Die Stadt stellenweise lahmgelegt. Umsatzeinbußen bei Gastronomen. Mehr als 1000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Der Aufmarsch vom “III. Weg” und die Gegendemo am Samstag haben ordentliche Kosten verursacht. Dennoch war es richtig, dass um die 1500 gegen die Neonazis demonstriert haben – auch wenn das ihnen große Aufmerksamkeit beschert hat.

Ganz schön viel Beachtung für einen kleinen Haufen, der ja nun wirklich nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ist. Am Samstag hat die rechtsextreme Minipartei „Der III. Weg“ in Fulda demonstriert. Etwa 100 Rassisten und Antisemiten hatten sich auf dem Platz Unterm Heilig Kreuz zu einer Auftaktkundgebung getroffen, sind anschließend durch Fulda gelaufen und hatten schließlich auf dem Bahnhofsvorplatz ihre Abschlusskundgebung abgehalten. Ihnen Gegenüber standen rund 1500 Gegendemonstranten. Für Sicherheit sorgten mehr als 1000 Einsatzkräfte von Landes- und Bundespolizei sowie vom städtischen Ordnungsamt.

Fuldas Innenstadt ist stellenweise ziemlich lahmgelegt gewesen. Straßen sind gesperrt gewesen, zu Fuß haben kurze Strecken eine halbe Ewigkeit gedauert. „Vom Bahnhof bis ins Bermudadreieck habe ich 40 Minuten benötigt“, sagte die Bedienung einer Kneipe im Zentrum am Samstagabend. Manch ein Gastronom klagte über Umsatzeinbußen. Derweil gab Matthias Fischer, stellvertretender Bundesvorsitzender vom „III. Weg“, vor, stolz darauf zu sein, dass wegen der Demo seiner Partei 80 Verbände zur Gegendemo aufgerufen hätten.

Besser auf Protest gegen “III. Weg” verzichten?

Hätte Fulda auf den Protest lieber verzichten und der Nazi-Demo keine Beachtung schenken sollen? Natürlich nicht! Denn sich wegzuducken, hat noch nie geholfen. Und das Argument, „Der III. Weg“ sei unnötig aufgewertet worden, zieht auch nicht.

Denn den Gegendemonstranten ging es häufig nicht nur darum, den Mitgliedern und Anhängern der Partei zu zeigen, dass sie in Fulda nicht willkommen sind. Natürlich wollten sie ihnen die Stadt nicht ohne Gegenwehr überlassen. Welches Bild hätte das auch abgegeben? Im schönen, bei Touristen beliebten Fulda marschieren Neonazis und die Bewohner schweigen. „Ist ja in ein paar Stunden vorbei.“

Viel wichtiger als das Zeichen in Richtung „III. Weg“ ist ein anderes. Das Zeichen in Richtung der gesamten Bevölkerung. „Schaut hin, es gibt sie noch, die Nazis. Macht auf Extremismus aufmerksam, prangert ihn an, geht auf die Straße.“ In Deutschland ist das, anders als in totalitären Staaten, gelenkt von „starken“ Männern, möglich. „Seid mutig, traut euch was. Denkt nicht, ihr könnt nichts bewegen, nur weil die Gegenseite lauter brüllt.“

“Für Werte und Freiheiten kämpfen”

Trotz aller Unkenrufe ist Deutschland ein wohlhabendes und sicheres Land, dessen Einwohner viele Freiheiten genießen. Auch die Meinungsfreiheit ist hierzulande nicht eingeschränkt. Das behaupten zwar immer wieder Menschen, die extreme Positionen vertreten. Dabei sind gerade diese Leute der beste Beleg dafür, dass es Meinungsfreiheit in Deutschland tatsächlich gibt. Sonst würde niemand öffentlich von ihren Meinungen Kenntnis nehmen.

Unsere Freiheiten und Rechte sind jedoch nicht in Stein gemeißelt. Wenn ein – mittlerweile ehemaliges – Mitglied des Landesvorstands der Jugendorganisation einer in Deutschland aufstrebenden Partei über die Todesstrafe für Politiker, “die ihr Volk verraten”, fabuliert, ist das bedenklich.

Vor diesem Hintergrund hat Fuldas Stadtpfarrer Stefan Buß gegenüber move36 am Samstag etwas wichtiges gesagt: „Wir müssen für unsere Werte und Freiheiten immer wieder eintreten und für sie kämpfen.“ Das haben die rund 1500 Gegendemonstranten am Samstag gemacht. Wenn sich „Der III. Weg“ dann mit dieser Aufmerksamkeit brüstet, ist das zweitrangig.

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