Die Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda (IGbFD) hat es ins Finale der Google Impact Challenge geschafft – ein bundesweites Förderprojekt. Ab sofort kann online für die Fuldaer Idee abgestimmt werden. Ziel der IG: Online einen Inklusionskompass schaffen, der Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung aus Stadt, Landkreis und darüber hinaus weiterhelfen kann.

Ein Text von Anna-Lena Bieneck

Für Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung wird in der Region viel getan, sagt Hanns-Uwe Theele, Vorsitzender der IGbFD. „Unterstützung gibt es genug – aber viele wissen nicht, wo“, so der 61-Jährige.

Das will der Fuldaer ändern. Theele und die IG stellen sich eine Online-Plattform vor, die von A bis Z alles bietet, was in Stadt, Landkreis und darüber hinaus Menschen mit Behinderung weiterhelfen kann. Das umfasst unter anderem eine vollständige Katalogisierung aller Ansprechpartner und Angebote – von Ärzten und Therapeuten über Freizeitangebote, Reisen, Fahrdienste, Schule und Pflege bis hin zu barrierefreien Restaurants.

Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda
Foto: Anna-Lena Bieneck

Der Inklusionskompass soll aber mehr sein als ein Katalog. Hanns-Uwe Theele stellt sich eine interaktive Webseite vor. Das erklärt er an einem Beispiel: „Für das Thema Wohnen könnte es einen eigenen Button geben. Wenn man ihn anklickt, erscheinen verschiedene Auswahlmöglichkeiten: Suche ich freie behindertengerechte Wohnungen, oder will ich selbst barrierefrei bauen?“ Auch Finanz- und Steuerberater sollen zu finden sein. „Viele wissen vielleicht gar nicht, dass es für barrierefreies Bauen Hilfsmittel gibt.“

Da die Homepage für alle gleichermaßen nutzbar sein soll – also in jeglichem Sinne barrierefrei –, gibt es viele technische Details, die umgesetzt werden müssten. Etwa für Sehbehinderte: „Für sie muss es möglich sein, sich akustisch durch die Seite lotsen zu lassen, also mithilfe einer Vorlesefunktion“, erklärt Theele.

„Das alles ist ein Haufen Arbeit, der viel Zeit kostet – und vor allem Geld“, sagt der Fuldaer. Deshalb ist der Inklusionskompass erst einmal nur eine Idee. „Wenn wir die Förderung von Google nicht kriegen, geht es nicht“, stellt Theele klar.

Im November hatte sich die IGbFD für die Google Impact Challenge beworben. Jedes Jahr werden dabei Projekte gefördert, die mit Hilfe von Technologie helfen, die Gesellschaft ein Stück besser zu machen. Den besten Konzepten winken bis zu 500 000 Euro.

Ganz so viel braucht die IGbFD dann doch nicht. Die Fuldaer haben sich für die Kategorie beworben, in der bis zu 20 000 Euro Preisgeld winken. Eine Jury hat die Projektidee aus Fulda bis ins Finale gewählt. Jetzt hat es die Öffentlichkeit in der Hand: Gestern wurden die 100 Finalisten aus ganz Deutschland bekanntgegeben, seitdem kann man online abstimmen.

Gefördert werden die besten 50 Projekte – die Chancen stehen also auf den ersten Blick nicht schlecht. „Aber gegen Projekte aus Großstädten mit viel mehr Einwohnern, die abstimmen können, kann es natürlich schwer werden“, erklärt der 61-Jährige. Aber er zeigt sich optimistisch: „Wir zählen auf die Fuldaer und die Menschen aus der Region.“

Abstimmen kann man bis einschließlich 6. Juni. Dann entscheidet sich, ob für Fulda bald einen Inklusionskompass geben wird. Sollte es tatsächlich klappen, will sich die IGbFD an weitere Organisationen wenden: „Diakonie, antonius – Netzwerk Mensch, Caritas – wir wollen alle mit ins Boot holen“, sagt Hanns-Uwe Theele.

Wer die IG barrierefreies Fulda unterstützen möchte, kann ab sofort online seine Stimme geben.

Wie inklusiv Fulda ist, zeigte die IGbFD zuletzt beim Inklusionstag

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QuelleFotos: Anna-Lena Bieneck
Die Autoren:

Mariana Friedrich

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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.