Von Molzbach nach Dharamshala: Dana-Maria Schulz (20) ist vor anderthalb Jahren allein nach Indien aufgebrochen. Nach mehreren Rundreisen hat es die Molzbacherin nun in einer Yoga-Farm im Norden Indiens gehalten. Bei knapp 40 Grad im Schatten arbeitet sie dort sieben Stunden an sechs Tagen in der Woche. Im Austausch bekommt sie Verpflegung, Unterkunft und Yoga-Unterricht.

Ein Text von Eva Rützel

Zwei Monate hatte die Molzbacherin für ihre Indien-Reise eingeplant – nun sind bereits 18 Monate vergangen: Dana-Maria Schulz lebt und arbeitet mittlerweile gemeinsam mit ihrem indischen Partner auf einer Farm eines Yoga-Zentrums in Dharamshala.

Als Arbeitsausgleich bekommt die 20-Jährige wie alle Freiwilligen kein Geld, sondern ein Zimmer und Yogastunden. „Das Zimmer teile ich mit zwei anderen Mädchen. Wir wohnen in einer sehr einfachen Unterkunft. Bis vor einer Woche waren wir elf Freiwillige aus verschiedenen Ländern wie Frankreich, Australien, England, Indien, Irland und Kanada“, erzählt sie.

Mit Schal und Langarmshirt gegen die Hitze

Während das Verhältnis zwischen den Helfern sehr gut ist und durch gemeinsame Koch- oder Lagerfeuerabende noch verbessert wird, ist die Arbeit an sechs Tagen von 9 bis 17 Uhr auf der Farm doch eine große Herausforderung: „Ich bemerke, wie meine Hände jeden Tag härter von der Arbeit werden.“ Blätter sammeln, Unkraut jäten, Pflanzen wässern, Samen auflesen und putzen gehören zu den Aufgaben der Freiwilligen. Wegen der prallen Sonne trägt Dana-Maria bei der Arbeit einen Schal über dem Kopf und ein Langarmshirt – trotz der 37 Grad.

Aber nicht nur die Hitze bei der Arbeit stellt eine große Herausforderung dar. „Nach einem Monat auf der Farm hat schon der Monsun angefangen. Es regnet jetzt jeden Tag – und das zwei Monate lang“, so Dana-Maria. „Trinkwasser müssen wir von einer Quelle bis zur Farm bringen, da der Wasserfilter den Schmutz, der durch den andauernden Regen aufgewühlt wird, nicht herausfiltern kann.“ Der Fluss, in dem sie sich bisher nach der Arbeit gewaschen hat, schwelle an und habe sich zu einer matschbraunen Brühe verfärbt.

Erfüllung in Yoga und Meditation

Zwei gebuchte Flüge zurück nach Deutschland habe sie bereits verpasst. „Nach den ersten zwei Monaten in Indien, die sehr anstrengend für mich waren, wollte ich nicht nach Hause zurückkehren und meiner Familie und meinen Freunden mitteilen, wie viele negative Seiten ich dort erlebt habe. Indien ist voller Verschmutzung, aber auch voller Farben. Es gibt Betrüger, aber auch Retter in der Not. Ich beschloss also, mir und Indien eine weitere Chance zu geben, um auch die positiven Seiten zu erfahren“, so Dana-Maria.

Ihre Erfüllung fand sie schließlich nicht nur in der Farm-Arbeit, sondern vor allem im Yoga und der Meditation: „Beides hatte ich nie zuvor praktiziert. In Indien wurden mir die Augen geöffnet.“

Rückkehr nach Deutschland noch ungewiss

Von der Farm erfahren hatte die junge Frau bei einer Recherche im Internet. „Mein Partner, den ich in Nepal kennengelernt habe, hat mit mir die Kontaktdaten recherchiert und E-Mails geschrieben. Nach der Bestätigung aus Dharamshala ging es auch schon los in den Norden“, so die 20-Jährige.

„Ich bin verliebt in dieses Land. Indien hat mir gezeigt, wie es ist, das Leben in allen Facetten zu fühlen, und wie es ist, kein Geld zu haben und ein einfacher Arbeiter zu sein“, schreibt die junge Frau. „Mein Traum ist es, in Indien zu bleiben, doch finanziell wird es schwierig“, sagt die 20-Jährige. „Auch meine Familie und Freunde fragen mehr und mehr, wann ich wiederkomme. Wenn ich nach Deutschland zurückkehre, möchte ich vor allem über Indien aufklären und die verschiedenen Yoga- und Meditationstechniken auch anderen eröffnen.“

Studienpläne hat die 20-Jährige nicht, was sie genau arbeiten möchte, weiß sie noch nicht. Ganz wichtig ist ihr jedoch, eine Arbeit zu finden, mit der sie etwas bewirken kann. Ob und wann genau Dana-Maria zurückkehrt, steht allerdings noch in den Sternen.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.