Kumulieren, Panaschieren, Listenkreuz – wir erklären euch, was diese Begriffe bedeuten und wie die Wahl am heutigen Sonntag abläuft. Dazu haben wir eine Mustergemeinde geschaffen, anhand derer alles verständlich wird.

Ein Text von Eike Zenner

Jeder Wähler kann bei der Kommunalwahl so viele Stimmen vergeben, wie das jeweilige Stadt-, Gemeinde- oder Kreisparlament Sitze hat. Dabei können bis zu drei Stimmen auf einen Kandidaten gehäufelt (Kumulieren) und die Stimmen auf Kandidaten verschiedener Listen verteilt werden (Panaschieren). Wer das nicht will oder wem das in der Wahlkabine zu lange dauert, der kann eine Liste als Ganzes wählen. Hierbei ist es möglich, einzelne Kandidaten zu streichen. Diese erhalten dann keine Stimmen.


Kumulieren, Panaschieren, Listenkreuz – das steckt hinter den Begriffen

In unserer Mustergemeinde treten drei Listen an, die A-Partei, die B-Partei und die Wählergruppe C. Insgesamt sind für die Gemeindevertretung 15 Sitze zu vergeben. Jeder Wähler hat folglich 15 Stimmen. Generell gilt: Je größer die Stadt oder der Landkreis ist, umso mehr Sitze sind zu vergeben. Eine Fünf-Prozent-Klausel wie bei der Bundestagswahl gibt es nicht. Auch Listen mit wenigen Stimmen können also einen Sitz erhalten.

Bis zu drei Stimmen für einen Bewerber – Kumulieren und Panaschieren




In jeder Gemeinde, die weniger als 3000 Einwohner hat, werden am Sonntag 15 Gemeindevertreter gewählt – so auch in unserem Beispiel. Für die A-Partei, Liste 1, bewerben sich 15 Politiker um Mandate. Für die B-Partei, Liste 2, treten elf Kandidaten an, für die Wählergruppe C, Liste 3, sind es gerade vier. Pro Liste werden maximal 15 Bewerber auf dem Stimmzettel abgedruckt, weil 15 Sitze zu vergeben sind. Hat eine Partei oder Wählergruppe weniger als 15 Bewerber nominiert – in unserem Beispiel ist dies bei der B-Partei und der Wählergruppe C der Fall – dann stehen entsprechend weniger Namen auf dem Stimmzettel. Ihr könnt unter allen Kandidaten diejenigen auswählen, die ihr bevorzugt, und dabei einzelnen Bewerbern auch zwei oder drei Stimmen geben (Kumulieren). Auf dem Stimmzettel sind dafür hinter jedem Namen drei Ankreuzmöglichkeiten vorgesehen. In unserem Beispiel erhalten Vertreter der A-Partei neun Stimmen, Vertreter der B-Partei vier Stimmen und Vertreter der Wählergruppe C zwei Stimmen. Wenn ihr mehr Stimmen verteilt, als Sitze zu vergeben sind, ist der Stimmzettel zur Gänze ungültig.

Listenwahl – ein Kreuz, 15 Stimmen


Ihr könnt einzelne Personen wählen, müsst das aber nicht tun. Viele Wähler geben einer Liste als Ganzes ihre Stimmen, sie setzen also ein Listenkreuz und markieren dafür einfach den Kreis in der Kopfleiste. In unserem Beispiel erhält die B-Partei alle 15 zu vergebenden Stimmen. Bei der Auszählung werden die Stimmen von oben nach unten auf alle Kandidaten verteilt. Übersteigt die Stimmenzahl die der Kandidaten – bei der B-Partei ist das der Fall – wird dies so lange wiederholt, bis alle Stimmen vergeben sind (siehe gelbe Markierung). Dabei darf ein Bewerber aber höchstens drei Stimmen bekommen. In unserem Beispiel gehen je zwei Stimmen an Barbara Fischer, Karl Kunze, Angelika Faul und Paula Schmitz. Die übrigen Kandidaten der B-Partei erhalten je eine Stimme. Setzt ihr Wähler das Listenkreuz bei der A-Partei, dann entfällt auf jeden der 15 Kandidaten eine Stimme. Kreuzt er die Liste 3 an, dann bekommt jeder der vier Bewerber je drei Stimmen (also 12), die übrigen drei (also die Stimmen 13, 14 und 15) verfallen. Wichtig zu wissen: Wenn ihr mehr als ein Listenkreuz setzt, dann ist euer Stimmzettel ungültig.

Einzelstimmen, Liste und Streichungen – Kombination der Varianten


Ihr könnt – wie ganz oben erwähnt – einzelne Kandidaten wählen, ihr könnt – wie oben erwähnt – einer Liste eure Stimmen geben, ihr könnt die verschiedenen Möglichkeiten aber auch kombinieren. In unserem Beispiel werden bis zu drei Einzelstimmen an Bewerber aus unterschiedlichen Listen vergeben, und es wird gleichzeitig eine Liste angekreuzt. Hier bekommen Dieter Kunze (A, drei Stimmen), Vlaude Louisse (A, zwei), Ellen Müller (A, drei), Karl Kunze (B, eine), Gerhard Leven (B, eine) und Margret Pütz (C, eine) Einzelstimmen – insgesamt elf an der Zahl. Weil unser Musterwähler zugleich die Liste 1 angekreuzt hat, werden die verbleibenden vier Stimmen von oben nach unten an die Bewerber der A-Partei verteilt. Da Brigitte Wölfel und Peter Lorenz vom Wähler gestrichen wurden, bekommen sie keine Stimmen. Diese gehen stattdessen an Vlaude Louisse, Karl-Heinz Klein, Fabio Algari und Rolf Neu (je eine). Nicht zulässig ist es, Personen einer Liste zu streichen, die ihr gar nicht wählt.

Und? Kapiert? Falls nicht, könnt ihr euch dieses tolle Video von hessenschau.de anschauen:

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