Wie empfinden Kinder und Jugendliche ihr Leben. Dem sind die Bertelsmann Stiftung und die Goethe-Universität Frankfurt nachgegangen. Die Ergebnisse ihrer Studie “Children’s World+” deuten auf einige Defizite im Umfeld der Befragten hin. Um Materielles geht es jedoch weniger.

Wie geht es Kindern und Jugendlichen in Deutschland? Um diese Frage zu beantworten, hantieren Politiker und Wissenschaftler häufig mit vermeintlich objektiven Zahlen. Dann stellen sie dar, wie viele Kinder in Hartz-IV- oder bildungsfernen Familien leben. Wie viele Jugendliche ohne Abschluss ins Berufsleben starten. Wie stark Ernährung und Gesundheit vom Lebenswandel der Eltern abhängt. Doch wie beurteilen Kinder und Jugendliche bei uns ihre Lage selbst?

Das wollten die Bertelsmann Stiftung und die Goethe-Universität Frankfurt herausfinden. Sie befragten 3448 Kinder und Jugendliche zu Themen wie Schule, Familie und materiellen Wohlstand. Resultat ist die Studie „Children’s Worlds+“, die die Bertelsmann Stiftung diese Woche veröffentlicht hat.

„Children’s Worlds+“: Eher immaterielle Defizite

Die gute Nachricht vorab: Laut eigenen Angaben geht es den meisten Kindern und Jugendlichen materiell gut. Wobei es Fragen aufwirft, dass nicht 100 Prozent gesagt haben, dass es bei ihnen genug zu essen gebe. Dennoch sehen die für die Studie Befragten eher im immateriellen Bereich Defizite.

Ressourcen der Kinder und Jugendlichen über alle Altersgruppen

Genug zu essen 99.3%
Mindestens ein Badezimmer 100.0%
Eigenes (Schlaf-)Zimmer 84.0%
Platz zum Spielen 96.8%
Ungestörter Arbeitsplatz 91.7%
Auto 93.3%
Familienurlaub 88.2%
Mindestens ein Computer in der Familie 99.0%

Je älter die Befragten, desto mehr gaben an, dass es in ihrer Familie niemanden gebe, der sich um sie kümmert. Außerdem sank mit steigendem Alter der Anteil derer, die sagten, dass ihre Eltern genug Zeit mit ihnen verbringen würden. Ähnlich sieht es mit Blick auf Lehrerinnen und Lehrer aus. Während 6,7 Prozent der befragten Achtjährigen laut „Children‘s World+“ nicht oder nur ein bisschen zustimmen, dass ihre Lehrer sich um sie kümmern und ihnen helfen, wenn sie Probleme haben, sind es bei den 14-Jährigen 25,6 Prozent.

„In meiner Familie gibt es jemanden, der sich um mich kümmert“ (keine bzw. ein bisschen zustimmung)

8-Jährige 5.2%
9-Jährige 2.8%
10-Jährige 5.2%
11-Jährige 5.4%
12-Jährige 7.9%
13-Jährige 8.2%
14-Jährige 9.7%

„Meine Lehrer kümmern sich um mich und helfen, wenn ich Probleme habe“ (keine bzw. ein bisschen zustimmung)

8-Jährige 6.7%
9-Jährige 6.3%
10-Jährige 7.2%
11-Jährige 14.6%
12-Jährige 16.1%
13-Jährige 23.3%
14-Jährige 25.6%

Für Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, leitet sich daraus ab, dass die Gesellschaft insgesamt mehr für Kinder und Jugendliche da sein muss. „Kinder und Jugendliche brauchen erwachsene Vertrauenspersonen, sowohl in Familien als auch in den Schulen“, zitiert eine Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung Dräger.

Viele fühlen sich in der Schule nicht sicher

Laut dieser Mitteilung blickt der Stiftungsvorstand zudem besorgt auf das Sicherheitsgefühl der befragten Kinder und Jugendlichen. Knapp ein Viertel der Befragten stimmte der Aussage „Ich fühle mich sicher in der Schule“ weniger zu. Zwischen den einzelnen Schulformen gibt es dabei teils große Unterschiede. Dräger sagt dazu: „Kinder müssen sich an ihrer Schule sicher fühlen können. Das ist eine Grundvoraussetzung für Lernen und Chancengerechtigkeit.“

„Ich fühle mich sicher in meiner Schule“ (wenig Zustimmung)

Über alle Schulformen 24.2%
Grundschule 19.1%
Hauptschule 33.4%
Realschule 26.9%
Gymnasium 18.2%
Gesamt-/Sekundarschule 32.9%

Ein weiteres auffälliges Ergebnis der Studie „Children’s Worlds+“: Je älter die Befragten, desto weniger stimmten sie der Aussage, dass sie genug Zeit für Freundinnen und Freunde hätten, zu. Damit einher geht eine sinkende Zufriedenheit der Kinder und Jugendlichen mit der Art und Weise, wie sie ihre Zeit verbringen. In der Studie heißt es dazu: „Die Daten spiegeln einen möglichen Konflikt. Einerseits ist davon auszugehen, dass viele Jugendliche genügend Zeit für ihre Freundinnen und Freunde haben wollen, andererseits sind sie durch die Schule gefordert.“ Es sei zu klären, wie Jugendliche ihr Zeitmanagement betreiben.

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QuelleFoto: Thomas Kunsch
Seit August 2016: Redakteur bei move36-Reportage // Oktober 2014 bis September 2016: Redakteur bei fuldaerzeitung.de // April 2013 bis September 2014: Volontär bei Focus Online // Master of Arts Journalismus (Johannes Gutenberg Universität Mainz) // Diplom-Volkswirt (Julius Maximilians Universität Würzburg)