“Endlich!” – sagen die einen. “Och, ganz locker”, vielleicht die anderen. Nach 40 Tagen Verzicht auf Serien, Schokolade & Co. zieht unser Fasten-Team ein Fazit. Sind sie nur heilfroh, endlich wieder konsumieren zu können? Oder haben sie auch Schlüsse für sich selbst daraus gezogen?

Daniel hat auf Serien verzichtet

Daniel Beise
Foto: Steffen Hildenbrand

Da die Zeit nur so an einem vorbei rast, wenn man Vollzeit arbeitet, kamen mir auch die 40 Tage alles andere als lang vor. Hätte ich die Feierabende nur damit verbracht, beim Haustür Aufschließen schon den Smart Hub zu drücken, wäre sie vermutlich noch schneller gerast. Von daher: Ich versuche, meinen Serienkonsum etwas bewusster und ausgewählter zu gestalten. Anstatt dann irgendwas zu gucken, nur damit irgendwas rieselt. Und wenn halt mal nix auf der Liste ist, mir abends mein Buch zu schnappen. Über Ostern habe ich ein super spannendes der US-Thriller-Autorin Karin Slaughter angefangen: “Bittere Wunden”. Schon die ersten Seiten fesseln. Das wird nicht für eine Serie links liegen gelassen.

Aber ich sage auch: Endlich! Einfach weil ich ein Serienjunkie bin und mich gerne berieseln lassen.

Eva hat auf Schokolade verzichtet

Eva Rützel
Foto: Steffen Hildenbrand

Kein Schokokuchen, keine heiße Schokolade … so langsam konnte ich mich selbst nicht mehr hören. Ich kam mir vor, wie ein trotziges Kind, dass nichts essen will. Dabei durfte ich ja nicht!

Jetzt bin ich erlöst und muss mein Schokoladenkontingent wieder auffüllen, ich bin schließlich ziemlich im Rückstand. Aber ich habe Glück, denn in meinem Osterkörbchen gibt es massenweise Auswahl: Schokohasen, Nougateier, Schokoladenlollys – ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich hatte vergessen, dass man Ostern beinahe zu “Schokoladenfest” umtaufen könnte.

Wie heißt es doch so schön: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ich glaube, ich habe tatsächlich das Richtige gefastet … Guten Appetit!

Bei Toni gab’s keine Chips und Cola mehr

Toni Spangenberg
Foto: Steffen Hildenbrand

Endlich! Die leidige Fastenzeit hat ein Ende. Jetzt darf ich wieder Chips essen und Cola trinken – zumindest offiziell. Inoffiziell habe ich in ganz wenigen Ausnahmefällen trotzdem gesündigt. Aber das bleibt ja unter uns.

Dummerweise bin ich, was das Ende des Fastens angeht, im Datum verrutscht, deshalb hatte ich schon am Karfreitag ein Glas Cola. Naja, passiert. Trotzdem werde ich meinen Cola- und Chipskonsum auch in Zukunft zurückschrauben. Ich versuche es zumindest. Im Restaurant mal einen Saft statt einer Cola zu bestellen und abends auf dem Sofa die Chips gegen frisches Obst zu tauschen, finde ich gar nicht so schlecht.

Das Fasten hat seinen Sinn also erfüllt. Durch den Verzicht über den eigenen Konsum nachzudenken, ist immer gut – auch, wenn ich anfangs null Bock dazu hatte und es schon nervig sein kann, zu verzichten.

Jenna hat aufgehört zu rauchen

Jenna Weidemeier
Foto: Steffen Hildenbrand

Sucht ist etwas Hartnäckiges. Das habe ich in den 40 Tagen am eigenen Leib erfahren. Auch wenn mir der Verzicht auf Zigaretten relativ leicht gefallen ist, schleicht sich der Gedanke „Ich will irgendwas konsumieren“ immer mal wieder ein. Auf Partys, gerade wenn Alkohol im Spiel ist, ist es am schwersten, die Zigarette dankend abzulehnen. Immerhin bin ich bloß einmal rückfällig geworden. Irgendwann kam der Punkt, ab dem das Dranbleiben einfach mehr wog. Und mit diesem Willen werde ich den inneren Schweinehund sicher komplett besiegen.

Mein Résumé: Ich bin unendlich froh, mich für das Fasten entschieden zu haben. Ohne hätte ich wahrscheinlich nicht aufgehört. Rauchfrei zu sein, ist eine unglaubliche Freiheit. Die Sinne sind wieder geschärft, Bewegungen gewinnen an Leichtigkeit, und endlich lässt sich das Leben wieder richtig atmen.

Mariana hat die Finger vom Kaffee gelassen

Mariana Friedrich
Foto: Steffen Hildenbrand

Die Zielgrade war schon zum Greifen nah, als mich eine dampfende Tasse Kaffee an Karfreitag in die Knie zwang. Naja, man kann sich das jetzt alles schönreden: Es war quasi ein Kaffeeunfall, weil der Kaffeeanbietende nicht wusste, dass ich faste und ich zu spät mitbekommen haben, dass diese Tasse nur für mich gemacht wurde. Kaffee trinken aus Notwehr sozusagen, um das gute Lebensmittel nicht den Abfluss hinunterjagen zu müssen.

Besser macht es das alles nicht. Immerhin, auf 40 Tage kommen damit nur zwei Tassen Kaffee, weil ich die Sünden-Sonntage bewusst ignoriert habe, und eine Erkenntnis: Ich brauche Kaffee gar nicht, mag ihn aber echt gern.

Und gerade weil ich ihn mag, habe ich nicht mehr wirklich große Lust auf Filterkaffee. Ein selbstaufgebrühter mit guten Bohnen aus der Frenchpress oder Siebträgermaschine ist so viel besser. Deshalb werde ich meinen Kaffeekonsum umstellen und ab sofort versuchen, wenn ich Kaffee trinke, daraus wirklich einen Genuss zu machen. Mal schauen, ob mir das gelingt.

Nadine hat 40 Tage lang kein Geld ausgegeben

Nadine Buß
Foto: Steffen Hildenbrand

Ich bin standhaft geblieben! Wer meinen letzten Artikel gelesen hat, der weiß, dass ich zuletzt nur noch das Gegenteil wollte: Geld ausgeben. Das hätte ich auch fast gemacht, hätte mich das Schicksal nicht ‚gebändigt‘. Samstagnachmittag – prädestiniert, um die Innenstadt abzuklappern – war ich schon auf der Zielgeraden. Die Geschäfte in greifbarer Nähe, lief ich zwei Freunden in die Arme. Ein Eis, einen Cappuccino und zahlreiche Geschichten später waren die Läden zu. Dafür wurde ich eingeladen und mein Portemonnaie blieb unangetastet. Ein weiteres Mal tingelte ich in die Stadt. Ein Bekannter, der nur mal unter die Leute wollte, begleitete mich. Das Resultat: Er entschloss spontan, seine Garderobe aufzubessern – für mich war keine Zeit mehr. Das Frustshoppen klappte auch beim dritten und vierten Anlauf nicht. Zwar schaffte ich es in ein Geschäft, aber die Hose, die mir gefiel, war nicht in meiner Größe da. Es war wie verhext, und so wagte ich online einen Versuch. Doch bei gefühlten 20 Hosen, die ich vorher anprobierte, war mir Größe 34 zu groß. Also bestellte ich 32. Leider hatte ich nicht bedacht, dass Hose 21 von einer spanischen Firma geliefert wird, die – wer ahnt es? Natürlich zu klein war. Es brodelte in mir. Geld brachte ich dennoch unter die Leute: 15 Euro für Sushi, 12 Euro beim Italiener und etwa 15 Euro für das Ostergeschenk meines Patenkindes. Zusammen mit dem Betrag aus letzter Woche macht das 252,90 Euro – mein Budget von 250 Euro habe ich also knapp eingehalten. Ich bin froh, dass die Fastenzeit vorbei ist. Jetzt muss ich nur noch eine Hose finden, damit ich endlich fastenbrüchig werden kann.

Für Marcus gab’s kein Fleisch mehr

Marcus Lotz
Foto: Steffen Hildenbrand

40 Tage Fleischverzicht – was relativ entspannt begann, wurde am Ende doch noch einmal richtig knapp. Schuld daran war ein Grillbuch, das mir ausgerechnet ein paar Tage vor Ende der Fastenzeit aus irgendwelchen Gründen in die Hände fiel. Auf hochauflösenden Bildern wurden dem Leser Würstchen, Steaks, Frikadellen, Spieße, halbe Hähnchen, Braten, Burger, Döner und viele andere Leckereien offeriert. Die steigenden Temperaturen kündeten ebenfalls vom langsamen Beginn der Grillsaison. So erwischte ich mich eines Tages dabei, wie ich aus reiner Ungeduld den Grill auf Hochglanz polierte. Nur für den Fall. Würde die Fastenzeit mit der Grillsaison zusammenfallen – ich hätte keine 30 Tage durchgehalten.

So aber kann ich stolz behaupten: 40 Tage lang habe ich keinen einzigen Brocken Fleisch zu mir genommen. Obwohl es mir die meiste Zeit nicht sonderlich schwerfiel, da neben viel Obst und Gemüse auch ab und an Fisch als psychologischer Fleischersatz auf den Teller kam, gab es doch einige heikle Momente, in denen ich tatsächlich in Versuchung kam. „Es würde nie jemand erfahren“, dieser kleine, hässliche Gedanke drängte sich mir in diesen Momenten ins Bewusstsein, schaffte es aber zum Glück nicht, mein Handeln zu übernehmen und mich schummeln zu lassen. Der Gedanke, dass dann alles Vorherige für die Katz gewesen wäre, war letztlich stärker.

Nach 40 Tagen ging mir dann aber doch die Puste aus: Das Ende der Fastenzeit habe ich mit einer aufwendigen italienischen Lasagne mit allem Drum und Dran gefeiert. Die war nach 40 Tagen Abstinenz auch bitter nötig.

Bleibt die Frage: Hat das Fasten etwas verändert? Ja und Nein. Ja, weil ich mich eingehender mit dem Thema beschäftigt habe und mir nun Fragen stelle wie: Warum essen manche Leute Fisch, aber kein Fleisch, nennen sich aber trotzdem Vegetarier? (Zitat einer „Vegetarierin“: „Fische sind hässlich.“) Welche Alternativen zu Fleisch gibt es für Vegetarier, und warum sind viele dieser Produkte so teuer?

Nein, weil mich die Fastenzeit noch einmal darin bestärkt hat, dass ein lebenslanger Fleischverzicht für mich zwar möglich wäre, ich aber nicht freiwillig langfristig auf Fleisch verzichten würde.

Und so bleibt am Ende nur noch zu sagen: Die Grillsaison kann kommen.

Die Redaktion fastet – Wieso?

Die bisherigen Beiträge zum Thema kannst du hier nachlesen:

Die Redaktion fastet

Eine Woche ohne … Wie läuft es?

Woche drei der Fasten-Challenge … So geht es unseren Autoren mit ihrem Verzicht

Klimawandel – Was kann man tun?

40 Tage zu fasten ist nicht viel mehr als ein Selbstest. Um mit Verzicht wirklich etwas zu bewirken, eventuell auch seine Umwelt nachhaltig zu verändern, brucht es mehr. Regina vom Jugendforum der Stadt Fulda hat uns einen Vorschlag geschrieben, wie wir mit Plastikfasten den Klimawandel beeinflussen könnten.

Ein Text von Regina Noel Baum vom Redaktionsteam des Jugendforums

Das Klassische in der Fastenzeit ist der Verzicht auf Süßes, Fleisch oder Alkohol. Warum nicht mal etwas probieren, was nicht nur einem selbst, sondern auch anderen Menschen hilft? Zum Beispiel, unseren Plastikverbrauch zu reduzieren. Die „Zero-Waste-Bewegung“ (deutsch: Null-Müll-Bewegung) zeigt: Es kann funktionieren.

Ich habe mir beispielsweise das Buch “Besser leben ohne Plastik” angesehen. In einem Interview dazu verraten die beiden Autorinnen Nadine Schubert und Anneliese Brunk, Plastik zu fasten bedeutet sparen, aber nicht komplett verzichten: „In der Fastenzeit kann man seinen gesamten Plastikmüll in einem Glas oder einer Tüte sammeln, um zu sehen, wie sehr er sich reduziert hat“, meint Nadine Schubert.

Doch wie beginnt man damit? Die Autorinnen geben einige Tipps, die echt einfach umsetzbar sind. Seife statt Duschgel zu benutzen, beispielsweise. Oder Leitungswasser zu trinken. Die Qualität gerade hier in der Region ist sowieso sehr gut, da braucht man kein Wasser kaufen. Make-up kann man auch mit leichter abbaubaren Feuchttüchern entfernden, statt Entferner in Plastikverpackung zu kaufen.

Besonders leicht ist der Umstieg beim Lebensmitteleinkauf. Hast du schon mal überlegt, keine PET-Flaschen mehr zu kaufen, sondern auf Glas zu setzen? Oder beim Obst- und Gemüsekauf eher zu den unverpackten Sachen zu greifen? Oft wird auch vorgeschlagen, sich Wurst- und Käse in mitgebrachte Behälter wie Tupperdosen füllen zu lassen. Das ist rechtlich schwierig, weil die Verkäufer keine Fremden Behälter hinter die Theke nehmen dürfen. Wenn du die Dose aber auf die Theke stellst und die Wurst vom Verkäufer oder der Verkäuferin hineingelegt wird, sei das erlaubt, empfehlen die Autorinnen.

Es gibt viele Tricks, die man anwenden kann. Oft fällt uns das nur nicht auf, weil wir noch nicht darüber nachgedacht haben oder die Dinge so machen, wie es unsere Eltern gemacht haben.

Ich versuche jetzt, im Alltag auf möglichst viel Plastik zu verzichten, indem ich Obst ohne Plastiktüte, Fleisch und Käse in Tupperdosen kaufe und Mehrweg- statt Plastiktüten nehme. Es ist nicht unmöglich und verhilft auch zu einem gesünderen Leben. Und wenn viele auf Plastik fasten, können wir den Klimawandel verlangsamen.

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Redaktion move36

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