Erschütternde Erkenntnisse der HS Fulda. Gewalt ist für Beschäftigte an Hessens Notaufnahmen – egal ob verbal, körperlich oder sexualisiert. Einige erleben sie sogar täglich. Sie melden ihre Gewalterfahrungen jedoch häufig nicht.

Die HS Fulda hat erste Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zu Gewaltereignissen gegenüber Beschäftigten in der Notaufnahme veröffentlicht. Demnach stimmen 77 Prozent der Studienteilnehmer der Aussage zu, dass Gewalt gegen die eigene Person in der Notaufnahme normal sei. “Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe am Fachbereich Pflege und Gesundheit der Hochschule Fulda hat das Personal in Notaufnahmen zu körperlichen, verbalen und sexualisierten Gewaltereignisse befragt”, schreibt die HS auf ihrer Website. 354 Personen hätten den Online-Fragebogen, der sich an 51 Notaufnahmen in Hessen gerichtet hat, vollständig ausgefüllt.

97 Prozent der Befragten gaben laut der HS Fuld an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten verbale Gewalt erlebt hätten. Von diesen Personen hätten wiederum 61,8 Prozent – 59,9 Prozent aller Befragten – gesagt, sie würden täglich oder wöchentlich verbaler Gewalt ausgesetzt sein. Körperliche Gewalt haben laut der Studie 76 Prozent der befragten Notaufnahmemitarbeiter erlebt, 18,3 Prozent täglich oder wöchentlich. Bei sexualisierter Gewalt hat die Auswertung der Fragebögen Werte von 52 Prozent (in den vergangenen zwölf Monaten) und 10,7 Prozent (täglich oder wöchentlich) ergeben

Wegen Gewalt: 39 Prozent fühlen sich bei Nachtschicht unsicher

Die erlebte Gewalt wirkt sich negativ auf die Stimmung der Beschäftigten in Hessens Notaufnahmen an. 39 Prozent hätten angegeben, dass sie sich nachts in der Notaufnahme meist nicht oder nie sicher fühlen würden, heißt es in der Mitteilung der HS. Tagsüber gehe es nur 2,9 Prozent so. Daneben hat die erlebte Gewalt laut Auskunft der Notfallaufnahmemitarbeiter langfristige Folgen. 43,7 Prozent fühlen sich gereizt. Zudem nennen viele Befragte gedrückte Stimmung (36,2 Prozent), Abstumpfung (34,4), Verlust der Freude am Beruf (32,1) und den Wunsch nach einem Berufswechsel (26,5) als Folgen ihrer Erfahrungen während der Arbeit.

Auslöser sind laut Angaben der Befragten am häufigsten Alkohol und Drogen (85,5 Prozent). Es folgen lange Wartezeiten (83,3), Verwirrtheit der Patienten (55,1), Unzufriedenheit mit de Versorgung (44,9) und Verständigungsprobleme (37,7).

Nur wenige melden Gewaltereignisse immer

Obwohl eine überwältigende Mehrheit der Studienteilnehmer angibt, in den vergangenen zwölf Monaten Gewalt erlebt zu haben, dokumentiert nicht einmal jeder Zweite (41,8 Prozent) diese Ereignisse. Nur 19,8 Prozent sagen, sie würden Gewaltereigenisse immer melden.

„Mit Blick auf die physische und psychische Gesundheit der Beschäftigten in Notaufnahmen besteht ein dringender Bedarf, spezifische Maßnahmen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements zu etablieren, das zeigen die Daten ganz deutlich,“ schlussfolgern die Wissenschaftlerinnen am Fachbereich Pflege und Gesundheit der Hochschule Fulda, Prof. Dr. Margit Christiansen und Prof. Dr. Gamze Güzel-Freudenstein. Dazu bedürfe es eines multidisziplinären Ansatzes aus Arbeits- und Gesundheitsschutz, Personalmanagement und Arbeitsorganisation, heißt es in der Mitteilung der Hochschule.

Das Forschungsprojekt wird vom hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Forschungsschwerpunkts Frauen- und Geschlechterforschung gefördert.

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