Wer kennt es nicht: Die Schule ist vorbei, endlich kann es richtig losgehen. Der Ausbildungsplatz im lang ersehnten Traumberuf ist sicher, und mit dem ersten Gehalt auf dem Konto kann das Berufsleben nicht besser starten. Doch manchmal schwindet die anfängliche Euphorie schneller, als man denkt.

Ein Text von Constanze Gollbach

Maßschneiderin war schon immer mein Traum. Herumexperimentieren mit Stoffen und Farben, aus diesen etwas Tragbares erschaffen, meiner Kreativität freien Lauf lassen … Die ersten Basics im Nähen lernte ich von meiner Oma, und irgendwann hatte ich mein allererstes, selbstgenähtes Kleidungsstück in der Hand: Einen potthässlichen Hexenrock für Halloween. Ich war schwer begeistert von mir. 

Entwerfen eigener Modelle? Fehlanzeige

In der Grundschule habe ich mich dann fest dazu entschlossen, mein Hobby zum Beruf zum machen. Geplant, getan, alles lief super. Von Anfang an lernte ich schnell, meine Noten stimmten, wir nähten viel für uns selber, und ich hatte Spaß. Da ich in einer vollschulische Ausbildung war, sollten wir in den Ferien Praktika machen. Dort wurde ich dann mit der eigentlichen Realität konfrontiert. Hosenänderungen, Rockänderungen, hier und da mal einen Knopf annähen. Entwerfen eigener Modelle? Fehlanzeige. 

Ich hatte Zweifel. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, mein ganzes Leben als Schneiderin zu arbeiten. Gesellenstellen gab es eh kaum und durch meine Praktika wusste ich, dass kreatives Arbeiten auf der Strecke bleiben würde.

Trau dich!

Also dachte ich mir “Alles auf Anfang” und entschied mich zur Neuorientierung. Design, Modemanagement und Journalismus waren meine Favoriten. Die Wahl fiel mir leicht. Da ich weder ein Zeichentalent bin noch besonders viel Lust habe, zu studieren, habe ich mich für den Journalismus entschieden. Mir ist bewusst, dass ich keinerlei Erfahrung im Medienbereich habe, aber ich bin interessiert und motiviert. Mit Menschen arbeiten, immer neue Themen, in die ich mich einarbeiten kann und viel Abwechslung – genau mein Ding! Nun mache ich ein Praktikum bei move36 und habe ein gutes Gefühl bei meiner Entscheidung.

Solltest du auch gerade eine Ausbildung oder ein Studium machen und Zweifel haben, hab keine Angst früher die Reißleine zu ziehen. Ein Berufswechsel ist heute nichts Ungewöhnliches mehr. “Die Bindung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist heute schwächer als noch vor dreißig Jahren”, sagt Arbeitspsychologin Ute-Christine Klehe in einem Interview mit Zeit Online. Heute reichten ein paar Klick durchs Netz, um sich über neue Arbeitsfelder zu informieren. Dadurch seien gerade junge Leute flexibler in der Ausrichtung ihrer Karrieren.

Es lohnt sich, neu anzufangen! 

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