Martina Fehl versucht, ohne Plastikmüll zu leben. In nur zwei Monaten hat sie es geschafft, ihren Hausmüll auf ein Fünftel zu reduzieren. Uns hat sie erzählt, wie es sich ohne Plastikmüll lebt.

Interview: Lea-Marie Kläsener
Foto: Martina Fehl

Wie kam es dazu, dass du Plastik vermeidest?

Im Januar kam ich vom Einkaufen nach Hause und dachte mir: Ich bin’s leid, ich will das ganze Plastik nicht mehr. Einige Zeit vorher hatte ich mein Fernsehverhalten verändert: Bei mir liefen fast nur noch Dokus, vielleicht hat mich das auch beeinflusst. Ich finde, man kann in seiner Freizeit nichts sinnvolleres tun, als sich für die Umwelt und die Tiere einzusetzen.

Was ist deine Strategie, um Müll zu vermeiden?

Ich gehe mit einem Jutebeutel zum Bäcker und lasse das Gebäck dort hineinlegen, mit Gemüsenetzen kaufe ich loses Gemüse, und mein Fleisch hole ich in eigenen Behältern an der Fleischtheke. Meine Kleidung wasche ich in einem Beutel in der Waschmaschine, der das Mikroplastik auffängt. Ansonsten suche ich nach und nach für jedes Produkt eine Al- ternative, und wenn ich keine finde, nutze ich das Plastik mehrmals für andere Dinge. Zum Beispiel kaufe ich keine Mülltüten mehr, dafür nehme ich Toilettenpapierverpackungen und für Biomüll Zeitungspapier von der Tageszeitung.

Wo fällt es dir schwer, auf Plastik zu verzichten?

Süßigkeiten sind wohl am schwierigsten unverpackt zu bekommen. Aber da achte ich darauf, dass die Produkte nicht doppelt und dreifach eingepackt sind. Putzmittel sind auch so eine Sache: Aber da gibt es Anbieter, die Flaschen aus Altplastik verwenden und die in der Herstellung ohne Mikroplastik arbeiten.

Was rätst du Anfängern?

Langsam und Schritt für Schritt vorgehen: Pro Einkauf wählt man eine Sache von der Einkaufsliste aus und sucht im Laden dafür eine Alternative. Zum Beispiel Joghurt nicht im Becher, sondern im Glas kaufen. Die Gläser lassen sich sogar zum Einfrieren von Suppen und Gemüse wiederverwenden, das spart Gefriertüten. Ansonsten hat es mir geholfen, immer eine Tasche im Auto zu haben, die Jutebeutel, Dosen für Fleisch und Gemüsenetze enthält. So kann ich spontan einkaufen. Es hilft aber auch schon, achtsamer zu werden. Dann fragt man sich ganz automatisch: Muss das aus Plastik sein oder gibt es Alternativen? Meiner Meinung nach ist Glas da übrigens die beste Variante.

Wie finden deine Familie und Freunde, dass du streng auf Plastik verzichtest?

Meine Familie hat da nicht die gleiche Sichtweise wie ich. Aber ein Kumpel von mir isst Eis jetzt immer aus der Waffel. Ich hoffe einfach, dass ich mit meinem Einkaufsverhalten etwas ins Rollen bringen kann. Kleine Erfolge machen mich richtig stolz, denn es ist wichtig, etwas zu ändern.

Glaubst du, dass ein Leben ganz ohne Plastik im großen Stil umsetzbar ist?

Nein, dann müsste man sehr viele Produkte selbst herstellen und die Zutaten dafür auch unverpackt bekommen. Das wäre den meisten zu viel Arbeit. Für einen Unverpacktladen ist Fulda aber noch lange nicht weit genug. Beim Einkaufen sehe ich oft Menschen, die viele unnötige Verpackungen kaufen, zum Beispiel Bananen nochmal in eine Tüte packen. Aber trotzdem wäre es toll, wenn es einen gäbe.

Das Interview stammt aus der aktuellen Ausgabe von move36 (Nummer 74). Dort liest du in der Titelgeschichte, wo der Plastikmüll landet und welche Probleme er verursacht.

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