Kürzlich haben die ehemaligen Zehntklässler der Jahnschule Hünfeld erneut einen Preis für ihr Tierschutz-Projekt samt Filmproduktion “Artgerecht – nicht ungerecht!” gewonnen – den “MediaSurfer” von der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien.

Wie ist es eigentlich um die Medienbildung hessischer Schüler bestellt? Brauchen wir angesichts der digitalen Revolution dafür nicht ein eigenständiges Schulfach? Das haben wir Projektleiter Bernhard Sitzmann (64), Lehrer für PoWi, Geschichte, Deutsch, Erdkunde und katholische Religion, gefragt. 

Interview, Medienbildung, Sitzmann, Jahnschule

Solche Medienprojekte, wie Sie es mit ihren ehemaligen Schülern umgesetzt haben, sind natürlich super, und die Schüler lernen viel dabei. Aber brauchen wir nicht ein Schulfach, das technische, rechtliche, politische wie auch moralische Aspekte der Mediennutzung umfassend vermittelt?

Natürlich könnte ein entsprechendes Unterrichtsfach vorteilhaft sein. Dies würde aber einen Studiengang voraussetzen und eben speziell für das Fach ausgebildete Lehrer. Beides liegt so nicht vor. Hessen verfolgt einen anderen Ansatz. Die Schulen sind aufgefordert, ein Medienbildungskonzept zu entwickeln. Das Ganze soll als fächerübergreifendes Mediencurriculum angelegt sein. Unterstützt durch das Staatliche Schulamt Fulda entwickeln wir ein solches derzeit an der Jahnschule für die Klassen  5 – 10. Neu ist, dass verschiedene Lehrerarbeitsgruppen diverse Unterrichtseinheiten beispielsweise zu Cybermobbing, Sexting oder den Umgang mit Kommunikationsplattformen erstellen, die den verschiedenen Fächern zugeordnet und verpflichtend sind.

Haben Sie während des Projekts Fortschritte in der Medienbildung Ihrer Schüler erlebt?

Eindeutig ja, wenngleich nicht bei allen gleichermaßen. Wie die Schüler zunächst an ihren Gruppenthemen gearbeitet, Internetrecherche betrieben, Filme gesichtet und ausgewertet  sowie ihre Ergebnisse in einer Plakatausstellung präsentiert haben, war medienpädagogisch sehr förderlich. Das hat sicher einen nachhaltigen Effekt. Die größten Fortschritte hatten jedoch jene Schüler, die unseren Projektfilm im Medienprojektzentrum Offener Kanal Fulda produziert und geschnitten haben. Die Zusammenarbeit mit Rolf Strohmann vom Offenen Kanal war sehr hilfreich und mitverantwortlich für den Preis.

Reichen aber solche Projekte, um Jugendlichen einen sicheren Umgang mit Medien zu vermitteln?

Unser halbjähriges Projekt wäre in einem ordentlichen Lehrfach nicht möglich gewesen, weil wir hier einen Lehrplan abarbeiten müssen. Also haben wir es im Wahlpflichtunterricht mit wöchentlich drei Stunden durchgeführt. Hier haben wir inhaltlich und zeitlich mehr Freiheiten. Projektarbeit kann aber nur ein zusätzlicher Pfeiler sein. Daher sollte grundsätzlich der Fokus darauf gelegt werden, Medienbildung fest in den Lehrplänen zu verankern, da digitale Medien für Lernprozesse in allen Fächern immer bedeutender werden.

Sollten Lehrpläne generell flexibler gestaltet sein?

Der Fächerkanon ist grundsätzlich sinnvoll. Die Lehrer sind inhaltlich natürlich an die bestehenden Lehrpläne gebunden. Auch schulinterne Absprachen müssen berücksichtigt werden. Problematisch ist oft die Stofffülle, die der Lehrplan vorgibt. Mitunter ist sie so nicht umsetzbar. Was die Methodik der Stoffvermittlung betrifft, hat der Lehrer viele Freiheiten. Das gilt auch für Projekte und Exkursionen. In der Regel ist die Projektarbeit allerdings mit einer erheblichen Mehrarbeit verbunden.

Was tut die Politik, um die Medienbildung zu fördern?

Die Politik hat erkannt, wie wichtig Medienbildung ist. Der Weg dahin bleibt umstritten und ein eigenes Fach diskutabel. Das Kultusministerium und die Schulämter bieten jedenfalls eine Fülle von Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer und die Mitarbeit von speziellen Fachberatern bei der konzeptionellen Entwicklung.

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