Ihre Projektarbeiten haben in den vergangenen Wochen die Abschlussjahrgänge der Ferdinand-Braun-Schule präsentiert. Und dabei kamen ganz praktische Ideen heraus, die direkt Anwendung finden. Was da alles entstanden ist, haben uns vier Projektgruppen erzählt.

Maschinentechnik, Maler, Karosserie- und Fahrzeugtechnik, Energietechnik – alles interessante Berufe. Aber was steckt genau dahinter? Wie sieht die Ausbildung aus? Entscheidest du dich für ein Studium? Eine Ausbildung? Eine schulische Ausbildung? Ist das eine viel trockener und theoretischer als das andere? Und was kommt dabei heraus?

Wenn die Abschlussjahrgänge der Ferdinand-Braun-Schule ihre Projektarbeiten präsentieren, wissen sie sehr genau, welchen Einfluss ihre Gehirnschmalz, ihre Ideen, alles, was sie in den vergangenen Jahren für sich und ihren späteren Berufsweg gelernt haben, auf unsere Region hat. Denn ihre Abschlussarbeiten sind kein Bündel Papier fürs Regal, sie beschäftigen sich meist mit ganz konkreten Problemen, die Unternehmen hier vor Ort haben und lösen wollen.

Vier Projekte

Automatische Positionierung von Bauteilen

Zum Beispiel das Projekt von Michael Kömpel (21), Stefan Lenhard (31) Und Lukas Ebert (27). Die drei Elektrotechniker haben sich ein Problem vorgenommen, das die Firma Jumo schon länger beschäftigte. Konkret sollte es darum gehen, einen Prozess zu automatisieren. Dabei muss ein Bauteil – eine Glasmetalldurchführung, kurz GTMS -, das auf kleinen Paletten angeliefert wird, in einem sogenannten Reinraum geschützt vor Staub oder ähnlichem von der Palette in das spätere Bauteil transportiert werden. Die Schüler sollten prüfen, welche Automatisierungsform via Roboter möglich wäre, wie lange der Roboterarm pro Bauteil brauchen würde und ob sich das Umsetzen per Hand durch einen Menschen so ersetzen ließe.

“Eigentlich hätte die theoretische Untersuchung genügt, aber wir haben an der Ferdinand-Braun-Schule einen Schulungsroboter, mit dem wir unsere Lösungswege auch praktisch prüfen konnten”, erklären die drei angehenden Techniker. Richtige Friemelarbeit, denn die Bauteile sind nicht größer als ein Fingernagel und sehr empfindlich. Ein Roboterarm allerdings bewegt sich nicht so feinfühlig und sensibel wie eine menschliche Hand. Und die GTMS muss auf der Zielfläche exakt positioniert und ausgerichtet sein, der Roboterarm muss sie also in die entsprechende Position drehen können.

Michael, Stefan und Lukas kamen nicht eine, sondern gleich auf zwei Lösungen, die sich tatsächlich umsetzen lassen. Einen elektrischen Greifer, der das Bauteil anhebt, transportiert und auf dem Ziel so positioniert, dass keine Nachjustierung nötig ist. Und einen Roboterarm mit Unterdrucksauger, der das Teil gar nicht erst berühren muss. Die Zeitvorgabe, die sie von Jumo für ihre Lösungen bekommen haben, lag bei 12 Sekunden. Der Roboter der Jungs löst das Problem in 3. Und wahrscheinlich wird in der Fuldaer Firma ein nach dem Modell der Auszubildenden gebauter Roboterarm bald zum Einsatz kommen.

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Ein Flaschenverschraubungssystem mit Herz

Eine ebenso friemelige und doch ganz andere Aufgabe haben sich Lorenz Bachmann (25), Axel Wowra (24) und Alexander Halbleib (27) vorgenommen. Die drei lernen an der FBS Maschinentechnik mit Schwerpunkt Maschinenbau und haben mit ihrem Projekt dazu beigetragen, dass einem Mitarbeiter OnPack das Leben und Arbeiten in Zukunft stark erleichtert wird. Worum geht es?

OnPack ist ein Verpackungsunternehmen und braucht für eine seiner Fertigungsstraßen eine Einrichtung, die Flaschendeckel automatisiert auf die Flaschen aufsetzt und verschraubt. Das Einstellen der Flaschen in die Maschine und das Verschrauben der Deckel wird bisher von einem Mitarbeiter, der die Aufgabe aufgrund seiner körperlichen Einschränkung allerdings nicht in der nötigen Geschwindigkeit erfüllen kann. Also sollen die Arbeitsbedingungen an seine Voraussetzungen angepasst werden. Die Lösung musste dabei zur vorhandenen Fertigungsstraße passen, aber auch an verschiedene Flaschemodelle und Deckelformen anpassbar sein.

“Für uns spielte der menschliche Aspekt eine große Rolle”, erklärten Lorenz, Axel und Alexander, warum sie sich für dieses Projekt entschieden haben. Sie forschten bei verschiedenen Anbietern nach möglichen Komponenten für ihre Ideen, erstellten eine umfassende Nutzwertanalyse und entwickelten einen Drehteller für die Anlage, der an alle vorhandenen Flaschentypen angepasst ist, sowie die nötige Flaschenverschraubung.

Besondere Herausforderung war dabei die Sprühkopfflasche, wie man sie von Fensterreinigern kennt. “Dieser Flaschenkopf sollte ursprünglich nicht beachtet werde, weil sie zu komplex ist.” Doch das hielt die Gruppe nicht davon ab, auch dafür eine Lösung zu finden. Ihre Entwicklung war sogar so überzeugend, dass das System umgehend umgesetzt wird und die Firma sogar eine Förderung des Integrationsamtes zugesagt bekommen hat.

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Eine besondere Kühlung

Ohne eine Firma an ihrer Seite sind Gregor Schwab (25) und Patrick Baran (25) an ihre Projektidee herangegangen. Die beiden Technischen Produktdesigner wollten dem Toyota GT86 von Patrick eine optimierte Ansaugtechnik verpassen. Ihr System sollte bezahlbar, optisch ein Hingucker sein und natürlich die Motorleistung verbessern.

Für ein solches Luftansaugsystem gibt es, erklärten Patrick und Gregor, zwei Anbieter auf dem Markt. Sie analysierten beide Systeme und entwickelten daraus eine Idee, wie ihre Lösung aussehen könnte. Dabei mussten sie anhand einer Nutzenanalyse zum einen entscheiden, ob sie ein gebogenes oder ein grades Ansaugrohr für ihre Umsetzung wählen sollten. Zum anderen musste festgelegt werden, welches Filtersystem das effizienteste für ihre Idee ist, und welches optimal in den Motorraum passt. Und genau das Platzproblem bereitete den zweien auch die meisten Kopfschmerzen.

Sie fanden eine Lösung, in dem sie beide Bauteile zu einem vereinten und so Platz sparten. Ihr Modell druckten sie dann mit einem 3D-Drucker und testeten, inwiefern es ihren Anforderungen gerecht wurde. Wurde es, wie sie in ihren Abschlussbetrachtungen darlegen, sei das Bauteil umsetzbar. Um TÜV dafür zu bekommen und in eine wirkliche Produktion zu gehen, sei aber noch einiges mehr nötig.

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Eine visuelle Reise in die Vergangenheit

Geschichtskenntnisse, Feingefühl und ein Gespür für die Bedürfnisse von älteren Menschen – Kernkompetenzen, die man nicht unbedingt als Einstellungsvoraussetzungen für einen Maler und Lackierer nennen würde. Dass genau das aber ganz viel mit ihrem Beruf zu tun haben kann, lernten Lukas Keller, Sebastian Kübler und und Johannes Beierle in ihrer Abschlussarbeit. Die künftigen Maler und Lackierer sollten den Demenzbereich der Einrichtung Kursana in Künzell neu gestalten.

Und das ist gar nicht so banal, wie es auf den ersten Blick klingen mag. “Im Alter verändert sich unser Sehen”, erklärt Björn Müller, Projektbetreuer Farben an der FBS. Und grade für Demenzpatienten ist es schwer, sich zu orientieren, wenn das Gedächtnis nicht mehr mitspielt. Ist eigentlich einfach nachvollziehbar: bei einem Gang mit Türen links und rechts, die alle gleich aussehen, kann es auch gesunden Menschen leicht passieren, sich in der Tür zu irren. Für Demenzpatienten ist ein Verirren aber umso schlimmer, so mal sie sich in ihrer Unterkunft ja wohlfühlen und geborgen fühlen sollen.

Die Gestalter hatten also die Aufgabe, nicht nur eine optisch schöne Gestaltung, sondern eine wirkliche Optimierung des Lebensumfeldes zu bewirken. Dabei orientierten sich die Auszubildenden an einer sehbehindertengerechte Gestaltung, legten also Wert auf hohe Kontraste und relevanten Raummerkmalen für eine verbesserte Wahrnehmbarkeit angepasst wird.

Starke Kontraste setzten die angehenden Maler und Lackierer, indem sie alle Türeingänge in unterschiedlichen Farben gestalteten, die sich schon von Weitem sichtbar gut von der Umgebung abhoben. So kann sich der Bewohner optisch merken “Ich wohne im blauen Eingang”. Damit auch die Wände nicht komplett gleich aussehen, griffen die drei Absolventen die persönlichen Erfahrungen der Bewohner auf. Sie gestalteten einen Zeitstrahl mit Bildern markanter Ereignisse aus der Geschichte, der die Wände bei Kursana nun prägt. “Und das Feedback der Einrichtung war beeindruckend”, sagt Björn Müller. “Uns wurde erzählt, dass ein Mann so von einem Bild eines Trabants fasziniert war, das er stundenlang davor stand und Trabant fuhr.” Die sonst eher leeren Flure hätten eine ganz neue Lebendigkeit erhalten, erhielten die Auszubildenden als Rückmeldung. Sie haben also ganz besondere Spuren hinterlassen, an denen sich die Bewohner noch lange erfreuen werden.

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Foto: Ferdinand-Braun-Schule

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

QuelleFotos: Ferdinand-Braun-Schule
Die Autoren:

Mariana Friedrich

Beiträge: 456

Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.