Aschermittwoch – Die Fastenzeit startet. Wir sind dabei. Sieben Redakteure und Volontäre des move36-Teams fasten. Was sie in den 40 Tagen erleben, liest du bei uns.

Worauf kannst du nicht verzichten? Jedes Jahr nach der Fastnachtzeit stellen sich Menschen weltweit diese Frage. Die Fastenzeit, egal ob religiös motiviert oder nicht, fordert uns heraus, unsere liebsten Luxusgüter für 40 Tage zu ignorieren. Von unserem Team haben sich sieben Redakteure und Volontäre der Herausforderung gestellt und verzichten bis Ostern auf etwas, das ihnen unverzichtbar erscheint.

In welchen Religionen wird Fasten verlangt?

Aus dem Christentum kennen wir die Fastenzeit als Erinnerung an die 40 Tage, die Jesu fastend und betend in der Wüste verbrachte. Doch auch in anderen Religionen wird gefastet. Im Judentum gibt es einen in der Thora vorgegebenen Fastentag, den Versöhnungstag Jom Kippur, an dem 25 Stunden lang weder feste noch flüssige Nahrung zu sich genommen wird und an dem das öffentliche Leben in Israel komplett stillsteht. Im Islam nehmen Muslime, die volljährig sowie körperlich und geistig imstande sind, im Fastenmonat Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang keine Nahrung zu sich. Im Bahaitum, einer Religion, die vor allem in Indien, Afrika, Süd- und Nordamerika verbreitet ist, verzichten die Gläubigen im März im Vorfeld des Nouruz-Festes 19 Tage lang auf Nahrung – aber nur am Tage.

Wusstest du eigentlich, dass man als Christ sonntags eine Fastenpause einlegen darf? Noch ein Grund mehr, sich selbst mit einer Fastenzeit auf die Probe zu stellen, denn egal wie schwer es wird, an den Sonntagen wirst du belohnt.

Daniel fastet Serien

Hach ja – was wäre die Welt ohne Serien und Video-on-Demand? Ja, ich weiß: first world problems und so. Doch diese Kunstform habe ich schon immer süchtig verschlungen – ob Sitcoms, Thriller-Serien, Cartoons, Animes oder Grotesken. Seit Jahren rieselt abends irgendwas zum Einschlafen, auch wenn ich weiß, dass das eigentlich nicht so gesund für den Schlaf ist. Allzu oft denke ich: Schnapp dir doch mal eins der vielen Bücher, die du noch so gerne lesen willst – und sehe dann: Ach geil, die neue Staffel “Rick and Morty” ist online.

Ein Großteil der Zeit laufen sie im Feierabend nur nebenher, wenn ich koche, trainiere, rumwusle. Trotzdem bin ich mega gespannt, was bei mir so in den 40 Tagen ohne eine berieselnde, spannende Handlung passiert, die mich auch davon ablenkt, über möglicherweise Wichtigeres nachzudenken – oder Wichtigeres zu machen! Aber zum Glück gibt es ja so viel andere Kultur, die ich gerne konsumiere: Kabarett, Bücher, Dokus, Filme. Und wer weiß – vielleicht tun sich noch ganz andere, neue Gefilde auf …

Daniel Beise
Eva Rützel

Eva verzichtet auf Schokolade

Schokolade ist für mich Entspannung und Genuss. Nach einem salzigen Essen oder einem anstrengenden Arbeitstag brauche ich einfach ein Stückchen Schoki – oder eine halbe Tafel. Am besten finde ich dunkle Nussschokolade oder Zartbitter mit Marzipan. Wenn ich schon daran denke, läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

Tatsächlich habe ich schon öfter versucht, Schokolade oder generell Süßigkeiten zu fasten, aber ich habe leider noch nie durchgehalten. Nach und nach hab ich immer wieder kleine Sünden begangen und zum Beispiel Schokoladenpudding, Kakao oder Brownies genascht. Eigentlich zählt das doch nicht so richtig als Schokolade oder?

Dieses Mal schaffe ich es aber, in der Fastenzeit auf sämtliche Schokolade zu verzichten, und ich gestehe mir ein, dass auch Brownies zumindest „schokoladig“ sind.

Bei Toni gibt es keine Chips und Cola mehr

Macht’s gut Paprika-, Balsamico- und Käsechips. Leb wohl kühle erfrischende Vanille-Cola. Wir werden uns jetzt eine lange Zeit nicht wiedersehen. Für die nächsten 40 Tage steht Fasten auf dem Programm. Den nächsten Netflix-Marathon werde ich wohl mit gesunden Alternativen ohne euch verbringen müssen. Healthy Life bestimmt von nun an meinen Alltag. Aber seid nicht traurig. Es ist nur ein Abschied auf Zeit.

Toni Spangenberg
Jenna Weidemeier

Jenna gibt das Rauchen auf

Ganz klar: Jeder weiß, wie schädlich Rauchen ist, und mittlerweile ist mir meine Gesundheit einfach wichtig geworden. Meine Ernährung habe ich schon angepasst, nur das Rauchen steht mir noch im Weg. Jetzt möchte ich durch das Fasten vom Rauchen wegkommen und das Leben wieder richtig atmen können!

Mariana lässt die Finger vom Kaffee

In einem Punkt entspreche ich ja dem typischen Journalisten-Klischee: Ich bin kaffeesüchtig. Zum Start in den Tag gibt es ein Aufwach-Tässchen. Meistens folgt bis zum Mittag das zweite. Mein Kollege Daniel braucht gar nicht fragen, ob ich einen Kaffee mittrinke. Es reicht, wenn er mir vom Schreibtisch gegenüber einen kurzen fragenden Blick zuwirft. Ja, Kaffee ist schon eine echte Leidenschaft. Ich komme locker auf eine Kanne am Tag, was definitiv zu viel ist. Und da ist das Koffein aus Schokolade und das Teein aus schwarzem Tee noch gar nicht eingerechnet.

Grund genug, mich für 40 Tage auf die Probe zu stellen: Kann ich auch ohne? Ich hoffe, ich werde meinen Kollegen während der Zeit nicht allzu sehr mit mürrischer Laune auf den Keks gehen …

Mariana Friedrich
Nadine Buß

Nadine gibt 40 Tage lang kein Geld aus

Das nächste Gehalt ist absehbar, und schon macht sich ein Glücksgefühl breit: “Ein Tablet wäre eine Investition wert”, versucht mir die teuflische Stimme in meinem Kopf einzureden. Das leise Gegenargument wird mit einem “Das wünscht du dir schon seit Jahren. Auf dem kleinen Handydisplay lässt es sich morgens im Bett echt schlecht Zeitung lesen” zur Seite gewischt. Wow, wie ich mich selbst manipuliere. Auf frischer Tat ertappt. Trotzdem lassen mich meine Gedanken nicht in Ruhe. Immer wieder wandern Wünsche auf die große Liste: Ein Mixer für Smoothies wäre was! Und ein anständiges Fahrrad bräuchte ich, immerhin fahre ich seit 14 Jahren den Sieben-Gänge Drahtesel mit Rücktritt. Die Liste in meinem Kopf wird länger und länger.

Aber wie ist das, wenn man so wenig Geld zur Verfügung hat, dass es gerade so reicht, um über die Runden zu kommen? Am Existenzminimum leben – ist man dann automatisch unglücklich? Lässt sich Glück kaufen? Voreilig beschließe ich, “Konsum” zu fasten. Mein Budget für 40 harte Tage: 150 Euro für Lebensmittel, 50 Euro für Kulturelles, 50 Euro für unvorhersehbare Dinge. Und plötzlich ist sie wieder da, die Stimme, die sagt: Hast du eigentlich einen Dachschaden? Du musst dir doch auch mal was gönnen …

Für Marcus gibt’s kein Fleisch mehr

Wenn ich schon faste, dann sollte es auch etwas sein, worauf ich nur schwer verzichten kann und das in geringeren Mengen auch noch gut für die Gesundheit ist. Da ich weder rauche, noch trinke noch zu den Kaffeejunkies der Redaktion gehöre, fiel die Wahl auf Fleisch.

Marcus Lotz

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QuelleFotos: Steffen Hildenbrand
Die Autoren:

Mariana Friedrich

Beiträge: 470

Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.