Es ist verheerend, was sich was sich am 11. September 1944 und am Tag darauf in Fulda ereignet hat. Die Stadt wurde bombardiert, Hunderte Menschen starben. Dabei hatten die Bomberpiloten Fulda zuerst gar nicht ins Visier genommen.

Es ist sonnig an jenem 11. September 1944. Genau wie heute. Ein Wetter, das in starkem Kontrast dazu stehen wird, was im Laufe des Tages in Fulda passieren wird. Wobei: Das Wetter hat die Katastrophe zumindest nicht behindert. Um kurz nach elf am Vormittag heulen in Fulda die Luftschutzsirenen. Rund 33.000 Menschen leben damals in der Stadt.

Der Zweite Weltkrieg ist damals in vollem Gange. Deutschland hatte ihn fünf Jahre zuvor mit dem Überfall auf Polen ausgelöst. 60 Millionen Menschen werden in diesem Krieg sterben. Zeitgleich ermorden Deutsche und ihre Helfer systematisch und mit industriellen Methoden etwa sechs Millionen Juden. (Ergänzung vom 12.09.2019, 10.33 Uhr)

Trotzt Sirenengeheuls und dem dröhnenden Geräusch fliegender Bomber, bleibt die Bevölkerung Fuldas an diesem Montag im September 1944 verhältnismäßig locker. Sie hat gelernt, mit den Alarmen zu leben. Den überfliegenden Bombern hätten die Fuldaer schulterzuckend nachgeschaut, schreibt der Historiker Michael Mott.

23 Jungen sterben im Fuldaer Domgymnasium

Etwa zwei Stunden später verdunkelt sich der Himmel über Fulda. Ein großer Teil der Bomber, laut Günter Sagen 106, kehrt zurück. Aus knapp 6000 bis 8000 Metern Höhe werfen sie 1018 Sprengbomben mit einem Gesamtgewicht von gut 230 Tonnen auf die Stadt.

Die Zerstörungen sind im Innenstadtbezirk zwischen Bahnhof und Königsstraße am heftigsten. Der Bahnhof ist ein einziges Bombentrichterfeld (s. Titelbild). Eine Bombe trifft das Domgymnasium, 23 Jungen sterben. Die Kuppeln der Kapellen an der Südseite des Doms stürzen ein.

Bombardement Fulda Zweiter Weltkrieg

Der Gemüsemarkt in Fulda nach einem Bombardement. (Foto: Stadtarchiv Fulda)

Am schlimmsten trifft es laut Mott aber den Gemüsemarkt. 18 Gebäude sind nach dem Bombardement nur noch Schutt und Asche. Holzbalken und Gemäuerbrocken türmen sich zu meterhohen Bergen auf. 49 Menschen sterben, darunter ein acht Monate altes Kind. „Inmitten der riesigen Schutt- und Trümmerhaufen ragte nur noch ein Säulenfragment aus dem Jahre 1791 mit dem Wappen des letzten Fuldaer Fürstbischofs Adalbert III. von Harstall – Teil des sogenannten Harstallbrunnens – als einsame Säule empor“, schreibt Michael Mott. Der mittlerweile verstorbene Metzgermeister Franz Koch meinte später einmal: „In diesem Augenblick wurde der alte Brunnen, der zwischen den Trümmern wie ein Zeigefinger hervorragte, zu einem Mahnmal.“

„Die Bilder kommen im Traum immer wieder“

An diesem Mahnmal hat am Mittwoch eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag des ersten großen Luftangriffs auf Fulda stattgefunden. Deutlich mehr als 100 Fuldaer haben der Katastrophe gedacht. Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld richtete ein paar Worte an die Anwesenden. „Es ist eine zentrale Aufgabe, dass das nicht in Vergessenheit gerät. Mit Blick auf unsere Geschichte können wir einerseits sein, dass wir einen langen Frieden wir nie zuvor erlbene. Die Gefahr ist aber, dass man das als Selbstverständlichkeit betrachtet.“, sagte er. (Den gesamten Beitrag des OB hörst du im Audiomitschnitt)

Neben unserem Oberbürgermeister sprach am Mittwoch auf dem Gemüsemarkt auch Reinhold Schäfer. Er hat den Bombenangriff vom 11. September 1944 hautnah miterlebt. Damals ist er achteinhalb Jahre alt gewesen. Die politischen Hintergründe des Bombardements seien ihm damals nicht bekannt gewesen, sagte er. Dafür habe er erfahren, was Krieg bedeutet. „Die Bilder zerstörter und brennender Häuser blieben ein Leben lang erhalten und kommen im Traum immer wieder. In der Wörthstraße sahen wir nur Ruinen.“ (Den kompletten Bericht von Reinhold Schäfer hörst du im Audiomitschnitt)

Fulda ist nur Notziel der Bomber der Alliierten

Deutlich mehr als 100 Fuldaer haben dem ersten großen Bombardement auf die Stadt während des Zweiten Weltkriegs gedacht. (Foto: Sascha-Pascal Schimmel)

Fulda ist damals eigentlich gar nicht Ziel der Bomber gewesen. Die hatten es planmäßig auf Werke im Osten abgesehen – Treibstoff und Militärfahrzeugbau. Dort behinderte jedoch eine entgegen der Wettervoraussagen viel dichtere Wolkendecke die Sicht der Piloten auf ihre Ziele. Daher drehten die Bomber ab. Ein Teil der Maschinen steuerte daraufhin die Reifenwerke in Fulda an – als letztes Ausweich- und Notziel. Hier hatten sie wegen teilweise strahlenden Sonnenscheins gute Sicht. (Link: Fulda war die Müllhalde der Bomber der Alliierten im Zweiten Weltkrieg)

Auch am nächsten Tag, den 12. September 1944, warfen die Maschinen der Alliierten Bomben über Fulda ab. Als die Sirenen um kürz vor zwölf mittags zu heulen begannen, flohen viele Bewohner der Stadt. Einige machten sich von der Unterstadt aus auf den Weg in die Luftschutzkeller am Pröble und in Neuenberg. Einige starben in der Johannisaus, als Bomben auf die flüchtende Menschenmasse fielen.

Insgesamt starben an diesen beiden Bombenkriegstagen in Fulda mindestens 574 Menschen. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs stieg die Gesamtzahl der Toten auf 1596. Hinzu kommt eine große Zahl von Verletzten und Vermissten.

 

 

Titelbild: Stadtarchiv Fulda

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