[vc_row][vc_column][vc_column_text]Bis Samstag steht der Missio-Fluchttruck auf dem Domplatz in Fulda. Darin gibt es eine multimediale Ausstellung zum Thema Flucht, die erklären möchte, wie es sich anfühlt, auf der Flucht zu sein. Lorena hat die Ausstellung besucht und war überrascht über die scheinbar alltäglichen Dinge, über die sie so noch nie nachgedacht hat.

Ein Text von Lorena Zapke[/vc_column_text][vc_video link=”https://youtu.be/S3p7oGCeC1A”][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Gerade hier in Deutschland wird gerne über Flüchtlinge geschimpft. Sie würden uns unsere Arbeit wegnehmen, den Staat zu viel kosten und vieles mehr. Aber wie ihr Leben genau war, bevor sie nach Deutschland kamen, warum sie überhaupt hier sind, darüber macht sich kaum jemand Gedanken. Da war ich bisher keine Ausnahme.

Man sieht in den Medien zertrümmerte Städte, vollbesetzte Boote und Menschen, die nicht wissen, wo sie hin sollen. Kurz darauf sind diese Bilder wieder weg, und unser gepflegtes Leben geht weiter. Erst wenn man selbst mit einer solchen Situation konfrontiert wird, wenn auch nur virtuell, regt das zum Nachdenken an. So ging es zumindest mir, als ich durch die Missio-Ausstellung ging.

Ein Leben auf der Flucht

Zunächst bekomme ich eine kleine Einführung von einem der Mitarbeiter des Missio-Fluchttrucks. Er erzählt mir von dem Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo. Es geht um Reichtum und Bodenschätze, denn im Kongo gibt es ein sehr wertvolles Metall namens Tantal, das für Handys und vieles mehr verwendet wird. Die Regierung kämpft gegen die Rebellen (ehemalige Soldaten) um diese Rohstoffe, und die Bevölkerung leidet. Von wem man erschossen oder aus dem Heimatdorf vertrieben wird, ist egal. Beide Parteien führen Krieg, und das sei schlimm genug, erfahre ich.

Ich werde in den Truck geführt und soll mir einen Charakter aussuchen. Ich wähle Christelle, 28, eine Medizinstudentin, die kurz vor ihren Examen steht, als sie plötzlich flüchten muss. Dann wird hinter mir die Tür geschlossen und meine Flucht beginnt. Ich stehe in einem Raum, der aussieht wie eine Kirche. Durch die “Fenster”, die eigentlich Bildschirme sind, kann ich sehen, wie mein Heimatdorf in Flammen steht. Menschen rennen schreiend umher. Schüsse sind zu hören.

Vor mir steht eine animierte Figur namens Marcel und erzählt mir, dass wir den Bus in die nächste Stadt nehmen müssen. Es sei nicht viel Zeit. Ich könne nur ein paar Sachen mitnehmen. Die Uhr tickt. Ich packe auf die Schnelle ein paar Kleidungsstücke, meinen Pass und ein Taschenmesser ein. Kleidung und einen Pass für die lange Reise. Und das Taschenmesser, um mich in der Wildness besser durchzuschlagen und zu verteidigen. Immerhin herrscht Krieg, alleine reisende Frau sind immer der Gefahr ausgesetzt, vergewaltigt zu werden.

Habe ich an alles gedacht, was wichtig ist? Nein. Meine Zeugnisse habe ich zurückgelassen, ein gravierender Fehler. Jetzt habe ich, wie ich später erfahre, nur noch wenig Chancen auf einen neuen Job in der Stadt Bukavu, in die ich geflüchtet bin. Und das, obwohl ich fast schon eine Ärztin war. Ohne Job habe ich natürlich auch kein Geld, um mir eine Unterkunft leisten zu können. Ich kann bei meiner Tante unterkommen und halte mich mit kleinen Aushilfsjobs über Wasser. Neue Leute kann ich auch nicht kennenlernen, denn niemand mag Fremde, und alle halten Abstand von mir. Ich weiß nicht wo meine Familie ist und vermisse sie sehr. Einsam sitze ich auf der Treppe zu der Wohnung meiner Tante und weiß nicht weiter.

Wieder Lorena

Dann ist alles vorbei. Ich gehe in den nächsten Raum und bin wieder Lorena in Deutschland. Aber Christelles Schicksal, das für ein paar Minuten auch mein Schicksal war, lässt mich nicht sofort los. Ich hatte alles falsch gemacht. Meine Entscheidungen führten sie in ein ziemlich aussichtsloses Leben. Plötzlich wurde mir bewusst, wie gravierend diese Entscheidungen in Sekundenschnelle sein können. Wie sehr sie das Leben der Geflüchteten auch hier beeinflussen. Warum habe ich nicht an meine Zeugnisse gedacht? Warum habe ich Klamotten eingepackt? Pure Eitelkeit. Es hätte bestimmt noch etwas Wichtigeres gegeben, dass ich hätte mitnehmen müssen. Ich kann nur hoffen, dass ich nie wirklich in diese Situation komme.

In den letzten zwei Räumen erfahre ich, welche Arten von Flüchtlingen es gibt und dass das Leben auf der Flucht sich ähnelt, egal aus welchen Gründen diejenigen ihre Heimat verlassen haben. Viele haben einfach alles verloren, oft mussten sie ihre Familien zurücklassen oder haben sie unterwegs verloren.

Ich verlasse den Truck mit einem riesigen Respekt vor den Menschen, die fliehen mussten oder gerade auf der Flucht sind. Denn anders als über die Fernsehbilder habe ich jetzt das Gefühl, zu verstehen.[/vc_column_text][vc_column_text css=”.vc_custom_1528296436354{margin-top: 10px !important;margin-right: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;margin-left: 10px !important;border-top-width: 2px !important;border-right-width: 2px !important;border-bottom-width: 2px !important;border-left-width: 2px !important;padding-top: 10px !important;padding-right: 10px !important;padding-bottom: 10px !important;padding-left: 10px !important;background-color: #ffffff !important;border-left-color: #dd3333 !important;border-left-style: solid !important;border-right-color: #dd3333 !important;border-right-style: solid !important;border-top-color: #dd3333 !important;border-top-style: solid !important;border-bottom-color: #dd3333 !important;border-bottom-style: solid !important;border-radius: 2px !important;}”]

Der Missio-Truck

Der Missio-Truck „Menschen auf der Flucht” ist seit 3. Juni in Fulda. Die mobile Ausstellung spricht besonders Schulen an, die die Gelegenheit nutzen, sich ihren Schülern die Fluchtsituation auf diesem Wege anschaulich zu erklären. Alle anderen haben zur Nacht der offenen Kirchen am Samstag von 19 Uhr bis 24 Uhr noch die Chance, sich die Ausstellung anzusehen.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]