Und, was machen wir an Silvester? Diese Frage wird spätestens nach den Weihnachtsfeiertagen im Freundeskreis wieder wild diskutiert. Für viele ist der 31. Dezember nicht nur zum Feiern da, sondern auch ein Tag voller Traditionen, die es abzuarbeiten gilt, bevor das neue Jahr startet.

Der gute Rutsch – Ein Missverständnis?

Ganz egal, wo du in der Zeit zwischen den Jahren hingehst. Ob beim Shopping, um das Weihnachtsgeld direkt wieder rauszuhauen, oder im Fitnessstudio, wo du die Weihnachtspfunde versuchst wieder abzutrainieren. Überall wünscht man dir, dass du gut ins neue Jahr rutschst, obwohl es auch dieses Jahr bisher kaum Schnee noch Glatteis gab. Aber warum der gute Rutsch? Wir wünschen weder Kindern auf dem Spielplatz einen guten Rutsch in den Sandkasten, noch unserem besten Freund einen guten Rutsch ins neue Lebensjahr. Dennoch: Über die Jahreswende hinweg sprechen wir regelmäßig den guten Rutsch aus, und auch ich sage es.

Dabei wissen die Wenigsten, warum wir unseren Mitmenschen diese Glückwünsche fürs neue Jahr aussprechen. Zurückzuführen ist es vermutlich aufs Jüdische. Dort heißt das Neujahr „Rosch ha-Schanah“, wörtlich übersetzt „Kopf des Jahres“. Auf Jiddisch wünscht man sich in der Zeit vor und nach dem Silvestertag „a git Rosch“ (einen guten Kopf). Man kann also davon ausgehen, dass der „gute Rutsch“ aus einem missverstandenen „git Rosch“ entstand.

Wachs statt Blei

Ist der Silvesterabend dann endlich gekommen, und man hat sich vorher “Dinner for One” in Dauerschleife angeguckt, geht es auch schon weiter. Als hätte man über die Weihnachtsfeiertage nicht schon genug gegessen, wird am letzten Tag des Jahres noch mal richtig zugeschlagen. Da heißt es dann nämlich: Auf die Pfännchen. Fertig. Los! Denn es ist Raclette-Time. Das ganze Jahr über steht das Teil, das man irgendwann mal auf einer Tombola gewonnen hat, im Keller und wird nur am 31. Dezember rausgeholt. Nach 15 Pfännchen Salami, Schinken, Pilze und Co. dick mit Schmelzkäse überbacken hat man sich dann ordentlich vollgestopft.

Die Wartezeit bis 0 Uhr wird dann mit lustigen Aktivitäten überbrückt. Das beliebte Bleigießen ist seit diesem Jahr wegen erhöhter Grenzwerte der neuen EU-Chemikalienverordunung verboten. Die ungiftige Alternative ist nun Wachsgießen. Das Resultat bleibt das gleiche. Man versucht krampfhaft, aus einem Klumpen Blei oder jetzt eben Wachs, der beim Hineinschütten ins Wasser entstanden ist, Figuren zu erkennen. Und nein, keiner erkennt daraus einen Elefanten, Drachen oder einen Baum, an denen sich dann irgendwelche Bedeutungen und Voraussagen für das bevorstehende Jahr ablesen lassen.

Teurer Spaß und böses Erwachen

Anschließend werden die lustigen Partyspiele rausgekramt und das ein oder andere Tischfeuerwerk gezündet. Irgendwann ist es dann endlich soweit: 23:59 Uhr. Die letzten zehn Sekunden werden gemeinsam runtergezählt 10, 9, 8… Prost Neujahr! “Prosit Neujahr” stammt übrigens aus dem Lateinischen und heißt “Lass es gelingen”. Alle liegen sich in den Armen und wünschen sich nur das Beste fürs neue Jahr. Mit Wunderkerzen steht man in der Kälte auf Straße, schließlich muss das viel zu teure Feuerwerk auch sinnlos verballert werden. So mit 13 oder 14 Jahren fand ich Böller und Raketen ja noch super und hab mein letztes Taschengeld für die Knallerei ausgegeben. Doch heute kann ich dem nichts mehr abgewinnen. Denn spätestens am nächsten Morgen wird dir dann klar, wie bescheuert dieser ganze Feuerwerkskram überhaupt ist. Denn es gibt doch keinen schöneren Start ins neue Jahr, als total verkatert die Straße von den Überresten der letzten Nacht sauber zu machen.

Aus diesem Grund wird bei mir die große Party in diesem Jahr ausbleiben. Vermutlich sitze ich am Ende mit Freunden am Tisch, schäle Pellkartoffeln und lege den Käse auf mein mit Salami und Mais gefülltes Pfännchen, bevor ich es in den Raclette-Grill schiebe und mich freue, wenn das Tischfeuerwerk hochgeht. In diesem Sinne: “Git Rosch!”

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