Was den Reiz am Dschungelcamp ausmacht

Was den Reiz am Dschungelcamp ausmacht

[vc_column_text]So ein Rotz. Das zieh ich mir auf keinen Fall rein. Ihh, ist das eklig. Primitives Unterschichtenfernsehen, wie kann man sich das nur anschauen? Nach und nach kriechen die Kritiker wieder aus ihren Löchern, bringen sich in Stellung. Sie wollen auch den letzten davon überzeugen: Das Dschungelcamp ist Schrott! Das ist es übrigens nicht.

Deutschland ist gespalten – und das nicht nur in das NoGroko- und Groko-Lager. Was die einen mit Unterschichtenfernsehen abtun und angeekelt den Kopf schütteln, feiern die anderen. Heute startet die 12. Staffel von “Ich bin ein Star, holt mich hier raus”. Endlich! Ein Jahr mussten wir Fans warten, voller Vorfreude auf die bissig-bösen Kommentare von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Allein wegen Deutschlands wohl fiesesten Moderatorenduo lohnt sich das Einschalten. Denn die beiden bashen nicht nur ordentlich die Kandidaten. Sie präsentieren in der heute-Show-freien Zeit auch immer wieder aktuelle News mit einem Schuss Satire. Grandios!

Köstliche Ekelprüfungen

Für manche zu viel des Guten. Für Menschen mit tiefschwarzem Humor genau richtig. Wer nur Satire will, schaut Extra3. Das Dschungelcamp bietet aber so viel mehr. Nur da gibt es spannungsgeladene Ekelprüfungen. Mit Schleim vermischte Insekten, die über die Köpfe der Kandidaten geschüttet werden. Ein Dschungelmenü aus Kotzfrucht und Schafhirn. Während sich die Mitglieder der Promiresterampe durchbeißen müssen, sitzen wir mit Chips und Cola vor dem TV. Gebannt verfolgen wir das Schauspiel – fast so, wie wir einen Horrorfilm schauen. Trash vom Feinsten!

Kandidaten, die sich an die Gurgel gehen

Die größte Prüfung für die “Stars” ist aber nicht der Dschungel. Es sind die anderen Kandidaten. Streit, Intrigen, Lästereien, Lügen, Ausgrenzung. Nach und nach kommen menschliche Abgründe ans Licht. Das hat einen Hauch von “Game of Thrones” und ist nicht nur verdammt unterhaltsam. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ist das Dschungelcamp ein spannendes Sozial-Experiment. Bildungsfernsehen? Zumindest sind die meisten Zuschauer gebildet, haben Abi oder einen Uni-Abschluss. Also nichts mit Unterschicht.

Hole RTL aus der Mottenkiste

Ab heute hat Netflix deutschlandweit 16 Folgen lang Pause. RTL wandert in der Senderliste von der 300 auf die 1. Die Regale mit Knabberzeug im Supermarkt sind leer, genauso wie die Kneipen. Die Fernsehnation Deutschland schaut kollektiv das Dschungelcamp. Daran ändern auch die Kritiker nichts, die sich das TV-Spektakel insgeheim auch reinziehen, das wohl aber nie zugeben würden.[/vc_column_text]

Wieso Milena Faulstich an Gott und Kirche glaubt

Wieso Milena Faulstich an Gott und Kirche glaubt

[vc_column_text]Viele Jugendliche können mit der Kirche nichts anfangen. Wozu auch? Glauben können sie doch auch so. So sieht das auch Richard Fischer. Letzte Woche hat er bei move36 im Interview erklärt, warum er aus der Kirche ausgetreten ist. Für Milena Faulstich (19) aus Lütter (Eichenzell) geht das gar nicht. Für sie gehören Kirche und Glaube zusammen. Wieso?

“Ich verstehe, wenn Jugendliche sagen, Glaube an Gott ja, Kirche nein”, erklärt Milena. Die Institution Kirche sei oft enttäuschend, gerade mit Blick auf verschleierte Finanzen und Missbrauchsskandale. Für sie gehört beides aber untrennbar zusammen. Warum?

Wie du zum Glauben kommst

“Wie ist man denn zum Glauben gekommen? Als Kind hat einem das irgendjemand erklärt”, meint Milena. “Wir haben bei uns in Lütter ein sehr lebendiges Gemeindeleben, und ich komme aus einer katholischen Familie.” So hat sie zum Glauben gefunden. Christsein ist für sie eine Lebenseinstellung, Nächstenliebe eine super Sache.

Mit ihrem Glauben auseinandergesetzt hat sich die Lütterin aber erst mit der Firmung. Gerade in der Pubertät hat er ihr Halt gegeben. “Da gibt es Sachen, die man mit niemandem besprechen kann oder will. Einfach zu wissen, dass wenn alles kacke läuft, irgendwo noch jemand ist, finde ich gut.” Der Glaube sei etwas Schönes. “Auch wenn er von der Kirche ein bisschen schlecht verkauft wird.”

Kein Leben ohne Gott

Ein Leben ohne Glaube und ohne Gott: für Milena nicht vorstellbar. “Durch seinen Glauben verliert man ja auch nichts, im Gegenteil. Er ist ein Gewinn”, ist sie sich sicher. Die Einstellung scheinen viele Jugendliche allerdings nicht zu teilen. Besuch mal einen Gottesdienst. Viele Gleichaltrige wirst du dort nicht treffen.

“Das liegt daran, wie Kirche von Jugendlichen wahrgenommen wird. Es ist nicht so, dass man sagt, oh cool, du gehst in die Kirche”, erklärt Milena. Für ihr Engagement sei sie von vielen belächelt worden. “Das ist unter Jugendlichen nicht so angesehen.”

Dabei ist die Lütterin selbst niemand, der jeden Sonntag in die Kirche springt. “Darauf kommt es auch nicht an.” Oft gefalle ihr der Gottesdienst auch nicht. Da hat sie dann hinterher gesagt, “die Stunde hätte ich mir auch sparen können.”

“Was ist das denn für ein Verein?”

Ihrer Meinung nach müsse sich die katholische Kirche verändern, um Jugendliche anzusprechen. Vieles findet sie bei den Protestanten besser gelöst. “Das Zölibat finde ich ziemlich blöd. Ich würde nicht ohne Familie leben wollen. Genauso doof finde ich, dass Frauen nicht Priester werden dürfen.” Deutschland sei ein modernes Land, nur die Kirche bleibe stehen. “Das sehen auch Jugendliche und denken sich, was ist das denn für ein Verein.”

Mehr zum Thema “Jugend, Glaube und Kirche” liest du in der Titelstory der aktuellen Ausgabe von move36.[/vc_column_text]

Einer, der sich zum Kirchenaustritt durchgerungen hat

Einer, der sich zum Kirchenaustritt durchgerungen hat

[vc_column_text]Die Kirche hat ein dickes Problem. Immer weniger katholischen Jugendlichen ist der Glaube an Gott wichtig. Das hat Shell in seiner aktuellen Jugendstudie herausgefunden. Kein Wunder, dass die Mitgliederzahlen zurückgehen. Einer, der der Kirche den Rücken gekehrt hat, ist Richard Fischer, 28-jähriger Informatiker aus Haimbach und Protagonist aus der Titelstory der Dezember-/Januarausgabe von move36. Warum er sich zum Kirchenaustritt entschlossen hat.

Glaubst du?

Ja ich glaube, dass es eine höhere Macht gibt. Das liegt aber auch sicher daran, dass ich katholisch erzogen wurde. Dass wir hier auf der Erde sind und dann einfach am Ende des Lebens wie Laub verwelken, ist ein trauriger Gedanke. Ich glaube aber nicht an die Institution Kirche.

Was verbindest du mit der Kirche?

Mit der Kirche verbinde ich Tradition, sonst nichts. Ich musste die Kommunion und die Firmung machen. Das war fremdbestimmt. Die Firmung machen doch viele nur, weil sie wissen, dass sie viel Geld bekommen und um die Oma glücklich zu machen.

Welchen Stellenwert hatte die Kirche einmal in deinem Leben?

Bei der Kommunion war ich in einem Alter, in dem ich noch richtig geglaubt habe. Es gab ein großes Fest, man stand im Mittelpunkt. Das war schon schön. Als Kind hab ich auch gebetet. Wahr geworden ist keines der Gebete. Die Hausaufgaben waren trotzdem nicht erledigt.

Als die Großeltern noch gelebt haben, hatte Religion einen hohen Stellenwert. Meine Geschwister und ich sind dann mit der Oma in die Kirche gegangen, einfach um mit ihr was zu machen. Ich fand den Pfarrer auch immer sehr überzeugend, als ich jünger war. Mit der Firmung hat sich das dann geändert.

Ich war älter, habe angefangen, zu hinterfragen. Das hängt auch sicher mit der zunehmenden Bildung zusammen. Wenn ich heute eine Predigt höre, kommt mir das vor wie eine Farce. Die glauben zwar, was sie da erzählen, für mich klingt das aber immer nach einer schönen heilen Welt, die es nicht gibt.

Warum bist du ausgetreten?

Die Steuern waren der Hauptgrund. Das verstehen die meisten. Ich zweifle aber auch an der Institution der katholischen Kirche. Den Glauben, den ich habe, kann ich auch im Privaten leben, dafür brauche ich keine Kirche.

Trotzdem hat sich der Moment, in dem ich den Zettel für den Austritt unterschrieben habe, komisch angefühlt. Vielleicht, weil ich so einen Teil Kindheit hinter mir gelassen habe. Dabei bin ich voller Überzeugung ins Bürgerbüro gegangen.

Wie intensiv hast du dich mit dem Kirchenaustritt beschäftigt?

Ausgetreten bin ich schon vergangen Juni. Allerdings hatte ich das schon vor vier Jahren geplant. Da habe ich mich das erste Mal damit beschäftigt, wollte wissen, wie das funktioniert, wo ich mich hinwenden muss. Ich habe mir vorher sehr intensiv Gedanken darüber gemacht. Ich habe mich gefragt, wie wohl die Leute reagieren.

Ich komme aus Haimbach und habe den Eindruck, dass die Menschen dort sehr gläubig sind. Wenn man sich nur vor sich selbst rechtfertigen muss, ist das eine Sache. Aber sich vor der Gesellschaft zu rechtfertigen noch einmal eine andere. Das macht es eigentlich schwer.

Bist du glücklich mit dem Austritt?

Ich habe es nicht bereut und es fühlt sich mit der Zeit immer besser an.

Wie hat deine Familie reagiert?

Meine Mutter ist sehr gläubig, redet auch nie schlecht über die Kirche. Meinen Kirchenaustritt hat sie so hingenommen und gar nicht mal verteufelt, war aber etwas wehmütig. Aber für sie käme der Schritt nicht in Frage. Mein Bruder will jetzt auch austreten, meinte er.

Was kritisierst du an der Kirche?

Mich stört, dass sich die Kirche als das Gute der Welt präsentiert, aber ein Business-Unternehmen ist. Sie predigt Moral, handelt aber unmoralisch. Da muss man nur die Missbrauchsfälle sehen.

Was ist vielleicht gut an der Kirche?

Sie gibt Antworten, die man selbst nicht mehr suchen muss. Man gibt Verantwortung an die Kirche ab. Dennoch ist Kirche nicht mehr zeitgemäß, spiegelt die Gesellschaft nicht wieder. Vielleicht ist das auch ganz gut, gerade weil die Welt sich so schnell wandelt und damit viele Menschen überfordert. Als alter Mensch, der heute noch lebt, ist die Kirche vielleicht die einzige Konstante. Sie hat also ihre Existenzberechtigung.[/vc_column_text]

Sind Kirche und Staat in Deutschland wirklich getrennt?

Sind Kirche und Staat in Deutschland wirklich getrennt?

[vc_column_text]Kirche und Staat sind getrennt. Ach wirklich? Kirchenkritiker behaupten das Gegenteil. Immerhin bekommt die Kirche jährliche Zuwendungen vom Staat, auch die kirchlichen Kitas werden zum Großteil vom Steuerzahler – also von dir – finanziert. In der aktuellen Ausgabe von move36 gehen wir das Thema an. Wir wollten wissen: Wie steht die Jugend zum Glauben? Den evangelischen Bischof von Kurhessen Waldeck, Dr. Martin Hein, haben wir interviewt und mit den Vorwürfen der Kirchenkritiker konfrontiert. Das hat er geantwortet.[/vc_column_text][vc_row][vc_column width=”1/2″][vc_column_text]

Kirche wird zum einem Großteil aus dem allgemeinen Steuertopf finanziert. Wieso eigentlich? 

Leider ist die Frage schon falsch gestellt! Um es ganz klar zu sagen: Die Kirche wird nicht aus dem „allgemeinen Steuertopf“ finanziert, sondern zum größten Teil aus der Kirchensteuer. Die aber ist gar keine staatliche Steuer, sondern ein Mitgliedsbeitrag, den die Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts von ihren Mitgliedern einziehen darf. Der Staat ist damit lediglich beauftragt und wird für diese Dienstleistung bezahlt.

Eingeführt wurde dieses System im 19. Jahrhundert und 1919 nach der Abschaffung der Staatskirche von der Weimarer Republik übernommen. Dieses System garantiert eine hohe Beitragsgerechtigkeit, weil der Beitrag an das Einkommen gekoppelt ist. Damit ist die Kirchensteuer gerechter als zum Beispiel der Rundfunkbeitrag oder die Mehrwertsteuer!

Daneben gibt es noch die sogenannten „Staatsleistungen“, die nichts anderes sind als Ersatzleistungen des Staates für die Enteignung von Kirchenbesitz. Die kommen also auch nicht aus der Steuer. Das alles ist vertraglich genau geregelt. Im Grundgesetz steht, der Staat solle diese Leistungen ablösen, das heißt durch eine einmalige Zahlung abgelten. Das ist bisher nicht geschehen. Wir würden das als Kirchen begrüßen.

Es lohnt sich, auch wenn es auf den ersten Blick mühsam wirkt, zum Beispiel Wörter wie „Körperschaft öffentlichen Rechtes“ oder „Kirchensteuer“ einmal zu googlen, um sich zu informieren. Oft wird im Blick auf das Verhältnis von Staat und Kirche viel Unsinn erzählt. Pfarrer, Pfarrerinnen und Kirchenbeamte sind keine Staatsbeamten, und die evangelische Kirche ist keine Staatskirche.[/vc_column_text][vc_column width=”1/2″][vc_column_text css=”.vc_custom_1513846439791{border-top-width: 5px !important;border-right-width: 5px !important;border-bottom-width: 5px !important;border-left-width: 5px !important;padding-top: 5px !important;padding-right: 5px !important;padding-bottom: 5px !important;padding-left: 5px !important;background-color: #eded38 !important;border-left-color: #0a0101 !important;border-left-style: solid !important;border-right-color: #0a0101 !important;border-right-style: solid !important;border-top-color: #0a0101 !important;border-top-style: solid !important;border-bottom-color: #0a0101 !important;border-bottom-style: solid !important;border-radius: 2px !important;}”]

Die Finanzen der Kirche

Der Politologe und Kirchenkritiker Carsten Frerk schätzt das Vermögen der beiden großen Kirchen in Deutschland auf 435 Milliarden Euro – davon 220 Milliarden in Form von Immobilien. Tatsächlich sind die Kirchenfinanzen aber nicht so einfach zu durchschauen. Hättest du gewusst, dass die Kirchen neben der Kirchensteuer – ganze 11,6 Milliarden Euro 2016 – jede Menge Staatsleistungen bekommen?

Das Land Hessen hat im Haushalt 2017 mehr als 53 Millionen Euro an Zuwendungen für die Kirchen eingeplant. Das Geld können die Kirchen unter anderem für die Bezahlung der Geistlichen nutzen. Ein Pfarrer im Bistum Fulda bekommt beispielsweise ein Grundgehalt von rund 3000 Euro im Monat. Anders als in Hessen werden Geistliche in Bayern direkt vom Land bezahlt.

Neben den Zuwendungen kann Fuldas katholischer Bischof Heinz Josef Algermissen in diesem Jahr weitere 280.000 Euro einplanen. Mit dem Geld sollen die Fenster und die Kuppel des Doms instand gesetzt werden. Dann gibt‘s noch Geld für die kirchlichen Kindergärten. In Fulda werden 17 der 45 Kitas von Kirchen getragen.

Dafür macht die Stadt jährlich 4,8 Millionen Euro locker. Das entspricht 75 Prozent der Betriebskosten. Die restlichen 25 Prozent bezahlen die Kirchen aus eigener Tasche. Eine kirchliche Kita in Fulda ist nicht billiger oder teurer als eine städtische oder die eines anderen Trägers. Laut Johannes Heller, Pressesprecher der Stadt Fulda, unterscheiden sich die Betriebskosten nicht wesentlich.

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Wo ist denn da die Trennung von Kirche und Staat? Gibt es die überhaupt? 

In der Verfassung der Weimarer Republik von 1919 steht in Artikel 137: „Es besteht keine Staatskirche.“ Das hat das Grundgesetz in Artikel 140 übernommen. Das Verhältnis von Kirche und Staat ist darum, wie bei jeder anderen Institution, die mit dem Staat zusammenarbeitet, über Verträge geregelt. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Prinzip der sogenannten „Subsidiarität“, das eine der Säulen unserer demokratischen Gesellschaft ist.

Es meint: Der Staat soll so viele Aufgaben wie möglich in die Hände von Bürgern beziehungsweise von Einrichtungen legen. Also etwa das Betreiben von Kindergärten. Wir nehmen als Kirchen diesen Auftrag wahr – wie auch andere gesellschaftliche Organisationen, zum Beispiel die Arbeiterwohlfahrt. Der Staat vergütet uns diese Leistungen, weil wir einen Teil seiner Aufgaben übernehmen.

Im Detail ist das kompliziert, weil Gerechtigkeit immer kompliziert ist. Der Staat verhält sich dabei strikt neutral. Er bevorzugt keine Religionen oder andere Institutionen, sondern er fördert sie, wenn sie bestimmte rechtliche Voraussetzungen erfüllen. Wir sind in der Gestaltung dieser Aufträge völlig frei, solange wir nicht gegen geltendes Recht verstoßen. Also: Staat und Kirche sind getrennt, kooperieren aber auf Gebieten, die von öffentlichem Interesse sind.

Brauchen wir die Kirche heutzutage überhaupt noch? 

Immerhin sind rund 40 Millionen Menschen in Deutschland Mitglied einer Kirche! Wir beschäftigen allein in Kurhessen-Waldeck rund 11.000 Menschen, 25.000 arbeiten ehrenamtlich mit. Die Kirchen sind damit die bei weitem größte Nicht-Regierungsorganisationen in der Bundesrepublik und tief in der Gesellschaft verankert! Der Staat braucht die Kirchen nicht, aber er arbeitet mit ihnen zusammen.

Die Gesellschaft hat den Vorteil, dass die christliche Religion durch die Kirchen sichtbar wird und ein Teil der Zivilgesellschaft ist. Theologisch brauchen wir als Christen die Kirche, weil sie die Organisation der Gläubigen ist – und der Glaube ist nun einmal auf Gemeinschaft ausgerichtet. Kirche ist überall dort, wo das Evangelium verkündigt wird und die Sakramente, also Taufe und Abendmahl, gefeiert werden. Das muss organisiert werden: Gebäude werden unterhalten, Gehälter bezahlt, Interessen ausgeglichen. Darum brauchen wir „die Kirche“, in welcher Form auch immer.

Festhalten möchte ich aber: Die entscheidende Organisationsform der evangelischen Kirchen sind die Gemeinden. Alles, was über die Gemeinde hinausgeht, dient letztlich dazu, das Leben der Gemeinde zu ermöglichen. Eine einzelne Gemeinde wäre gar nicht in der Lage, sich komplett allein zu finanzieren, und die Einnahmen wären auch sehr ungerecht verteilt. Die Kirche ist also eine Solidargemeinschaft. Als solche wird sie „gebraucht“. Ob sie für alle Zeiten so organisiert werden muss, wie sie jetzt organisiert ist, ist eine andere Frage. Sie wird kleiner werden. Das muss aber noch nicht bedeuten, dass sie unwichtiger wird.

Nebenbei bemerkt ist die Hauptursache unseres Mitgliederschwundes nicht die Zahl der Kirchenaustritte, so schmerzhaft sie sind, sondern die Entwicklung der Alterspyramide. Es sterben mehr Menschen, als geboren werden.

Braucht es überhaupt einen Religionsunterricht oder sollte es nicht vielmehr ein Unterricht der Religionen sein? 

Der Religionsunterricht steht in unserer Verfassung, in Artikel 7 des Grundgesetzes. Er wird politisch gewollt, und so ist die Frage auch zuerst eine politische Frage. Zur Religion gehört aber auch Bildung. Die Idee des konfessionellen Unterrichtes in der Verantwortung der Religionsgemeinschaften lebt davon, dass die Schülerinnen und Schüler von Menschen unterrichtet werden, die selber religiös gebunden sind, so dass sie eine authentische Position erleben.

Grundsätzlich ist es verboten, in der Schule Werbung für eine Kirche zu betreiben! Daran müssen sich Religionslehrerinnen und -lehrer halten. Ich persönlich glaube nicht, dass eine reine Religionskunde so ergiebig sein kann wie ein Religionsunterricht, in dem ein religiöser Mensch mit dem einsteht, was er lehrt. Außerdem ist Religionskunde ohnehin ein wesentlicher Bestandteil des Religionsunterrichtes.

Paradoxerweise bekommen wir Kritik auch aus der anderen Richtung: Wir würden im christlichen Religionsunterricht viel zu viel über fremde Religionen lehren und zu wenig über das Christentum. Diese Stimmen gibt es. Was oft übersehen wird: Die eigentliche kirchliche „Lehre“ findet im Konfirmandenunterricht statt. Aber der kann nicht alles leisten und erreicht nur diejenigen, die sich dazu anmelden.

Dass religiöse Bildung heute von großer Bedeutung ist, muss man nicht eigens betonen. Eine moderne, freiheitliche und pluralistische Gesellschaft braucht religiöse Bildung. Dass ist ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden: Wenn Religionen von Extremisten missbraucht werden, hilft nur Bildung! Da sehe ich in den kommenden Jahren die wichtigste Aufgabe des Religionsunterrichts – gerade in der gemeinsamen Verantwortung von Staat und Kirchen.[/vc_column_text]

Prost Neujahr!

Prost Neujahr!

[vc_column_text]Die Redaktion der move36 wünscht dir

ein wunderschönes, erfolgreiches, feuchtfröhliches, musikgeladenes, glückliches, lustiges, interessantes

und ganz ganz tolles Jahr 2018.[/vc_column_text]

Wie Fuldas Muslime zu ihrem Glauben stehen

Wie Fuldas Muslime zu ihrem Glauben stehen

[vc_column_text]Gehst du noch regelmäßig in die Kirche? Oder sagst du: Religion brauch ich nicht? In der Titelstory der aktuellen Ausgabe von move36 gehen wir der Frage nach, wie die christliche Jugend zum Glaube steht. Aber was sagen eigentlich Fuldas Muslime? Was halten sie vom Islam und Religionsunterricht?[/vc_column_text][vc_column_text css=”.vc_custom_1513771066304{border-top-width: 5px !important;border-right-width: 5px !important;border-bottom-width: 5px !important;border-left-width: 5px !important;padding-top: 5px !important;padding-right: 5px !important;padding-bottom: 5px !important;padding-left: 5px !important;background-color: #ddb982 !important;border-left-color: #dd3333 !important;border-left-style: solid !important;border-right-color: #dd3333 !important;border-right-style: solid !important;border-top-color: #dd3333 !important;border-top-style: solid !important;border-bottom-color: #dd3333 !important;border-bottom-style: solid !important;}”]

Manahel Rafique, 20, Fulda, Student

Ich sehe mich als gläubig und bin Moslem. Ein bis drei Mal die Woche besuche ich die Moschee hier in Fulda. Meine Religion ist mir also wichtig. Ich glaube an den Koran und an Allah. Damals in der Schule hatte ich null Religion, sondern nur Ethikunterricht.

Ich muss sagen, dass ich in der Schule im Ethikunterricht meiner Meinung nach wenig gelernt habe. Ethik hat mir nie Spaß gemacht. Ich unterstütze eher den Religionsunterricht, in dem man nur über eine Religion etwas lernt.[/vc_column_text][vc_separator][vc_column_text css=”.vc_custom_1513771104754{border-top-width: 5px !important;border-right-width: 5px !important;border-bottom-width: 5px !important;border-left-width: 5px !important;padding-top: 5px !important;padding-right: 5px !important;padding-bottom: 5px !important;padding-left: 5px !important;background-color: #ddb982 !important;border-left-color: #dd3333 !important;border-left-style: solid !important;border-right-color: #dd3333 !important;border-right-style: solid !important;border-top-color: #dd3333 !important;border-top-style: solid !important;border-bottom-color: #dd3333 !important;border-bottom-style: solid !important;}”]

Zishan Ahmad, 22, Fulda, Student

Ich bin Moslem und glaube an den Islam. Meine Religion ist mir schon wichtig. In die Moschee gehe ich mindestens einmal pro Woche. In meiner Schulzeit hatte ich Ethikunterricht, aber leider keinen Islamunterricht. In Ethik haben wir oft viele Referate gehalten und wurden über verschiedene Religionen aufgeklärt.

Der Ethikunterricht hat den Spaß am Islam sogar gestärkt. Ich habe eigentlich nur positive Erfahrungen im Ethikunterricht gemacht.[/vc_column_text][vc_separator][vc_column_text css=”.vc_custom_1513771153121{border-top-width: 5px !important;border-right-width: 5px !important;border-bottom-width: 5px !important;border-left-width: 5px !important;padding-top: 5px !important;padding-right: 5px !important;padding-bottom: 5px !important;padding-left: 5px !important;background-color: #ddb982 !important;border-left-color: #dd3333 !important;border-left-style: solid !important;border-right-color: #dd3333 !important;border-right-style: solid !important;border-top-color: #dd3333 !important;border-top-style: solid !important;border-bottom-color: #dd3333 !important;border-bottom-style: solid !important;}”]

Yunus Kocyigit, 21, Fulda, Student

Ich glaube an den Islam, bin sogar sehr sehr gläubig, aber ich praktiziere den Glauben nicht in meinem Alltag, weil ich wenig Zeit finde, zum Beispiel in die Moschee zu gehen.

Den Ethikunterricht finde ich prinzipiell gut. Mir hat es Spaß gemacht, gesellschaftliche Themen auf dieser Welt zu erklären und in der Klasse zu besprechen. Allerdings muss ich sagen, dass ich es als Moslem schade und nicht gut finde, keinen Islamunterricht gehabt zu haben.

Der Unterricht für den Islam sollte gefördert werden. Jeder sollte gleich behandelt werden und es sollte Unterricht für jede Religion geben. Meine Schule war eine katholische, deshalb habe ich mich oft im Ethikunterricht ausgegrenzt gefühlt. Das war wie ein „Gefühl außerhalb der Gesellschaft“.[/vc_column_text][vc_separator][vc_column_text css=”.vc_custom_1513770754904{border-top-width: 5px !important;border-right-width: 5px !important;border-bottom-width: 5px !important;border-left-width: 5px !important;padding-top: 5px !important;padding-right: 5px !important;padding-bottom: 5px !important;padding-left: 5px !important;background-color: #ddb982 !important;border-left-color: #dd3333 !important;border-left-style: solid !important;border-right-color: #dd3333 !important;border-right-style: solid !important;border-top-color: #dd3333 !important;border-top-style: solid !important;border-bottom-color: #dd3333 !important;border-bottom-style: solid !important;}”]

Mazlum Ozalp, 21, Fulda, Student

Ich finde meinen Glauben sehr wichtig. Ich glaube an den Islam und an Allah. Ich gehe aber  nicht in die Moschee, sondern bete eher zu Hause. In der Hauptschule hatte ich immer nur paar Stunden Ethik. Ich fand den Ethikunterricht damals eher schlecht. Man konnte zwar ein bisschen in die verschiedenen Religionen reinschnuppern, aber ich unterstütze eher meine eigene Religion.

Ich wollte schon immer mehr über meine eigene Religion erfahren. Das hat mir gefehlt in meiner Schulzeit. Der Ethikunterricht hat den Spaß an meinem Glauben aber nicht kaputt gemacht. Ich würde sagen, Ethik hat meinen eigenen Glauben viel eher geweckt. Dadurch, dass wir einen groben Überblick über die unterschiedlichen Religionen bekommen haben, habe ich gemerkt, wie wichtig meine eigene Religion eigentlich wirklich ist.[/vc_column_text]