Sexismus begleitet unseren Alltag: ob in der Werbung, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit. Sogar in der Grundschule werden Kinder oft schon damit konfrontiert.

Ein Text von Charlotte Weiser

Wer Mädchen als mutig bezeichnet, macht einen Fehler. Das haben erst kürzlich Viertklässler einer Schule in Sachsen-Anhalt gelernt. Auf einem Blatt, auf dem Begriffe wie mutig, ängstlich, Schminke, mit Puppen spielen, mit Autos spielen oder Fußball spielen standen, sollten sie die, die zu Mädchen gehören, rot, und die, die zu Jungen gehören, blau einkreisen. Ein Kind ummalte das Wort „mutig“ rot. Darauf gab es einen halben Punkt Abzug. Eine Facebook-Nutzerin, die das Arbeitsblatt von einer befreundeten Mutter bekommen hatte, postete ein Foto davon. Sie löste eine heftige Debatte aus: Ihr Post wurde 1554-mal geteilt und 766-mal kommentiert. Mehrere Zeitungen und RTL berichteten über den Fall.

Mutter rastet bei Hausaufgabe aus

Ähnliche Fälle gab es schon in der Vergangenheit an Schulen, nicht nur in Deutschland: In einer australischen Schule wurden am „Girls and Boys Day“ Mädchen zum Schminken und Haare stylen und Jungen zum BBQ-Lunch in den Baumarkt geschickt. In New York schrieb letztes Jahr eine Mutter die Hausaufgabe ihrer Tochter um, weil sie nicht mit den dort vermittelten Rollenbildern einverstanden war: In dem Lückentext hieß es, Lisa sei unglücklich, dass ihre Mutter wieder angefangen hat, zu arbeiten. Nun müsse sich der Vater um sie kümmern und ihr Frühstück machen, was er allerdings nicht sehr gut könne.„Als ich das las, bin ich fast ausgerastet – und mit jedem Satz wurde es schlimmer“, erzählte die aufgebrachte Mutter „Today Parents“: „Wollen wir unseren Kindern wirklich beibringen, dass es Familien unglücklich macht, wenn die Mutter arbeiten geht? Und Väter normalerweise nicht kochen und abwaschen?“

Aber beginnt Sexismus erst bei Aufgaben, die den Kindern alte Rollenbilder vermitteln? Beginnt er nicht schon viel früher, etwa wenn die Lehrerin „ein paar starke Jungs“ bittet, beim Tragen der Tische zu helfen? Oder wenn die Sportlehrerin sagt, dass Mädchen nicht werfen könnten und unsportlich seien?

David und sein rosa Pony

Die Initiative „Pinkstinks“, die sich gegen Sexismus einsetzt, hat das Theaterstück „David und sein rosa Pony“ geschrieben. Es wird an Grundschulen aufgeführt und beruht auf wahren Begebenheiten: Demnach versuchte 2014 ein Junge in den USA, sich umzubringen, weil ihn seine Mitschüler mobbten. Er war ein Fan der Serie „My Little Pony“. Im gleichen Jahr brachte an einer anderen Schule ein Junge „My Little Pony“-Accessoires mit und erntete Kritik vom Direktor: Er sei selber schuld, wenn er „Mädchendinge“ mit in die Schule bringt und dafür gemobbt würde.

“Mädchendinge” – in nahezu allen Spielzeuggeschäften werden Kinder mit diesen Rollenbildern konfrontiert: Für Mädchen gibt es die rosa Abteilung mit Puppen und Prinzessinnen. Jungen gehen in die blaue Abteilung, wo es Plastikritter und Astronautenspielzeug gibt.

Schüler stellen sich quer

Vor vier Jahren schrieb die damals siebenjährige Charlotte aus den USA einen Brief an Lego. Sie wollte wissen, warum die Lego-Mädchen keine Jobs haben, nur herumsitzen und shoppen gehen, während die Jungs Abenteuer erleben, arbeiten, mit Haien schwimmen und Menschen retten. Sie forderte, dass die Mädchen auch Spaß und Jobs haben sollten. Der Spielzeughersteller teilte mit, er habe den Brief bekommen und würde auf alle Briefe antworten. Wie die Antwort lautete, ist nicht bekannt.

Auch andere Kinder und Jugendliche setzen sich wie Charlotte gegen Sexismus ein. Im Mai 2014 starteten mehrere Gymnasien in Westfrankreich eine mutige Aktion: Rund 200 Schüler nahmen in Röcken am Unterricht teil, die Hälfte von ihnen Jungs. Gegen den sexistischen Unterricht an einer Schule in Singapur ging eine 17-jährige vor: Im Sexualkundeunterricht wurden dort Heftchen verteilt, die Frauen als das schwächere Geschlecht darstellten. Mädchen wurden als „Gören“ bezeichnet, die sich geliebt fühlen müssten und Sicherheit bräuchten. Die Schülerin veröffentlichte auf Facebook Fotos von den Seiten und einem Beschwerdebrief an den Schulleiter. Der zeigte daraufhin Einsicht und bezeichnete die Unterrichtsmethode als „erfolglos“.

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