Die Fuldaer Jacqueline Bohrmann und Stephan Depta sind ein knappes Jahr in Thailand unterwegs. Dass das Land des Lächelns nicht nur ein Paradies ist, das haben die beiden gerade erst hautnah miterlebt. Sie waren bei einer Fütterung von wilden Hunden auf Koh Samui dabei.

Ein Text von Jacqueline Bohrmann

Da ist Fluffy, die dringend einen Haarschnitt bräuchte, damit sich die Kletten nicht immer in ihrem Fell verheddern. Dann ist da Raven, die zum zweiten Mal schwanger ist. Und natürlich Frank, er hat eine offene Wunde am linken Hinterbein. Weil die natürlich wehtut, lässt sich der blonde Mischling diese aber nicht wirklich verarzten.

Das sind nur drei von rund 40 Hunden, um die sich die Londonerin Terri Tyler täglich kümmert. Jeden Tag fährt sie mit ihrem Pick-up die gleiche Runde quer durch den Dschungel von Koh Samui. Wir durften sie dabei begleiten. Und ich muss sagen, diese zweieinhalb Stunden haben mich sehr beeindruckt.

Wie zu erwarten haben wir viel Elend gesehen: Die Hunde leben im Dschungel zwischen halb abgerissenen Hütten, Plastikmüll und frei herumlaufenden Hühnern. Manche sind abgemagert oder haben schwere Verletzungen. Trotzdem freuen sich alle, wenn Terri aus ihrem Wagen steigt und die Hunde begrüßt. Neun Rudel besuchen wir an diesem Tag.

Was mich verwundert ist, dass keiner der Hunde um das Futter kämpft oder in irgendeiner Weise bösartig wirkt. Es scheint, als wären sie gut erzogen und jeder wartet auf seine Portion. Viel Zeit zum Streicheln oder Spielen bleibt nicht, Terri muss weiter zum nächsten Rudel.

Seit 13 Jahren lebt Terri Tyler auf der thailändischen Insel Koh Samui. Mit Tieren hatte sie vorher nicht viel am Hut. Auf der Insel angekommen, konnte sie das Haus nicht verlassen ohne einen kranken, hungernden oder verletzten Hund zu sehen. Da entschied sie, dass sie helfen muss. Und das macht sie nun jeden Tag. Seit elf Jahren war sie deswegen nicht mehr im Urlaub.

Ich bin beeindruckt von dieser Hingabe und der Power, die Terri ausstrahlt. Gleichzeitig denke ich, dass das auch nicht gesund sein kann, wenn man sich so sehr für etwas einsetzt und seine eigenen Bedürfnisse hinten anstellt. Die Alternative? Wenn Terri die Hunde nicht füttert und sich um sie kümmert, macht es niemand und sie würden über kurz oder lang sterben. Nicht nur, weil sie verhungern oder an Krankheiten krepieren, auch weil futtersuchende Hunde schnell zum Problem werden können. Weil die Hunde Hühner reißen oder Essen klauen werden sie immer wieder von Anwohnern vergiftet. In Thailand und auch hier auf Koh Samui gibt es unzählige wildlebende Hunde. Das große Ziel ist es deswegen wenigstens alle weiblichen Hunde zu sterilisieren, um die Population einzudämmen. Dann sind es vielleicht irgendwann weniger Hunde, um die sich Terri täglich kümmern muss.

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