Wann ich das letzte Mal etwas auf Facebook gepostet habe? Ich habe mal nachgeschaut, im April 2014. Es war ein „Lade-ein-Kinderbild-hoch-Kettenbrief“. 2016 habe ich mein Profil- und Titelbild geändert, das war es dann mit meiner Facebook-Karriere. Früher war Facebook noch persönlich und der Ort zum chatten – und heute?

Ein Text von Julia Weber

Gefühlte Jahre habe ich mit meinen Eltern diskutiert, bis ich mich im Frühling 2012, kurz vor meinem 13. Geburtstag, endlich bei meinem ersten sozialen Medium registrieren durfte. Die Zeit der nächtelangen Facebook-Chat-Konversationen war eröffnet. Wir diskutierten im Gruppenchat, teilten Erinnerungen und Momente auf der Pinnwand und tratschten im Privatchat. Nach Facebook kam Whatsapp. Im April 2013 dann mein erster Instagram-Post und seit Anfang 2014 belagert auch Snapchat mein mobiles Endgerät.

Meine kleine Schwester, sie ist 15, hat kein Facebook. Alle anderen sozialen Netzwerke von Instagram, Snapchat, Houseparty, Musical.ly, bis zu Pinterest dagegen schon. „Ich verstehe überhaupt nicht, wofür man Facebook braucht, davon abgesehen hat es niemand von meinen Freunden“, erklärt sie.

Facebook-Pinnwand: Gähnende Leere

Ich kann sie verstehen. Wenn ich jetzt am PC meinen Facebook-Feed entlangscrolle, sehe ich viel, aber nichts, was mich wirklich anspricht. Das zehnte BuzzFeed-Video, der zweite Beitrag eines vorgeschlagenen Posts, der mich nicht interessiert. Persönliche Posts von meinen Freunden finde ich selten. Entweder sind sie genauso inaktiv wie ich oder der Algorithmus verschluckt das Ganze.

Meine Pinnwand kommt mir wie ein altes Poesiealbum vor. Teenie Disco 2013, ein Schulausflug ins Mathematikum, der zwölfte Geburtstag einer Freundin. Seit 2015 gähnende Leere. Die Geburtsgaswünsche sind das einzige, was auf meiner Facebook-Seite noch abgeht.

Realitätsfern statt persönlich

Hat sich das Persönlichsein von Facebook auf andere soziale Medien verlagert? Oder hat sich der intensivere Austausch via Netz schlicht verabschiedet? Auf Instagram geht’s schließlich nur um Bilder – ziemlich oberflächlich oder? Zwar bekomme ich hier die schönsten Urlaubsbilder oder den Abiball meiner Freunde mit, viel mehr aber auch nicht. Influencer präsentieren mir auf traumhaft schönen Urlaubsbilder den neuesten Shit. Unter den Bildern sind häufig unfassbar tiefgründige Sprüche von Goethe und Co. zu finden, obwohl die meisten wohl noch nie ein Buch von ihnen gelesen haben. Dazu kommen die Hashtags. #picoftheday, wirkt irgendwie spontan und authentisch, dabei hat das Bild drei Stunden Vorbereitung und Photoshop hinter sich. Diese Bilder sind realitätsfern und nicht mehr persönlich, genauso wie die Sprüche.

Auf Facebook konnten wir lesen, wo unser „Freund“ zur Schule oder Uni geht, welche Bücher er gerne liest und welche Filme er gerne schaut, welche politischen Ansichten er hat; Geburtstag, Wohnort und Beziehungsstatus konnte man einsehen. Das war ziemlich persönlich. Hier war unser Vor- und Nachname unser Benutzername. Auf Instagram kann es irgendein Pseudonym sein. Viel mehr als der Name, das Alter und allenfalls noch der Beziehungsstatus stehen hier nicht. Sozial ist es eigentlich nur in dem Sinne, dass sich hier Leute connecten und dann womöglich auf anderen Kanäle mehr plaudern.

Tschüss Facebook

Ich bin zwar fast täglich auf Instagram unterwegs, aber mein letztes Bild habe ich im Februar hochgeladen. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht liegt es daran, dass mein hochgeladenes Foto dann bei 500 Menschen in der Timeline erscheint. Am meisten habe ich auf Facebook und Instagram gepostet und gechattet, als nur meine engsten Freunde Follower und „Freunde“ waren. Und vielleicht ist es genau das. Im Prinzip habe ich einfach mit meinen Freunden gechattet, wie heute auf Whatsapp, aber auf einer öffentlichen Plattform, die mir trotzdem privat vorkam.

Bis Anfang dieses Jahres hatte ich die Facebook-App noch auf meinem Handy. Warum? Wegen der Erinnerungsfunktion für Geburtstage. Doch der Speicherplatz wurde knapp. Also ist Facebook vom Handy geflogen. Ich vermisse es nicht wirklich.

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