Ein gutes Jahr nach einer Attacke von mutmaßlich Rechtsextremen gegen Linke in Fulda kommt es zum Prozess. Zwei Männer müssen sich vor dem Amtsgericht verteidigen. Sie sind keine Unbekannten.

Als Lukas Larbig am späteren Abend des 30. April 2018 an der Kasse der Kaufland-Filiale in Fulda steht, ist ihm klar: „Da passiert gleich was.“ Das berichtet Larbig ein knappes Jahr nach dem Vorfall, bei dem mutmaßlich Rechtsextreme ihn und zwei Jugendliche im Bereich des Lebensmittelhandels attackiert haben. Der Fall landet nun vor dem Amtsgericht. Larbig, der damals in Fulda gearbeitet hat, ist Nebenkläger. Angeklagt sind zwei Männer aus Osthessen wegen Körperverletzung und Körperverletzung in Tateinheit mit Sachbeschädigung. Sie sollen dem rechtsextremen Spektrum nahestehen. Hintergrund der Tat sollen wohl politische Differenzen gewesen sein, so das Amtsgericht Fulda auf Nachfrage von move36.

Der 30. April 2018 ist ein Samstag, an dem in Fulda ordentlich was losgewesen ist. Auf dem Jesuitenplatz zwischen Museum und Karstadt hält die AfD eine Kundgebung ab. Das Motto: „Die Polizei bleibt unser Freund.“ Zuvor sahen sich Osthessens Polizisten schwerer Kritik ausgesetzt, nachdem ein junger Afghane im Münsterfeld von einem Polizisten erschossen wurde. Der junge Mann hatte zuvor randaliert und wollte die Einsatzkräfte angreifen.

Neonazis mit “Thor-Steinar”-Shirts

Während die AfD an jenem Samstag ihre Kundgebung abhält, versammeln sich auf dem Bahnhofsvorplatz gut 400 Gegendemonstranten. Das antirassistische Bündnis „Fulda stellt sich quer“ hatte zu dieser Gegendemo aufgerufen. Einige Teilnehmer machen sich jedoch ziemlich rasch auf den Weg zum Jesuitenplatz. Dort zücken sie Trillerpfeifen und spielen laut Musik.

Auch Lukas Larbig ist auf dem Platz und macht Fotos. Ihm fallen viele „bürgerlich“ aussehende AfD-Anhänger auf. „Aber auch eine Gruppe, die sich optisch davon abgehoben hat“, sagt Larbig. „Sie haben unter anderem Shirts der in der rechtsextremen Szene beliebten Marke ‚Thor Steinar‘ getragen.“ Zwei hätten zudem Gegendemonstranten Blumen und eine Wasserflasche aus der Hand geschlagen.

Direkt den Notruf gewählt

Im Großen und Ganzen verläuft der Tag jedoch friedlich. Und das, obwohl Menschen, die politisch nicht weiter auseinanderliegen könnten, nur wenige Meter voneinander entfernt gestanden haben.

Gegen 22 Uhr steht Larbig schließlich an der Kaufland-Kasse. Vor ihm zwei Jugendliche mit Antifa-Fahne. „In der Nähe des Eingangs habe ich Leute aus der Gruppe gesehen, die mir schon auf der AfD-Demo aufgefallen sind“, sagt Larbig. „Weil ich dachte, dass die auf die Jugendlichen warten und etwas passieren wird, habe ich direkt den Notruf gewählt.“

„Ich habe mir dabei die Rippen geprellt.“

Einem aus der Gruppe muss das aufgefallen sein. Laut Larbigs Schilderung geht der Mann auf ihn zu, schlägt ihm das Handy aus der Hand und reißt ihn zu Boden. „Ich habe mir dabei die Rippen geprellt.“ Auch einer der Jugendlichen wird attackiert. Einer der mutmaßlich Rechtsextremen soll fest an der Antifa-Fahne, die er um die Schultern trägt, gezogen, „Die bleibt hier“ gesagt und ihn zweimal ins Gesicht geschlagen haben.

In Kürze müssen sich nun zwei Männer gegen den Vorwurf, die Täter zu sein, vor dem Amtsgericht verantworten. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Laut move36-Informationen ist einer von ihnen in der Gastronomie tätig. Ein anderer soll Funktionär einer rechtsextremen Partei im Kreis Fulda sein. Ob er tatsächlich an der Tat beteiligt gewesen ist? Unklar. Allerdings wollen die Jugendlichen ihn als Teil der Gruppe, die ihnen vor dem Kaufland aufgelauert hat, erkannt haben. Beide sind im Landkreis also keine Unbekannten.

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QuelleFoto: Redaktion
Seit August 2016: Redakteur bei move36-Reportage // Oktober 2014 bis September 2016: Redakteur bei fuldaerzeitung.de // April 2013 bis September 2014: Volontär bei Focus Online // Master of Arts Journalismus (Johannes Gutenberg Universität Mainz) // Diplom-Volkswirt (Julius Maximilians Universität Würzburg)