14,89 Millionen – so viele Menschen haben in Deutschland im vergangenen Jahr ehrenamtlich gearbeitet. Einer von ihnen ist Jonas Budenz aus Rasdorf. Seit August ist er in einer Einrichtung der Caritas und beschäftigt sich mit Menschen mit Behinderung. move36 hat mit dem 17-Jährigen über sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) gesprochen und wie ihm die Arbeit bei seiner Berufswahl hilft.

Warum hast du dich für ein FSJ entschieden?

Ich habe lange überlegt, wie ich meinen Berufsweg gestalte, war mir unschlüssig, was ich nach der 10. Klasse mit dem Realschulabschluss mache. Mir war nicht klar, was für mich der beste Weg ist. Dann kam mir die Idee, ein FSJ zu machen, auch weil mein älterer Bruder das auch gemacht hat. Ich habe dann mit dem Arbeitscoach an meiner Schule, der Lichtbergschule in Eiterfeld, gesprochen. Dann habe ich mich vergangenes Jahr im Januar, Februar beim BDKJ beworben und schon nach zwei Tagen eine Rückmeldung bekommen.

Warum bei der Caritas?

Man hat mich gefragt, in welchem Bereich ich arbeiten will. Ich dachte mir, der Kindergarten wäre ganz gut, auch weil meine Mutter als Erzieherin arbeitet. Dann kam es aber ganz anders, denn die Stellen im Kindergarten waren alles schon besetzt. Ich bin aus diesem Grund in Fulda bei der Behindertenhilfe der Caritas gelandet. Damit bin ich echt zufrieden.

Wie bist du auf das FSJ beim BKDJ aufmerksam geworden?

Mein Bruder war früher schon bei der Caritas in Haselstein in einer Werkstatt. Er meinte, das sei ein guter Arbeitgeber. Ich habe auch Freunde, die bei der Caritas sind.

Wie hast du dir das FSJ vorgestellt?

Ich bin mit der Einstellung rangegangen, dass ich mich überraschen lassen will. Ich hatte vorher nie Kontakt zu Menschen mit Behinderung. Es war fremd für mich, auf Seminare zu fahren, bei denen ich keinen kenne. Das war etwas komisch, weil ich so gar nicht wusste, was auf mich zukam.

Wie kann man sich die Seminare vorstellen?

Das sind Bildungsseminare. Die gehen immer über eine Woche und zählen als Arbeitszeit. Hier werden verschiedene Themen behandelt, die sich mit unserer Arbeit beschäftigen, zum Beispiel psychische Krankheiten. Am letzten Seminartag gibt es eine Abstimmung, welche Themen wir bei den nächsten behandeln wollen. So können wir Freiwilligen aktiv die Inhalte mitbestimmen.

Wie ist das FSJ?

Am Anfang war es für mich in meiner Einrichtung schwierig, weil mir vorher der Kontakt zu Menschen mit Behinderung gefehlt hat. Aber ich habe mich schnell dran gewöhnt. Spätestens nach zwei Wochen fand ich es unheimlich spannend, den Tag mit den Leuten zu verbringen und jeden kennenzulernen. Obwohl ich zunächst Respekt vor der Arbeit hatte, ist die Zeit bei der Caritas bisher echt gut!

Was für Aufgaben hast du?

Ich kümmere mich hauptsächlich um die Betreuung und die Pflege, verbringe den Tag mit den Menschen. Ich gehe mit ihnen spazieren, spiele mit ihnen. Bei schönem Wetter gehen wir in den Park oder fahren mal in eine Bäckerei oder ein Bistro, trinken Kaffee, essen Kuchen. Meine Hauptaufgabe ist es, die Menschen zu beschäftigen und ihnen am Tag etwas anzubieten. Sie sollen nicht den ganzen Tag in der Einrichtung verbringen.

Du sprichst von Pflege. Gehört es zu deinen Aufgaben auch, den Menschen beim Duschen zu helfen, sie zu waschen?

Das kommt drauf an. Ein FSJler muss das nicht machen. Das steht mir frei. Wenn ich sage, ich möchte das nicht tun, dann rufe ich einen hauptamtlichen Pfleger oder eine Pflegerin. Der oder die übernimmt das dann. Für mich ist das aber weniger das Problem. Wobei es anfangs schwierig war. Ich habe mich gefragt, wie ich mich in so einer hilfebedürftigen Situation verhalten würde.

Wie alt sind die Menschen, um die du dich kümmerst?

Die jüngste ist 46 und der älteste 80 Jahre alt. Insgesamt sind es  acht Bewohner. Ich bin in einer Tagesgruppe. Neben mir arbeiten noch zwei weitere FSJler in der Einrichtung.

Wie lange arbeitest du in der Woche?

Montag bis Donnerstag arbeite ich von 8 bis 16 Uhr und freitags bis 15 Uhr. Dafür bekomme ich monatlich ein Taschengeld in Höhe von 410 Euro (Netto) vom BDKJ Fulda.

Viele, die sich für ein FSJ oder BFD (Bundesfreiwilligendienst) entscheiden, nutzen die Chance, ins Ausland zu gehen. War das für dich keine Option?

Nein. Ich glaube aber, ich könnte nie ins Ausland ziehen, da ich sehr heimatverbunden bin. Deswegen reizt mich das auch nicht.

Wie lange geht dein FSJ noch?

Das geht noch bis zum 31. Juli 2018. Angefangen habe ich am 1. August 2017. Es ist aber auch möglich, einen 6-monatigen Dienst zu absolvieren oder seinen 12-monatigen Dienst um bis zu 6 Monate zu verlängern. Aufhören kann man zu jederzeit. Allerdings wird das FSJ oder der BDF erst ab 6 Monaten anerkannt.

Bist du der einzige aus deiner alten Klasse, der ein FSJ macht?

Ich weiß, dass sich zumindest einer dafür entschieden hat, aber wo weiß ich nicht.

Was machst du danach?

Das steht noch nicht ganz fest. Ich überlege, eine Schreinerausbildung zu machen. Vielleicht verlängere ich mein FSJ auch noch um ein halbes Jahr, überbrücke weitere sechs Monate und werde Heilerziehungspfleger.

Das sind ja zwei relativ unterschiedliche Bereiche.

Ja gut, mein Vater ist Schreiner. Ich helfe ihm gern, habe auch echt Spaß am Handwerk. Das lässt sich mit dem Hochsitzbau für die Jagd auch gut verbinden, denke ich. Denn die Jagd ist ein Hobby von mir. Andererseits gefällt es mir in meiner Einrichtung auch sehr gut. Daher überlege ich, ob ich nicht doch in dem Bereich weiterarbeite. Einen Favoriten habe ich aber noch nicht. Mir fällt es schwer, mich da zu entscheiden.

Was nimmst du aus dem FSJ mit?

Viele verschiedene Eindrücke, vor allem, die Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung. Immerhin sind oftmals diese Menschen nicht Teil unserer Gesellschaft und werden ins Abseits gestellt. Aber auch, wie man mit den Menschen umgeht, wie man ihr Vertrauen gewinnt. Ich bin mir sicher, dass mir diese Erfahrungen im Leben einmal hilfreich sein werden.

Im August/September 2017 starteten 130 Freiwillige ihren Freiwilligendienst im Bistum Fulda.

Die Bandbreite der Einsatzfelder im Freiwilligendienst reicht dabei von Krippen und Kindertagesstätten über Schulen, Bildungsstätten und Jugendhilfeeinrichtungen bis zu Seniorenheimen, Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen und Pfarrgemeinden.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

QuelleFoto: Toni Spangenberg
Die Autoren:

Toni Spangenberg

Beiträge: 119

move36-Redakteur mit einem Faible für die Anime- und Mangaszene. Er nimmt Themen rund um Karriere und Politik in den Blick.