Unsere Kolumnistin Julia liebt ihre Birkenstocks so sehr, dass sie damit auch mal feiern geht. Dabei ist ihr aufgefallen: Sie ist nicht alleine. Es gibt sogar einen Trend hin zur Bequemlichkeit.

Ein Text von Julia Weber

Ich liege auf meinem Bett, Samstagabend, zehn Uhr. Vor zwei Stunden habe ich ein paar Freunde gefragt, ob wir heute Abend etwas unternehmen wollen. Keine Antwort. Eigentlich gar nicht schlimm, dann bleibe ich einfach liegen und schaue eine weitere Folge „Friends“. Das ist eh viel gemütlicher.

Plötzlich brummt mein Handy, ich krame es unter einem Berg Kissen hervor. Ein Freund fragt, ob ich mit in eine Bar komme und danach vielleicht noch ein bisschen tanzen gehen will. Schließlich lasse ich mich doch noch überreden und raffe mich auf.

Ich habe eine halbe Stunde, bis er mich abholt, knote meine Haare in einen Dutt zusammen und springe unter die Dusche. Danach schnappe ich meinen Jutebeutel, werfe Handy, Schlüssel und Schminktasche rein und schlüpfe ohne Nachzudenken in meine Birkenstock-Latschen.

Im Auto schminke ich mich noch schnell. Plötzlich bekomme ich Bedenken. Kann ich wirklich in Birkenstocks und mit Jutebeutel feiern gehen?

Wir erreichen die Bar. Ich bin erleichtert, als ich sehe, dass ein weiteres Mädel in den Sandalen unterwegs ist. Nur eine trägt Pumps. Vor nicht mal zehn Jahren waren High Heels oder zumindest Ballerinas beim Feiern gesetzt.

Geht der Trend zum Bequemen?

Die Mode-Journalistin Nina Piatscheck sagt in einem Zeit-Bericht: „Es gibt definitiv einen Trend zum Normalo-Look, Birkenstocks sind total in und Basics laufen ja auch immer gut”. Das Ganze nenne sich Normcore: weißes T-Shirt, Jeans, Jutebeutel über der Schulter und eben Birkenstocks oder Sneaker an den Füßen.

Der Trend hin zum Einfachen, Normalen und Bequemen habe etwas mit der guten Wirtschaftslage zu tun. Denn, wenn es den Menschen gut geht, „fahren sie das Pfauenhafte zurück“, erklärt Trendforscher Peter Wippermann.

Der Bequemlichkeitshype spiegelt sich auch in der breiten Masse wieder. Youtuber wie Zoella und Co. erzählen uns oft, dass sie eigentlich nicht mehr gerne feiern gehen, sondern lieber Netflix auf der Couch schauen. So ist es auch bei vielen anderen Jugendlichen.

Ich finde das super. In den Jutebeutel passt viel rein, er ist nicht schwer und passt zu allem. Genauso sieht es bei den Birkenstocks aus, man schlüpft in die Sandale, und los geht’s. Einfach, praktisch und bequem. Davon abgesehen fühle mich darin wohl, und ich denke, das ist beim Feiern gehen besonders wichtig.

Die Birkenstock-Sandale hat sich diesen Sommer zu meinem Alltagsschuh entwickelt, einfach, weil sie so gemütlich ist. Genau deswegen finde ich es auch völlig okay, mit Birkenstocks und Jutebeutel feiern zu gehen. Und wenn das irgendwann nicht mehr akzeptiert wird, dann schaue ich eben einfach bis tief in die Nacht Netflix.

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