frontmann Mishah (33) und Drummer Alex (29), der 2009 hinzukam, mit uns über den Hype ihrer Anfangsjahre, ihren Musikmix und natürlich die Gründe, warum sie sich trennen, gesprochen.

Wie erinnert ihr euch jetzt an eure gemeinsame Zeit?

Mishah: Das war ‘ne geile Zeit.

Alex: Ich habe die Busfahrten immer sehr genossen. Weil man dann gezwungenermaßen drei Stunden Zeit miteinander verbringen musste. Das ist auch viel Schrott gelaufen während so ‘ner Fahrt, doch man konnte sich einfach mal unterhalten, Witze erzählen, Musik machen. Das fand ich immer super.

Ihr blickt nun auf 14 Jahre Mighty Vibez zurück. Wie lief euer Start?

Mishah: Mit dem Hype, der damals so schnell entstand, haben wir nicht gerechnet. Das Kreuz war immer komplett voll bei unseren Gigs. Da hat keiner mehr reingepasst, das war der Hammer.

Woher kam dieser Hype?

Mishah: Ich weiß es nicht. Wir waren die einzige Reggaeband in Fulda, und das hat irgendwie voll reingeballert.

Alex: Das war aber auch die Zeit, Mitte der Nullerjahre, wo Reggae in Deutschland angesagt war, Seeed war damals zum Beispiel ganz groß.

Also habt ihr in Fulda quasi eine Lücke gefüllt?

Beide: Ja, das kann man so sagen.

Wurdet ihr in anderen Städten auch so gefeiert?

Mishah: Das kam später. Es gab so bestimmte Ecken, die immer begeistert und gut besucht waren. Österreich zum Beispiel war ein Riesending, da haben wir immer in einem Bierzelt vor rund 2000 Leuten gespielt, die uns total gefeiert haben, immer unsere Text konnten. Das war richtig fett. Ich weiß nicht, was die von uns dachten: In Deutschland sind wir bestimmt voll die Megastars oder so (beide lachen).

Wie kam’s, dass ihr einmal im Jahr in Österreich gespielt habt?

Alex: Über eine Bekanntschaft. Die Schwester von unserem ehemaligen Trompeter wohnt da. Das erste Mal haben wir noch in einer kleinen Kneipe gespielt, und dann ist das gewachsen.

Hattet ihr auch Tiefpunkt während eurer Zeit?

Mishah: Klar, wenn du in der Konzertlocation ankommst, und es läuft nix: Technik, Essen, wenig Leute, oder dir wird auf einmal der Strom abgedreht, wenn du auf der Bühne stehst.

Mit zwölf Musikern habt ihr angefangen, hattet ein paar Abgänge, wart zwischenzeitlich neun und zuletzt sieben. Künstler können ja zuweilen sehr eigensinnig sein, wollen ihre eigene Machart durchsetzen. Und bei so vielen habt ihr euch doch sicher öfter mal in die Haare bekommen?

Alex: Ja, natürlich haben wir uns auch mal gezofft, aber nie größer. Dann sieht man sich einen Monat nicht, und dann ist’s auch wieder okay.

Aber ihr musstet euch doch sicher auf das Genre einigen. Oder hört ihr alle Reggae am liebsten?

Mishah: Nein, es gab alles bei uns: Jazzer, Rocker, Rapper. Wir haben immer versucht, das alles zu mischen, von jedem seine Ideen reinzubringen. Natürlich haben die vielen Köche den Brei auch mal verdorben, dann mussten wir den Song lassen.

Alex: Wir waren natürlich alle offen dafür. Da war keiner dabei, der gesagt hat: Nee, das will ich jetzt nicht, weil’s nicht meine Lieblingsmusik ist.

Cool, dass das so lange gehalten. Warum hält es jetzt nicht mehr?

Mishah: Die Band ist mir sehr ans Herz gewachsen über die vielen Jahre. Damals hatte ich eine ganz andere Lebenssituation als heute und viel mehr den Kopf dafür. Doch das hat sich geändert – und zwar so, dass ich gemerkt habe: Es ist mehr Anstrengung und Stress als Spaß. Es passt einfach nicht mehr in meinen Alltag mit Job, Familie und so weiter. Das habe ich circa ein Jahr mit mir herumgeschleppt, und dann kam der Punkt: So, jetzt sprichst du’s mal aus.

Also ging die Trennung vor allem von dir aus?

Mishah: Ja, von den anderen hätte niemand gesagt: Jetzt ist’s rum. Wobei ich ja gar nicht möchte, dass es rum ist. Aber ich habe als Frontmann einfach diese Stellung in der Band, die schwer zu ersetzen ist. Deswegen hoffe ich, dass die Jungs weitermachen und jemand neuen für mich finden.

Aber nicht als Mighty Vibez?

Alex: Richtig. Wenn wir spielen, spielen wir nicht als Mighty Vibez. Die gibt’s dann nicht mehr. Wir hatten aber noch nicht die Muse, uns darüber ernsthaftere Gedanken zu machen.

Startet denn einer von euch jetzt ein Soloprojekt?

Mishah: Ich bin Musiker und möchte damit nicht aufhören. Ich brauche das ja. Also habe ich geschaut, wie ich weitermachen kann. Nur Gitarre und Gesang wird ein bisschen langweilig auf Dauer. Also habe ich mir eine Loop Station gekauft und mich da voll reingearbeitet – und will damit dann spielen, wann ich möchte. Dass ich mein eigener Herr bin.

Was erleben wir dann am Freitag im Kreuz? Überraschungen? Gastauftritte? Überlänge?

Beide lachen: Ja, genau die drei Sachen.

Zuletzt: Was möchtet ihr euren Fans mit auf den Weg geben?

Mishah: Ein riesen-, riesen- – wirklich von Herzen – riesengroßes Dankeschön für den ganzen Support möchten wir an unsere Fans geben. Weil dieser Hype, der damals zustande kam, ohne sie niemals möglich gewesen wäre. Das Feedback, das wir bekommen haben, war einfach traumhaft.

Alex: Das kann man so stehen lassen.


Da werden Erinnerungen wach – die Mighty Vibez beim Propsteifestival und bei ihrem zehnjährigen Geburtstag im Kreuz:

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

QuelleFoto: Mighty Vibez
Die Autoren:

Daniel Beise

Beiträge: 280

Nachrichtenjunkie bei move36 mit Vorliebe für spitzzüngige Kolumnen.