Wer am Samstagabend an der Esperantohalle in Fulda vorbeigelaufen oder -gefahren ist, der hat sich bestimmt über die vielen, vielen, zumeist schwarz gewandeten Menschen gewundert, die brav Schlange standen und Einlass begehrten. Grund war das Heimspiel von Tobias Sammet mit seinem Metal-Projekt Avantasia. 

Die Angaben über die Zuschauerzahlen schwanken zwischen 3600 und 3800; gar von 4000 Fans, die bei dem restlos ausverkauften Konzert mitgefeiert haben, war zu lesen. Welche Zahl nun auch stimmen mag – es war voll, laut und lustig.

“Wir spielen drei Stunden”, verkündet Frontmann Tobias Sammet zu Beginn, und tausende Kehlen bekunden lautstark ihre Begeisterung, mit Plastikbierbechern wird Richtung Bühne geprostet, die optisch stark an einen Friedhof erinnert: Steinmauern aus Pappe, Eisengitter und das für Avantasia typische Skelett in Totengräber-Montur.


Das Leben feiern

Doch es wird nicht etwa der Tod, sondern das Leben gefeiert. Sammet zeigt sich blendender Laune und verspricht: “Wir spielen neuen Scheiß, alten Scheiß und mittelalten Scheiß!” Die Gitarristen Sascha Paeth und Oliver Hartmann, Schlagzeuger und Edguy-Kollege Felix Bohnke, Keyboarder Michael Rodenberg, die Backgroundsänger Amanda Somerville und Herbie Langhans sowie Bassist André Neygenfind rollen für Sammet und seine Gäste einen brachialen Klangteppich aus und machen schon mit dem Opener “Mystery Of A Blood Red Rose” keine Gefangenen.


Alles erlaubt, jeder darf mitmachen
 

Selbst das weiß behemdete Thekenpersonal lauscht und wippt andächtig zu der Nummer, mit der Sammet um ein Haar zum ESC gefahren wäre. Gäste an diesem Abend sind Michael Kiske (Helloween), Jorn Lande (Masterplan), Ronnie Atkins (Pretty Maids), Eric Martin (Mr. Big) und der großartige Bob Catley (Magnum), der in quietschblauem Jackett und mit rosa Sonnenbrille fast so aussieht, als könnte er bei den Amigos mitmachen. Doch wie das beim Metal nun mal so ist: Hier ist alles erlaubt, und jeder darf mitmachen.

Ein Blick ins Publikum zeigt: Ja, auch die Vokuhila-Frisur ist bei Männern immer noch angesagt. “Lucifer”, “Ghostlights”, “The Great Mystery”, “Let the Storm Descend Upon You”, “The Scarcrow” oder das bombastische “Farewell” werden in rasantem Tempo abgefeuert, nach über zwei Stunden schaut Tobi mal schnell auf die Uhr und befindet, dass es noch lange nicht Zeit zum Aufhören ist. Zwischendurch veräppelt er seinen Gitarristen, plaudert mit seinen Gästen und verrät, dass Norweger Jorn Lande im Tourbus gerne mal in betrunkenem Zustand heimische Volkslieder singt.


“3000 of my closest friends”

Apropos Heimat: “So this is your hometown?”, fragt Lande Sammet interessiert. “Oh yes, 3000 of my closest friends”, antwortet der grinsend und erntet von seinen Freunden ohrenbetäubenden Jubel. Nach dreieinhalb Stunden endet mit dem finalen “Sign of the Cross/The Seven Angels” ein beeindruckendes Konzert, das allein durch das fragwürdige Verhalten der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes (gemeint sind hiermit keinesfalls die freundlichen Jungs an den Türen zur Halle) getrübt wurde. Wer nicht wegen Nichtigkeiten angeschnauzt werden will, hatte zumindest mit diesen Herren keinen Spaß. Vielleicht sollte in Zukunft das Motto heißen: Mehr Empathie, weniger Muckis.

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