Eine Woche haben wir geschafft – Seit einer Woche fasten sieben Kollegen der move36-Redaktion das, was ihnen am schwersten zu verzichten scheint. Und wie klappt es?

Entzugserscheinungen? Kleine Sünden? Große Schwächen? Wie läuft die 40-tägige Fastenzeit für Daniel, Toni, Jenna, Eva, Marcus, Nadine und Mariana? Halten sie durch?

Daniel fastet Serien

Daniel Beise
Foto: Steffen Hildenbrand

Eine Woche ohne Serien … und ich merke natürlich nix. Keine Entzugserscheinungen, keine Schweißausbrüche, wenn ich schlafen gehe und überlege: Was rieselt jetzt zum Einpennen? Gut, ich musste auch keine mega spannende Serie unterbrechen, die ich jetzt unbedingt hätte weiterschauen wollen. Neue Staffel „Rick and Morty“? Check! Erste Staffel „Altered Carbon“? Check! Trotzdem wäre ich jetzt wohl wieder auf der Suche nach einer neuen Serie. Das muss nun warten.

Ansonsten ist alles wie gehabt: Ich komme heim, schalt Phoenix, ZDFinfo oder irgendwas anderes Gutes auf den Öffentlich-rechtlichen ein – Nachrichtenjunkie halt – wusel rum und fange an zu kochen. Was ich vorher zwar regelmäßig, die kommenden Wochen vermutlich aber wieder täglich schaue, ist die „Kulturzeit“ auf 3sat zwischen der „heute“ und der „tagesschau“, wo ich mal ein Praktikum gemacht habe. Ein Magazin, das ich jedem Politik-, Kultur- und Medieninteressierten nur ans Herz legen kann. Eine Sendung, die hinterfragt – auch sich selbst und die eigene Zunft; eine Sendung, die aneckt, bohrt, anregt und nicht davor zurückschreckt, die großen philosophischen, aber auch praktischen Fragen unserer Zeit zu stellen.

Eva verzichtet auf Schokolade

Eva Rützel
Foto: Steffen Hildenbrand

Die Versuchung ist groß: Wenn ich meine Eltern besuche, ist der Süßigkeiten-Schrank prall gefüllt. In der WG liegt Schokolade herum. Egal, ob in der Redaktion oder in meinem Umfeld: Gefühlt isst jeder um mich herum Schokolade – und zwar dauernd.

Damit ich nicht auf dumme Gedanken komme, habe ich mir überlegt, gar nicht erst Schokolade einzukaufen. Mein Süßigkeiten-Körbchen bleibt leer.

Bisher war ich aber noch nicht kurz davor, schwach zu werden. Ich habe bloß manchmal Sorge, mein Fastenopfer einfach zu vergessen und mir einen Kakao zu holen. Deshalb überlege ich immer bevor ich esse bewusst: „Ist da eigentlich Schokolade drin?“

Bei Toni gibt es keine Chips und Cola mehr

Toni Spangenberg
Foto: Steffen Hildenbrand

Ein Leben ohne meine engen Freunde Chips und Cola – ist das überhaupt lebenswert? Kann diese Grenzerfahrung funktionieren? Ein Abschied fällt nie leicht. Im Supermarkt schaut ihr mich verführerisch an, habt euch richtig in Schale geworfen. Aber nein. Es geht nicht. Ich habe jetzt neue Freunde.

Den Serienmarathon auf Netflix genieße ich mit Schokolade, Wasser und Tee. Unterm Strich ist das auch viel billiger. Immerhin lagern Unmengen an Süßigkeiten, mit denen mich meine Familie an Weihnachten überschüttet hat, in meiner Wohnung. Die freuen sich auch, mal nicht bis Ostern im Schrank versauern zu müssen.

Beim Fasten hilft mir auch diese neumodische Erfindung. Cheat-Day heißt die. Schon mal gehört? Wenn nein, ist auch nicht schlimm. Wird sich sicher eh nie durchsetzen. Meinen ersten – und bisher einzigen – hatte ich am Montag im Kino. Zum Film gehört für mich neben Popcorn auch einfach Cola dazu. Fanta war keine Option. Die mag ich nicht.

Jenna gibt das Rauchen auf

Jenna Weidemeier
Foto: Steffen Hildenbrand

Ich setzte dem Rauchen schon am Samstag vor Aschermittwoch ein Ende, weil ich die Nacht zuvor auf einer Faschings-Party war und ich mit Alkohol im Spiel viel rauchte. Am nächsten Tag war mir klar – jetzt ist Schluss damit! Ich möchte anfangen, gesund zu leben. Seitdem geht es mir schon deutlich besser – ich kann wieder richtig durchatmen und fühle mich fitter.

Am erstaunlichsten fand ich, dass ich gar kein Verlangen hatte, zu rauchen. Die Versuche vorher, mit dem Rauchen aufzuhören, scheiterten immer an der Schmacht nach der nächsten Zigarette. Am zweiten Tag hat sich mein Blutdruck verbessert, meine Hände und Füße wurden wärmer. Das beste Erlebnis empfand ich ab dem zweiten Tag, als sich mein Geschmacks- und Geruchssinn verbesserte. Ich konnte mein Essen wieder richtig schmecken – das war super. Dass ich fitter wurde, habe ich vor allem daran gemerkt, als ich ein paar Tage später Yoga machte. Hier merkte ich, dass meine Kondition besser wurde. Jetzt konnte ich bestimmt 20 Minuten ohne Anstrengung trainieren.

Eine Woche nach dem Rauchstopp habe ich gemerkt, dass meine Lungenfunktion besser wurde. Ich kann wieder richtig durchatmen. Das habe ich vor allem beim Meditieren gemerkt. Als Raucher konnte ich da keine langen, tiefen Atemzüge machen. Jetzt kann ich lange einatmen, die Luft halten und lange ausatmen. Das fühlt sich echt befreiend an. Insgesamt bin ich auch weniger müde. Als Raucher war ich mittags nach der Mittagspause oft kaputt. Jetzt habe ich insgesamt mehr Energie, wahrscheinlich weil mein Gehirn mit mehr Sauerstoff versorgt ist. Insgesamt fühle ich mich echt viel besser – daher möchte ich so weitermachen.

Mariana lässt die Finger vom Kaffee

Mariana Friedrich
Foto: Steffen Hildenbrand

Kopfschmerzen. Müdigkeit. Schlechte Launen. Nein, all das konnte ich in den vergangenen sieben Tagen noch nicht an mir beobachten. Meine Fastenzeit startete mit einem lieben Kollegen, der, kaum dass er unsere Ankündigung gelesen hatte, ins Büro stürmte, mir den Kaffeebecher aus der Hand riss und grinsend feststellte, dass da gar kein Kaffee sondern wirklich Tee drin ist. Ja, ich halte das wirklich seit einer Woche durch und muss sagen: Bisher merke ich gar nichts.

Keine Entzugserscheinungen, ich fühle mich nicht wesentlich wohler oder unwohler. Ich trinke viel mehr Wasser. Aber: Ich vermisse Kaffee auch nicht.

Gut, das ist nicht ganz wahr. Am Wochenende sollte ich meinen Eltern bei einem kleinen Heimatbesuch Kaffee aus ihrer Lieblingsrösterei mitbringen. Führe mich nicht in Versuchung, dachte ich mir, bin dann aber doch brav Böhnchen shoppen gegangen. Klar riecht frisch gemahlener Kaffee verführerisch, und ich freue mich darauf, mir in ein paar Wochen wieder einen gönnen zu dürfen. Aber bisher fällt es mir erstaunlich leicht.

Nadine gibt 40 Tage lang kein Geld aus

Nadine Buß
Foto: Steffen Hildenbrand

„Mit 20 Euro für Ihre Liebsten und 20 Euro für sich.“ Mit derartigen Verführungen versuchte mich einer meiner Lieblingsshops gleich am ersten Tag – dem Valentinstag – zu locken. Natürlich habe ich nicht gleich kapituliert. Das wäre zu einfach gewesen. Alle weiteren Rabattcodes, die auf meinem Handy aufpoppten, sind mit einem Wisch im Papierkorb gelandet.

Am zweiten Tag stand ich allerdings vor einem unvermeidbaren Problem: Das Shuttle, das mich auf einer Pressereise zurück zum Bahnhof bringen sollte, war erst für in zwei Stunden geplant. Mist, immerhin wollte ich mich noch mit einer alten Freundin auf einen Kaffee treffen. Also ab zur U-Bahn. 2,90 Euro hat mich die überteuerte Fahrt ins Stadtzentrum gekostet. Den Kaffee habe ich mir allerdings erschnorrt. Ein unangenehmer Triumph, denn Dreistigkeit liegt mir nicht.

Tag 6 – Fresschen muss bei, also ab in den Supermarkt. Mein Freund steht meinem Fastenexperiment allerdings nicht sehr wohlgesonnen gegenüber. Trick 17: Ich gebe ihm, was mein Budget zulässt und alles, was drüber liegt, muss er aus eigener Tasche zahlen. Wieder begegne ich der scheinheiligen Dreistigkeit.

Der Rest der Woche war chillig. Ich habe gelesen, Netflix-Filme geschaut, war joggen und spazieren. Mal ganz schön, aktuell fehlt mir noch nichts.

Fazit: Mein Lebensmittel-Budget von 150 Euro habe ich für die vollen 40 Tage abgedrückt. Mit dem U-Bahn-Ticket komme ich auf 152,90 Euro.

Für Marcus gibt’s kein Fleisch mehr

Marcus Lotz
Foto: Steffen Hildenbrand

Was tut jemand, der genau weiß, dass er in der nächsten Zeit nicht mehr sündigen darf? Ganz genau: Er lässt es vorher noch mal so richtig übertrieben krachen. Mit einer selbstgemachten Pizza, belegt mit dreifach Fleisch und doppelt Käse, verabschiedete sich mein Gaumen von den wohltuenden Wonnen des Fleischkonsums und betrat tags darauf den steinigen Pfad auf dem Weg ins fleischlose Nirvana.

Um auf dieser trostlosen Reise nicht völlig alleine dazustehen, holte ich mir Hilfe von DEN Experten in Sachen Fleischverzicht: den Christen. Denen hatte ein findiger Papst im Jahr 590 erklärt, dass nur warmblütige Tiere vom Speiseplan zu streichen sind – Gott seis gedankt. Fisch ist laut dieser Auslegung also schon einmal erlaubt und landete umgehend auf meinem Speiseplan.

Dass die früheren Christen auf ihrer Suche nach weiteren Schlupflöchern den Biber aufgrund seines schuppigen Schwanzes kurzerhand zum Fisch erklärten und ihn damit beinahe ausrotteten, nahm ich dann aber doch nicht in meinen Ernährungsplan mit auf.
Die erste Woche war – auch ohne gebratenen Biber – kein Problem: Nudeln mit Tomatensoße, vegetarische Burger, Suppe, Bratkartoffeln und Müsli hielten mich gut über Wasser. Auch eine ausgedehnte Erkältung half: Wenn sowieso alles, was man isst, nach aufgeweichter Pappe schmeckt, ist die Lust auf Fleisch nicht besonders groß. Für die zweite Woche ist eine große Gemüseoffensive geplant: Spinat, Erbsen, Blumenkohl, Karotten, Brokkoli und der von vielen so verhasste (aber wirklich sehr leckere) Rosenkohl werden den Appetit auf Fleisch hoffentlich im Keim ersticken.

Mehr zum Thema:

Wie die Gremien für Schüler in Hessen strukturiert sind, wo du dich einbringen kannst und wer deine Vertreter im SSR/KSR sind, liest du hier:

Wer kommt in den Stadt- und Kreisschülerrat?

Die Redaktion fastet – Wieso?

Die bisherigen Beiträge zum Thema kannst du hier nachlesen:

https://www.move36.de/gesellschaft/eine-woche-ohne/

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Mariana Friedrich

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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.