Happy Birthday! Der Berufsschulzweig der Ferdinand-Braun-Schule ist 40 Jahre alt geworden. Die Feiern begannen vor rund zwei Wochen mit einem Kick-off-Event. Unter den Rednern waren auch Anna und Adrian Fleck, die bei „Jugend forscht“ und dem „European Union Contest for Young Scienstists“ (EUCfS) gewonnen haben. Wir haben mit fünf “Ferdinand-Schülern” gesprochen, die den Vorträgen gelauscht haben – über ihre Ziele, ihre Lehrer, ihre Schule.

Ein Text von Julia Weber und Daniel Beise

Es fehlen die Fachkräfte, das weiß jeder inzwischen. Nicht “nur” in der Pflege, auch in technischen Berufen ist die Nachfrage riesig. Und der Mangel spitzt sich weiter zu. Die Ferdinand-Braun-Schule bildet sie seit 40 Jahren aus, die Fachkräfte in Elektrotechnik und Maschinenbau. In der Zwischenzeit kam mit Praktischer Informatik ein weiterer Schwerpunkt hinzu.

Emmalu Haskamp gehört als Teenagerin immer noch zu den Exoten ihres Fachs: Elektrotechnik. Circa zehn Prozent der Lernenden hier sind Mädchen. Emmalus Ziel ist es, einmal in die Forschung zu gehen. Ihr Vorbild ist ihr Onkel, er ist Ingenieur. Ein Praktikum bei ihm hat ihr klargemacht, dass sie ebenfalls in die Richtung gehen möchte. “Forschen ist was Neues, man entdeckt etwas, was noch nie jemand davor gesehen hat”, ist sie begeistert. Die Ferdinand-Braun-Schule sei dafür die richtige Wahl gewesen, sagt die 16-Jährige. Mit vielen Jungs zu lernen, findet sie darüber hinaus entspannt, “hier gibt’s nicht so viel Zickerei”, grinst sie.

“Ich habe schon als Kind gern gebastelt”

Die Schüler schätzen hier vor allem das entspannte Lernklima und die “coolen” Lehrer, wie Galileo Weidner und Peter von Kürten betonen. Peter macht nächstes Jahr sein Abi unter anderen im Schwerpunkt Elektrotechnik. „Ich habe mich eigentlich gar nicht so für Elektrotechnik interessiert, sondern für Physik. Ich wollte Physik als Leistungskurs nehmen, was an meiner alten Schule nicht möglich war”, so der 19-Jährige. Man müsse auch keine Angst haben, wenn man davor nichts mit Technik am Hut hatte. Denn sie bekämen die Grundlagen sehr gut beigebracht. Wenn man sich für das Thema interessiert, komme man auch gut rein.

Auch Galileo macht Elektrotechnik. “Ich habe schon als Kind gern gebastelt. Mein Bruder hat vorher hier Datenverarbeitung gemacht und mich oft mit hierher genommen. Das ist allerdings nicht so meins, Elektrotechnik erschien mir da als ein guter Mittelweg”, erzählt der 17-Jährige. Sein Berufswunsch liegt allerdings woanders: “Ich mache viel Sport, bin im FT Fulda aktiv. Ich möchte mal ins Sportmanagement.” Nach der Schule möchte er wahrscheinlich ein Auslandsjahr machen, danach in den USA studieren, wenn’s klappt.

Alle Möglichkeiten offen

„Man hat nach dem Schulabschluss alle Möglichkeiten offen. Denn wir machen hier die

Peter von Kürten, Galileo Weidner, Tim-Ole Bachus und Emmalu Haskamp (v.l.)

allgemeine Hochschulreife, haben aber einen technischen Leistungskurs. Dadurch kann man sich schon während der Schulzeit spezialisieren und sich für Studium oder Ausbildung vorbereiten.“, so Galileo weiter.

Der Vierte im E-Technik-Bund ist Lorenz Auth, auch wenn er “vermutlich nichts mit Elektrotechnik machen wird”, wie er sagt. Der 16-Jährige möchte vor allem Abitur machen. In seiner Freizeit hantiert er viel mit Holz und Metal, werkelt mit seinem Opa an der Stromschaltung am Haus und schneidet hobbymäßig gerne Videos. E-Technik sei da neben Maschinenbau und Praktischer Informatik schon am naheliegendsten gewesen.

“Die Schule halt schon ‘nen Kultstatus”

Tim-Ole Bachus macht seine Begeisterung aus der Kindheit zum Beruf. “Ich fand Hubschrauber der Bundespolizei oder des Militärs schon immer interessant, was man halt als Kind so toll findet”, schmunzelt der 16-Jährige. Maschinenbau lag da nahe. Wie’s weitergeht nach dem Abi weiß er auch schon ziemlich konkret: Aeronautical Engineering möchte er studieren, ein duales Studium in Luft- und Raumfahrttechnik. „Abgesehen von der Theorie gefällt mir der Werkstattunterricht, da wir hier sehr praktisch lernen können”, erzählt er. Für die Ferdinand-Braun-Schule hatte er sich entschieden, weil Erdkunde und Fremdsprachen nicht so sein Ding waren. “Die Schule hat schon ‘nen Kultstatus”, lobt er. Zwar lerne man hier ernst, aber es bleibe dennoch immer lustig.

Alle sind stolz, dass die Geschwister Anna und Adrian Fleck zwei so hochkarätige Preise für technische Innovationen nach Fulda geholt haben (welche genau, erfährst du hier und hier). Adrian hat dieses Jahr Abitur an der Ferdinand-Braun-Schule gemacht, mit Schwerpunkt Maschinenbau. Beim Kick-off-Event der Schule anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Beruflichen Gymnasiums fanden sie den Vortrag der Geschwister am interessantesten. „Das hat uns einen Einblick in das verschafft, was die beiden auch technisch geleistet haben. Sehr interessant fand ich dabei die Messgeräte, die die beiden zum Testen ihres Produktes entwickelt haben”, so Lorenz. Lorenz war davon begeistert, dass die beiden mit wenig Kapital den größt möglichen Erfolg rausgeholt haben. Davon abgesehen interessiere ihn vor allem die Technik hinter FleckProtec, weniger die Erfolge, die die beiden damit geholt haben.

Die Schule hofft auf mehr Mädchen

Günter Strelitz, Abteilungsleiter des beruflichen Gymnasium, dass es die Ausbilder natürlich besonders gerne sehen, wenn Absolventen bereits Fachkenntnisse mitbringen. Dies zeige sich auch im Studium, hier könnten die Schüler meistens schon den Stoff bis zum zweiten Semester. Laut Strelitz wäre die Abbrecherquote von Schülern des BGs sehr gering. Die ehemaligen Schüler wüssten ja schon, was auf sie zukommt.

Die Nachfrage an Menschen im MINT-Bereich ist nach wie vor groß, die Zukunftschancen in dieser Branche sind also top. Strelizt hofft, dass in den nächsten Jahren auch immer mehr Mädchen die technisch-naturwissenschaftlichen Gebiete für sich entdecken. Denn die Neugierde sei bei ihnen nicht weniger ausgeprägt.

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