Klar, spätestens seit Edward Snowdens Riesenenthüllung im Juni 2013 weiß man, dass Geheimdienste nicht nur über Webcams und interne Mikrofone von Computern massenhaft überwachen. Trotzdem schmunzeln viele wahrscheinlich erstmal, wenn die Freundin, der Bruder oder die Nachbarin plötzlich die Webcam ihres Laptops abklebt. Das ist doch total paranoid. Oder etwa nicht?

Ein Text von Carolin Holl

Dass sich wichtige Leute wie FBI-Chef James Comey oder Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor Fremdzugriff schützen und deshalb zum Tape greifen, ist ja irgendwo nachvollziehbar. Sie haben ja auch Einiges zu verlieren, wenn ihre Daten in falsche Hände geraten. Beim Facebook-Chef war die Offenbarung seiner zugeklebten Webcam eher ein Zufall – mit einem Post feierte er im Juni, dass Instagram die 500 Millionen-Nutzer-Marke geknackt hat. Und siehe da: im Hintergrund zufällig sein Notebook mit versiegelten digitalen Augen.

Aber was ist mit uns? Zugegeben – es ist relativ unwahrscheinlich, dass die NSA jeden unauffälligen Max Mustermanns aktiv überwacht und verfolgt. Andererseits enthüllten die Snowden-Dokumente auch, dass der britische Geheimdienst 1,8 Millionen private Webcam-Gespräche hackte, um Biometrik-Programme zu testen. Ein gesundes Misstrauen ist also angebracht.

Aber auch Kriminelle, Sextäter, Strafverfolgungsbehörden oder (in den USA) Schulbehörden nutzen die sogenannten „Remote Access Trojans“ (RAT), die aus der Distanz Passwörter mitschneiden, Desktops kontrollieren und eben die Kamera einschalten können. Solche RATs selbst zu bauen ist zwar schwierig, wie Adam Kujawa von der IT-Sicherheitsfirma Malwarebytes gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagt. Aber diese Software bekomme man eben schon ab 50 Euro aufwärts.

Abkleben! Sicher ist sicher

Was das Ganze für Geheimdienste und Kriminelle zusätzlich erleichtert: Wir achten einfach nicht auf unsere Webcam, während wir Mails lesen, auf Facebook unterwegs sind oder stundenlang zocken. Bei einer Studie der University of California, Berkeley, bei der die insgesamt 98 Probanden durch eben solche Dinge abgelenkt waren, registrierten 71 von ihnen nämlich gar nicht, dass das blaue Kontroll-Lämpchen irgendwann anging. Und auch der aufmerksame Rest kann nicht wirklich aufatmen. IT-Sicherheitsforscher haben nämlich mehr als nur einmal bewiesen, dass solche Schutzmechanismen auch umgangen werden können.

Was die Bildübertragung angeht, ist die Lösung zum Glück ganz einfach. Zuckerberg und Comey haben’s vorgemacht und viele andere nachgemacht. Abkleben! Wer sich keine extra Webcam-Abdeckung leisten will, der kann auch einfach Klebeband oder ein Post-It nehmen. Und zusammen mit aktuellen Sicherheitsupdates, einer guten Antiviren- und Antispionagesoftware, einer Firewall und möglichst wenigen (Selbst-)Gesprächen vor dem Laptop ist man in Sachen Sicherheit schon ganz gut dabei.

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