Dalibor Marković hat ein neues Buch herausgebracht. Buch – CD – “Und Sie schreiben auf Deutsch?” ist beides. Denn Dalibor – 40, Beatboxer von Kindesbeinen an und Gewinner der deutschen Slammeisterschaften 2014 – verbindet, was ihn ausmacht: Text und Ton. Wir haben mit dem Frankfurter über Orte zum Schreiben, Inspiration und skurrile Erlebnisse gesprochen.

Und Sie schreiben auf deutsch?“ spricht ein Thema an, das viele Deutsche mit Migrationshintergrund hier erleben. Du bist in Frankfurt geboren und aufgewachsen. Wie oft kommst du in die Situation, dich erklären zu müssen?

Das kommt schon vor. Aber vor allem im Zusammenhang Vorname und Nachname. Lustigerweise werde ich vor allem im Ausland von Deutschen darauf angesprochen. Aber meist löst sich das ganz schnell auf, die Sache ist ja leicht erklärt.

Dalibor Markovic

Du hast dich schon sehr früh als Beatboxer geübt, später kamen Poetry Slams ganz ohne Musik dazu. Jetzt verbindest du beides. Wie kam es dazu?

Das wollte ich schon immer mal machen. Es war ein Traum von mir, es hat aber auch sehr lange gedauert, bis ich dahin kam. Ich habe lange geübt und verfeinert, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war. Denn ich wollte beides ineinander verwoben präsentieren. Es sollte nicht klingen, als sei das schwierig, sondern ganz natürlich.

In der Poetry-Slam-Szene hat sich ein wiederkehrender Rhythmus etabliert, dessen sich einige Poeten bedienen.

Das stimmt. Wenn ich selbst auftrete, bekomme ich die anderen meist nicht wirklich mit, weil man sich auf seinen eigenen Auftritt konzentriert. Aber gerade erst war ich mit Dominique (Dominique Mecri, Dalibors Partnerin im Projekt “Spoken Word Formation”, Anm. d. Redaktion) bei einem wirklich als Besucher. Ich denke allerdings, das ist jetzt so eine Phase, ein Stil. Und andere Poeten werden sich wieder neue Dinge überlegen.

Dalibor Markovic, Poetry, Und sie schreiben auf Deutsch? Poesie

Woher nimmst du deine Inspiration? Gibt es einen Ort, an dem es sich am besten schreiben lässt?

Das wäre schön. Aber leider nicht. Eigentlich kommt die Inspiration überall. Aber ich kann zum Beispiel nicht im Zug schreiben. Ich bin am liebsten zu Hause, weil man den Text vor sich hinsprechen möchte. Ich brauche auch laute Musik, muss mich bewegen können.

Was hörst du beim Schreiben?

Das ist unterschiedlich, was YouTube und die Empfehlungen von Freunden gerade hergeben. Aber meist etwas Beatlastiges, viel Hip-Hop, in letzter Zeit auch viel Elektronisches.

Für den Feinschliff brauche ich dann aber Ruhe. Diese letzte Phase nenne ich Schlafschreiben, dabei liege ich wirklich und feile an den letzten Feinheiten.

Beschreibe dich in drei Worten.

Offen. Verschlossen. Beides.

Du bist derzeit auf Tour – leider nicht in Fulda. Was ist das Skurrilste, was du auf Tour bisher erlebt hast?

Da gib es eine Geschichte, die ist aber schon länger her. Da kam nach der Show eine Frau auf mich zu und hat mir einen Strauß Rosen geschenkt. Sie hat nur gesagt “Die sind für dich” und ist sofort wieder gegangen. Ohne weiter mit mir zu sprechen. Es war auch keine Karte oder so dabei. Ich weiß bis heute nicht, wer sie ist.

“Und Sie schreiben auf Deutsch?” von Dalibor Marković.

Erschienen bei Voland & Quist.

112 Seiten. Audio-CD.

15 Euro.

Gibt es auch bei Parzellers Buchservice.

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QuelleFotos: Ken Yamamoto
Die Autoren:

Mariana Friedrich

Beiträge: 485

Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.