Wer kennt das nicht? Der Schrank ist randvoll. Doch nur ein Drittel der Jacken, Blusen, Hosen, T-Shirts und so weiter tragen wir regelmäßig. Und wie oft machen wir uns Gedanken darüber, woher unsere Kleidung überhaupt kommt und was für Stoffe wir tragen? So gut wie nie. Trotzdem steigen immer mehr junge Leute auf vegane Mode um – auch in Fulda.

 Ein Text von Sanja Winhold

„Gerade unter jungen Leuten spürt man ein Umdenken. Das sieht man daran, dass vegane Mode auf zahlreichen Blogs ein Thema ist. Aber auch Ältere kaufen bei mir ein: Meine älteste Kundin ist 80 Jahre alt“, erklärt Katja Ecker, die seit drei Jahren einen Laden für faire Mode in Fulda betreibt.

Es sei der ethische Grundgedanke gewesen, der die 46-Jährige dazu bewegt hat, vegane Mode zu verkaufen: „Die Idee kam mir, als ich von der Ausbeutung der Näherinnen und Näher gehört habe. Ich habe in meinen Schrank geschaut, wo alles randvoll war. Wenn man weiß, woher das alles kommt und unter welchen Umständen das produziert wird, ist das nicht schön.“

Welche Alternativen gibt’s?

Doch was unterscheidet die vegane Mode überhaupt von der herkömmlichen Kleidung? „Baumwolle ist zum Beispiel immer vegan“, sagt Ecker. Stoffe wie Leder, Wolle, Seide, Daunen, Kaschmir oder auch Alpaka seien dagegen tierische Materialien. „Unter vegane Stoffe fallen Hanf, recyceltes Polyester, Kapok oder auch Kork. Kapok beispielsweise wird aus einer Samenkapsel aus einem Baum gewonnen, der im Hochland beziehungsweise in ländlichen Gebieten wächst. Damit nimmt er keine Flächen für den Ackerbau weg.“

Kork werde anstelle von Leder sowie für die Patches von den Jeans gebraucht. Tencel oder Modal könnten als Stoffe für Shirts Gebrauch finden. Diese könnten aber auch als Holz bestehen. Das Holz werde durch ein Lösemittel getränkt, sodass sich die Zellulose löst und ein weicher, geschmeidiger Stoff entsteht. Das Lösemittel ist laut Ecker ungiftig. Eine Kombi aus Hanf und Baumwolle sei ebenso möglich, um ein stylisches Shirt zu kreieren. Hanf diene als Wollersatz.

Ein Schal bestehe in der veganen Modewelt aus einem Mix aus Baumwolle und Bambus.„Bambus ist ein pflanzlicher Stoff, der schnell wächst und wenig Wasser verbraucht. Dabei entstehen keine Rückstände – weder von Pestiziden oder Pflanzenschutzmittel noch von Dünger.“ Gürtel würden aus Papier hergestellt, das Leder ersetzt. Für Schuhe würden Kork und Bambus, für Flip Flops alte Autoreifen verwendet.

 „Der Nicht-Vegane kauft auch nicht nur tierische Mode”

Damit, einen Laden als vegan zu bezeichnen, müsse man laut Ecker vorsichtig sein. „Mode, die mit Baumwolle gearbeitet ist, ist ja auch vegan“, erklärt die Verkäuferin. Also besitzen wir alle einen Teil veganer Mode bereits im Schrank.

Das sagt auch Matthias Hebeler aus Schlüchtern, der in Fulda vegane Mode für Herren anbietet. Selbst jemand, der sich nicht bewusst vegan kleidet, besitze Baumwollpullover in seinem Schrank. „Der Nicht-Vegane geht nicht in einen Laden und sagt: Ich kaufe nur tierische Mode.”

Vegan gleich umweltfreundlich?

Vegan sei alles, was ohne tierische Produkte auskommt. Als Alternativstoff nennt Hebeler neben den bereits genannten Modal, einen seideähnlichen Stoff aus Buchenholz. Das Buchenholz werde gekocht. Dabei entstehe ein Faserbrei, der fein ausgesponnen wird.

Wie umweltfreundlich vegane Mode wirklich ist, lasse sich nicht sagen. „Bio bedeutet nicht immer fair.“ Nur ein öko-faires T-Shirt sei vegan und auch fair, erklärt der Verkäufer. Es sei beispielsweise strittig, wie umweltfreundlich es sein kann, Pullis aus Plastikflaschen zu produzieren, fügt Ecker an.

Und vollkommen ohne tierisches Material kann selbst vegane Mode nicht auskommen: „Eine Jeans aus Baumwolle und Leder ist nicht hundertprozentig vegan.“ Dennoch biete vegane Mode eine Menge Alternativen zur herkömmlichen Kleidung.

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