Es gibt Mitglieder bei “Der III. Weg”, die zum Äußersten bereit sind. Eines ist Teil einer terroristischen Organisation gewesen. Die hatte ein Bombenattentat in München geplant.

„Anstatt Geld in den überflüssigen Schutz von Synagogen zu pumpen, sollte die Stadt lieber in die Sicherheit der Deutschen investieren.“ Das hat der Münchner Karl-Heinz Statzberger im Sommer 2018 gesagt. Statzberger ist “Leiter des Stützpunkts München/Oberbayern” der Neonazi-Partei „Der III. Weg“. Die Partei wünscht sich einen „deutschen Sozialismus“ und gibt sich antisemitisch.

Dass ausgerechnet der Funktionär Statzberger diese Aussage getätigt hat, ist extrem zynisch und entlarvend. Nicht nur, weil er jüngst Gastgeber eines ehemaligen Waffen-SS-Mitglieds gewesen ist und die Freilassung eines Holocaust-Leugners fordert.

Kameradschaft Süd plante Bombenanschalg

Unter den Rechtsextremen in Deutschland zählt der Bayer zur extremsten Sorte. Am 4. Mai 2005 hat ihn das Bayerische Oberste Landesgericht zu einer Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Statzberger ist Teil einer terroristischen Vereinigung gewesen. Deren Anführer: Martin Wiese. Dieser bekam sieben Jahre Haft aufgebrummt. Auch Teil der Gruppe: Thomas Schatt. Er ist mit einer Bewährungsstrafe davongekommen.

Die Gruppe nannte sich Kameradschaft Süd. Das Gericht sah es als erwiesen, dass sie einen Bombenanschlag auf die Grundsteinlegung des jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrums am St.-Jakobs-Platz in München geplant hatte. Der befindet sich im Zentrum der Stadt, zu Fuß etwa fünf Minuten vom Marienplatz entfernt.

Der Grundstein für das Zentrum sollte am 9. November 2011 gelegt werden. Angekündigt für den feierlichen Akt hatten sich der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, Johannes Rau, zu dieser Zeit Bundespräsident, und Paul Spiegel, der bis zu seinem Tod 2006 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland gewesen ist. In der Anklageschrift stand daher, dass die Beschuldigten den Tod von Menschen in Kauf genommen hätten.

Wehrsportübungen im Wald

Für den geplanten Anschlag hatte sich die Kameradschaft Süd, seit 2002 unter Wieses Führung, in Ostdeutschland mehrere Pistolen und Sprengstoff besorgt. Dass die Rechtsextremen ihren Terrorplan nicht durchgezogen haben, hat mehrere Gründe. Zum einen haben Hausdurchsuchungen, die mit dem Anschlag nichts zu tun hatten, sie aufgeschreckt. Die Kameradschaft hat daraufhin das Ziel jüdisches Zentrum aufgegeben und andere Orte wie den Marienplatz in Erwägung gezogen.

Rechtsextremismus
Martin Wiese besucht 2012 eine rechtsextreme Demo in Hof. (Foto: David Ebener | dpa)

Zum anderen kam ihnen die Polizei mittels Lauschangriffs und V-Mann-Einsatzes auf die Schliche. Bei weiteren Durchsuchungen fanden die Ermittler Waffe, Munition und Sprengstoff. Mehr als ein Dutzend Rechtsextreme wurden zunächst festgenommen. Wiese und seine engsten Mitstreiter, darunter Statzberger und Schatt, kamen in U-Haft.

Weitere Knastbrüder vom “III. Weg”

Tony Gentsch (stellv. Vors. Gebietsverband Mitte)

Gentsch saß von April 2011 bis Mai 2013 wegen Körperverletzung im Gefängnis. Nach seiner Haftentlassung feierten Neonazis im fränkischen Oberprex zwei Willkommensfeiern. In dem Ort befand sich eine Anlaufstelle der rechtsextremen Szene.

Pascal Stolle (Beisitzer im Vorstand Gebietsverband Mitte)

1997 hat Stolle mit anderen Rechtsextremen in Pritzwalk (Brandenburg) eine Punk-Band überfallen. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Stolle und seine Mittäter schlugen mit Baseballschlägern zwei Jugendliche nieder und verletzten sie lebensgefährlich.

Matthias Fischer (stellv. Bundesvorsitzender)

Fischer trat am 1. Februar 2010 eine dreimonatige Haftstrafe wegen Volksverhetzung an. Die Haftzeit verlängerte sich bis Ende September 2011, da eine Strafaussetzung zur Bewährung widerrufen wurde. Auf einer Veranstaltung in Weißenohe hatte er ausgehungerte KZ-Häftlinge als “Weight-Watchers-Werbung” bezeichnet, schreibt das Portal nordbayern.de.

Dass die Kameradschaft Süd zum Äußersten bereit gewesen ist, hat damals nicht verwundert. Von Personen aus dem Führungskreis sind Äußerungen wie die folgenden bekannt: „Alle Juden müsste man auf den Mond schießen oder auf eine Insel verbannen“ und „Dem Adolf Hitler haben wir’s geschworen, dem Adolf Hitler reichen wir die Hand“. In einer Dokumentation der der SPD nahe stehenden Friedrich-Ebert-Stiftung heißt es: „Die Aufgabe des Führungskreises soll es gewesen sein, die politischen Ziele auch durch den Einsatz von Waffen und Sprengstoff umzusetzen.“ Laut der Dokumentation haben die Mitglieder der Gruppe jeden Sonntag Wehrsportübungen in Waldgebieten nahe München durchgeführt.

26.08.2017: Hunderte demonstrieren in Fulda gegen "Der III. Weg"

“Der III. Weg”: Ideologische Heimat für Ex-Terroristen

Als Wiese aus dem Knast kommt, darf er keinen Kontakt zu seinen Mittätern – also unter anderen Statzberger und Schatt – aufbauen. Dafür trifft er auf einer Nazi-Demo in Wunsiedel im November 2011 Matthias Fischer. Der heutige stellvertretende Bundesvorsitzende von „Der III. Weg“ ist damals der führende Aktivist des rechtsextremen „Freien Netzes Süd“ (FNS) gewesen. Der bayerische Verfassungsschutz geht damals von einer engen Zusammenarbeit der „beiden führenden Neonazis“ aus.

Ideologisch wird „Der III. Weg“ ab seiner Gründung im Herbst 2013 Wiese, Statzberger und Schatt eine Heimat bieten. Wiese hat in den vergangenen Jahren an mehreren Demos der Partei teilgenommen. Ob und inwiefern er dort aktiv ist, ist nicht ganz klar. Schatt fotografiert und filmt während Veranstaltungen der Neonazi-Partei zumindest zwischenzeitlich Gegendemonstranten. Und Statzberger ist im Gebietsverband Süd, zu dem die “Stützpunkte” in Bayern zählen, ein führender Aktivist.

Statzberger will Freiheit für Holocaustleugner Mahler

Im Herbst 2018 hatte Statzbergers “Stützpunkt” ein ehemaliges Mitglied der Waffen-SS zu einem Vortrag eingeladen. „Anschaulich und humorvoll berichtete er in seinem etwa zweistündigen Vortrag von seiner Zeit bei der Hitlerjugend, seiner Ausbildung in einem Reichsbahnausbesserungswerk, seiner Tätigkeit beim Reichsarbeitsdienst und natürlich von der Waffen-SS“, schreibt „Der III. Weg“ dazu auf seiner Website. Laut dem Bericht soll Statzberger seinem Gast „vor allem auch für seine Dienste für Deutschland“ gedankt haben.

Einen Monat später forderte Statzberger laut einem Bericht seiner rechtsextremen Partei Haftentlassung für Horst Mahler, der im Sterben liege. Mahler gilt als Mitgründer der linksextremen Terrororganisation RAF. Später ist er in das rechtsextreme Lager gewechselt. Gerichte haben Mahler mehrfach zu Haftstrafen verurteilt, weil dieser den Holocaust, den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Juden, leugnet. Diesen Mann bezeichnet „Der III. Weg“ als Freiheitskämpfer. Sie ist eine rechtsextreme Gruppe, deren führende Mitglieder wie Statzberger ihren Antisemitismus offen ausleben.

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