Wie unterscheidet sich das Leben in Israel von dem in Deutschland? Und wie sieht der Alltag von Israelis überhaupt aus? Die Fragen beantwortete Nahost-Korrespondent Gil Yaron (45) vor Schülern der neunten und zehnten Gymnasialklassen. Es war die zehnte Auftaktveranstaltung des Projekts „Schule macht Wirtschaft – Wirtschaft macht Schule“.

Ein Text von Jacqueline Kleinhans
Gil Yaron
Foto: Ralph Leupolt

Gerade einmal vier Flugstunden ist Israel von Deutschland entfernt. Nichts Besonderes, wie Gil Yaron findet. Vor seinem Vortrag habe er sich die Frage gestellt, warum Israel für die Schüler eigentlich interessant sei. „Die Entwicklungen im Nahen Osten sind so rasant. Und damit verändert sich auch euer Leben. Mit 15/16 Jahren bekommt ihr politische Debatten mit“, erklärt Gil Yaron. Viele Flüchtlinge aus dem Nahen Osten seien nach Deutschland gekommen und hätten damit auch die Politik verändert.

Einwanderer aus mehr als 100 Ländern

Das Leben in Israel sei geprägt von „viel Normalität in einem verrücktem Alltag“. Das Land am Gazastreifen ist ein multikulturelles Land. „Dort leben Einwanderer aus mehr als 100 Ländern. Sie leben miteinander und nebeneinander“, so Yaron. Insgesamt wohnen in Israel 8,7 Millionen Menschen – ein Zehntel von Deutschland. „Wer an Israel denkt, der verbindet damit, dass die meisten Menschen Juden sind“, sagt der 45-Jährige. Doch: 20 Prozent sind muslimische Araber. Von der jüdischen Bevölkerung hielten mittlerweile 53 Prozent den Sabbat nicht ein, aber 24 Prozent der Juden bezeichnen sich als religiös. Und auch die ultraorthodoxen Juden könnten nicht über einen Kamm geschoren werden.

So unterschiedlich die Religionsgemeinschaften in Israel sind, so vielfältig ist auch das Klima. Obwohl das Land nur so groß sei wie Hessen, gebe es dort vier verschiedene Klimazonen. In der Wüste im Süden wurden Bäume angepflanzt, damit ein Wald entsteht. „Dort ist ein deutsches Forscherteam angesiedelt, das sich damit beschäftigt, wie sich die Temperaturen auf die Bäume auswirken“, erklärt der Journalist. Die Untersuchungen sind für Deutschland deshalb interessant, weil die Sommer hierzulande auch so heiß werden können.

Viele digitale Star-ups in Israel

Nicht bekannt sei den meisten wohl aber, dass im Bereich der digitalen Technologie vieles in Israel entwickelt wird. „Teile, die ihr in eurem Handy habt, stammen aus dem Land“, erzählt der Journalist und fügt hinzu: „Dort gibt es viele Start-up-Unternehmen.“ So wurde das Chatprogramm ICQ, das in den 90er-Jahren auf den Markt kam, von fünf Israelis entwickelt. Später verkauften sie es für 185 Millionen Dollar an das amerikanische Unternehmen AOL. Viele Jugendliche hätten das gleiche Ziel, weshalb viele Start-ups im digitalen Bereich gründen.

Anders als in Deutschland gibt es in Israel eine drei- beziehungsweise zweijährige Wehrpflicht – für Männer und Frauen. Davon befreit sind sie bis zum Alter von 45 Jahren nicht. „Bis zu 45 Tage im Jahr müssen sie dienen“, erklärt der Nahost-Korrespondent.

Man dürfe nicht vergessen, dass Israel auch ein Krisengebiet sei. Die Bedrohung durch Terror sei allgegenwärtig. Öffentliche Veranstaltungen werden durch Betonblöcke geschützt. Vor Einkaufszentren kontrollieren Sicherheitsdienste, ob sich im Auto eine Bombe befindet. Die Menschen, die in der Nähe des Gazastreifens wohnen, hätten beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit oder Schule bei Bombenalarm immer die Möglichkeit, Schutz in einem Bunker zu finden. „So etwas prägt eine Gesellschaft“, sagt Gil Yaron.

Der Vortrag des Nahost-Korrespondenten war der Auftakt des Projekts „Schule macht Wirtschaft – Wirtschaft macht Schule“. Mit der zehnten Auflage sei es mittlerweile zur Tradition geworden, sagt Michael Tillmann, Chefredakteur der Fuldaer Zeitung. „Dass das Projekt so erfolgreich ist, liegt an euch“, erklärt Rita Schmidt-Schales vom Staatlichen Schulamt. Das Interesse dafür sei ungebrochen. Sie hoffe, dass die Schüler eine Vielfalt von unterschiedlichen Berufen kennenlernen.

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QuelleFotos: Ralph Leupolt
Die Autoren:

Toni Spangenberg

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move36-Redakteur mit einem Faible für die Anime- und Mangaszene. Er nimmt Themen rund um Karriere und Politik in den Blick.