Wie wird eine Kuh gemolken? Wo kommen Brötchen her? Und was macht ein Landwirt eigentlich den ganzen Tag? Die Initiative Bauernhof als Klassenzimmer bringt im Landkreis Fulda seit 18 Jahren Landwirte und Schüler zusammen. In dieser Woche wurde ein neuer Projektordner an die Vertreter der Umweltschulen übergeben.

“Ich finde es sehr wichtig, dass Schüler sehen, wo Nahrungsmittel herkommen.” Doris Hillenbrand ist Landwirtin in Lehnerz. Ihr Hof war von Anfang an dabei, als im Landkreis Fulda die Initiative Bauernhof als Klassenzimmer ins Leben gerufen wurde. Obwohl jeder Besuch von Schülern mit Aufwand für ihr Team verbunden ist, sieht sie, wie viel die Kinder und Jugendlichen mitnehmen. Wenn Schulklassen zu ihr kommen – an die 40 sind es jedes Jahr -, wird gemeinsam gebacken, werden die Tiere angesehen und dürfen die Kinder und Jugendlichen ihr auf den Zahn fühlen.

“Und es sind nicht nur die Kinder, die dabei Neues lernen, oft sind es auch die Lehrer, die überrascht sind. Einige Kinder kommen sogar später nochmal mit ihren Eltern und zeigen ihnen, was sie bei uns erlebt haben.”

Um die 150 Besuche von Schulklassen bei Landwirten fördert der Landkreis Fulda pro Jahr. “Natürlich sind auch früher schon Schulen auf Bauernhöfe gegangen”, sagt Mechthild Schmitt vom Umweltzentrum. Mit dem Projektstart Bauernhof als Klassenzimmer vor inzwischen 18 Jahren aber wurde dem Ganzen ein Rahmen gegeben. Landwirte erhalten eine Förderung für ihren Aufwand, Schulen würden bei der Vorbereitung unterstützt. “Heute ist daraus ein Zusammenarbeiten geworden, die Fachleute sind die Landwirte, die Lehrer schaffen die pädagogische Verbindung.”

25 Betriebe seien inzwischen dabei, erklärt Rieke Trittin von den Fachdiensten Landwirtschaft sowie Natur und Landschaft des Landkreises. Mit dem neuen Projektordner, den Schulen kostenlos bei ihr erhalten, werde den Lehrern eine umfassende Sammlung an Themen an die Hand gegeben, mit denen sie arbeiten können. Listen mit Infos zu den Betrieben seien darin zu finden, eine Karte, wo sich der nächste Betrieb im Umkreis der Schule befindet, eine CD mit einem Projektfilm und jede Menge inhaltlicher Input. “Es gibt Infos zu Themen wie Obst, Gemüse, Umgang mit Tieren, aber auch Hinweisen, wo man weitere Infos bekommen kann”, führte Daniela Born-Schulze vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus. Alle Materialien gebe es auch online auf der Projektseite. Dabei, so betonte sie, könnten nicht nur jüngere Klassen am Projekt teilnehmen, auch für ältere Schüler gäbe es genügend Themen, die man bei einem solchen Besuch behandeln könne.

Zerrbild der Realität

“Ich bin in ländlichem Raum aufgewachsen”, erzählte Landrat Bernd Woide. “Wenn ich mich mit Freunden getroffen habe, waren da auch welche dabei, die auf Höfen gewohnt haben. Das war also normal. Heute ist die Realität unserer Kinder eine andere. Wo sind denn noch landwirtschaftliche Betriebe?” Oft herrsche entweder ein glorifiziertes Bild der Landwirtschaft, mit glücklichen Kühen auf übergrünen Weiden im Stile eines Alpenmärchens. Oder das genaue Gegenteil werde kommuniziert, die Dämonifizierung der Landwirtschaft. “Beides sind Zerrbilder.” Bauernhof als Klassenzimmer sei eine Möglichkeit, Kinder mit der Realität der Landwirtschaft zu konfrontieren. Ihnen zu zeigen, warum es beispielsweise Erbeeren eben nur zu bestimmten Jahreszeiten gebe, ihnen beizubringen, zu hinterfragen.

Umweltschulen hätten dabei auch den Anspruch, Nachhaltigkeitsschulen zu sein, führte Silke Bell, Landeskoordinatorin der Umweltschulen, aus. “Zusammen greifen wir dieses abstrakte Konzept der Nachhaltigkeit ganz konkret auf.” Die Kinder könnten auf den Hof gehen, erfahren, anfassen, lernen. Und sie trügen das, was sie lernen, dann in die Schulen und in ihre Umgebung hinein.

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Alles zur Initiative Bauernhof als Klassenzimmer, wie deine Schule mitmachen kann und welche Höfe in deiner Umgebung dabei sind, liest du auch auf der Projektseite. Auf der Seite des Landkreises, gibt es einen Überblick, welche Betriebe mitmachen.

Ansprechpartnerin für Fulda ist Rieke Trittin. Schulen, die gern einen der neuen Projektordner hätten, können ihn bei ihr anfragen.

Rieke Trittin
Fachdienst Landwirtschaft
Wörthstraße 15
36037 Fulda
Telefon: 0661 6006 746

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