Ich selbst bin kein Zocker, war ich noch nie. Und raus gehe ich auch ohne die entsprechende App auf dem Smartphone – daher bin ich auch nicht mit dem Pokémon Go Hype infiziert. Aber die Geschichten, die dieses Game dieser Tage so in die Welt setzt, sind einfach einzigartig – von witzig und kurios über leichtsinnig und krass bis hin zu total bekloppt.

Fangen wir mit dem letztgenannten Beispiel an: In Niedersachsen pirschten drei Pokémon-Fänger in der Lüneburger Heide gerade auf einem Truppenübungsplatz rum, während hier mit scharfer Munition geschossen wurde. Der Wachdienst bugsierte das Trio umgehend vom Gelände. In Bosnien-Herzegowina wagten sich Anfang der Woche einige Jäger in gefährliche Gebiete mit Landminen – Überbleibsel des Jugoslawienkrieges in den 90er Jahren. Wohlgemerkt: Diese Gebiete sind weitestgehend gekennzeichnet. Diese Wagnisse sind nicht mehr leichtsinnig, sondern einfach nur bescheuert.

“Nur” leichtsinnig waren da die drei Jugendlichen in Frankfurt, die in der Nacht zum Dienstag auf ein zehn Meter hohes Dach stiegen, um die virtuellen Tierchen zu fangen. Es folgte eine sehr reale Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs. Einige verirrten sich gar in dunklen Gängen eines gesperrten S-Bahn-Tunnels, woraufhin der RMV twitterte:

Kann uns in Fulda alles nicht passieren? Falsch gedacht: Hier entbrannte am Montagabend ein regelrechter Zickenkrieg an einer Ampel. Eine 18-Jährige lief langsam, mit Blick aufs Handy über die Straße, einer 23-jährigen Autofahrerin offenbar zu langsam, die sie daraufhin anpflaumte. Aus einem verbalen Streit wurde eine handfeste Rauferei, zu der die 18-Jährige auch noch Unterstützung beorderte. Aber: Ob sie Pokémon Go beim Überqueren der Straße spielte, wisse die Polizei nicht. Wundern würde es wohl niemanden mehr.

Anwohner bedroht Jugendliche mit Waffe

Zu Polizeieinsätzen kam es auch in Bad Nauheim: Am Freitagabend vergangener Woche sorgten circa 20 bis 30 Hunter für einen Einsatz unserer Freunde und Helfer. Wie das? Ein Bürger alarmierte die Polizei, weil er dachte, die Gruppe sei bewaffnet. Die Waffen stellten sich als Smartphones heraus. Solche Meldungen seien in den letzten Tagen keine Seltenheit, gab die zuständige Polizei Wetterau-Friedberg an.

In Homberg bedrohte ein Anwohner am Brunnen des Rathauses drei Jugendlichen aus dem Fenster des erstens Stocks seiner Wohnung mit einem Revolver, weil sie ihm zu laut gewesen seien. Der Mann war alkoholisiert und ist Sportschütze, stellt die Polizei fest.

Aber nicht nur Pokémons entdecken die begeisterten Gamer auf der Jagd: In Schwaben stieß ein junger Mann in einer Grünanlage auf ein betrunkenes Pärchen, das gerade Sex hatte – beirren ließen sie sich nicht von dem Freiluft-Gamer.

Und so manch einer gibt für diesen Hype alles auf: Der junge Neuseeländer Tom Currie hat seinen Job gekündigt, um auf einer zweimonatige Reise durch seine Heimat Pokémons zu fangen. Arbeit ist eben nicht alles im Leben. Er hätte nach sechs Jahren im Beruf sowieso mal eine Auszeit und ein Abenteuer gebraucht, sagt er. Na dann.

Auch die verschiedensten Vereine oder Einrichtungen reagieren mittlerweile auf den Hype, so wurde beispielsweise die Zentral- und Landesbibliothek Berlin kurzerhand zum Pokéstop erklärt:

Oder der Fußballverein Wolfsberger AC, der das Poké-Fieber ironisch aufgreift:

Natürlich bleiben auch die viel geäußerten Sicherheitsbedenken im Verkehr nicht vom Internet verschont. Diesen Stimmen antwortet ein Twitternutzer ironisch, sie sollten erst mal abwarten, bis Mario Kart Go rauskommt:

Derweil hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen heute das Entwicklerunternehmen und Start-up von Google Niantic abgemahnt, weil 15 Klauseln aus den Nutzungsbedingungen von Pokemon Go gegen deutsche Gesetze verstoßen

Das ist natürlich nur eine Auswahl kurioser Pokémon Go-Fälle aus den vergangenen Tagen; das Netz ist voll davon und wird sich weiter füllen. Heute geht die Japan-Version online – mal schauen, was bei den technikbegeisterten Asiaten so alles abgeht. In diesem Sinne: Augen auf beim Pokémon … – äh, auf der Straße natürlich!

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