Fotos: Tabea Grün

Über 30000 Abrufe, fast 700-mal geteilt – Der erste Song von Tabea Grün geht auf Facebook derzeit richtig ab und kommt Mitte März als Single in die Läden. Mit ihrem Debüt möchte die 27-jährige Fuldaerin nicht nur beweisen, dass sie gesanglich echt was drauf hat, sie möchte auch ein Zeichen setzen. Uns erzählt Tabea, woher die Idee zu „Anders“ kam, wie der Videodreh verlief und was ihre weiteren Pläne sind.

Wie bist du auf das Thema von „Anders“ gekommen?

Den Song habe ich geschrieben, weil es mir sehr, sehr wichtig ist, sich treu zu bleiben, an seine Träume zu glauben, und über Leute zu schreiben, die sich von der Norm abheben, deswegen oft auch ausgegrenzt werden. Menschen mit Handicap, die in der Gesellschaft nicht richtig anerkannt werden, aber auch die Themen andere Hautfarbe, Religion, Sexualität – alles, was uns unterscheidet. Aber ich denke, auch Menschen, die eher der Norm entsprechen, wurden irgendwann schon mal ausgegrenzt. Ich glaube, jeder kann sich damit identifizieren. Das lag mir sehr am Herzen. Ich bin sehr sozial aufgewachsen, was auch dazu führte, dass ich dieses Lied als erstes rausbringen wollte. Und ich hatte von Anfang an die Idee, so viele unterschiedliche Menschen wie möglich im Video zu zeigen.

Wie hast du die vielen Menschen für das Video gefunden?

Zuerst haben wir natürlich überlegt, wen wir im Freundeskreis ansprechen könnten und haben ein wenig herumgefragt. Wir wollten kein Casting machen. Aber wir haben auch teilweise Leute angesprochen, direkt auf der Straße. Marvin zum Beispiel arbeitet in Hünfeld, und mein Freund Peter hat ihn einfach angesprochen.

Über das Antoniusnetzwerk Mensch kamen wir dann mit den Heimbewohnern in Kontakt, die auch sofort begeistert dabei waren. Die Leute, die am Drehtag dann dabei waren, waren unglaublich. Sie haben mich so toll unterstützt, haben sich engagiert, hatten Geduld und unendlich viel Spaß. Wir haben auch nichts weiter vorgegeben, außer: Wir wollen gemeinsam Spaß haben. Einige kamen zu mir und sagten: Ich kann doch gar nicht tanzen. Aber das mussten sie auch nicht. Jeder hat gemacht, worauf er gerade Lust hatte. Es sollte authentisch sein.

Gerade im Musik- und Musicalbusiness kommt es auf Glamour und Beauty an, das Schöne und Tolle zählt. Da ist es mutig, mit einem solchen Song zu starten. Hast du erwartet, dass du so positives Feedback bekommst?

Zweifel hat man immer. Aber ich liebe es auch, zu provozieren. Ich finde, man muss keine heile Welt verkörpern. Ich komme aus einem Business, das viele Ecken und Kanten hat. Aber der Konkurrenzkampf ist in vielen Berufen heutzutage so, wenn man sich nicht anpasst, wird man ausgegrenzt. Ich denke, ich spreche Dinge aus, die viele denken, sich aber nicht trauen, sie auszusprechen. Und ich bekomme mega Zuspruch. Eine Geschichte hat mich dabei gerade besonders berührt.

Erzähl uns davon.

Eine Dame aus dem Stuttgarter Raum hat mich jetzt direkt vor dem Interview angerufen und erzählt, ihre Tochter kennt das Lied inzwischen in- und auswendig. Die Kleine ist neun Jahre alt, hat Epilepsie und wurde deshalb schon oft ausgegrenzt. Sie wollte unbedingt mit mir telefonieren, was wir dann gemacht haben. Sie hat mir mein Lied vorgesungen, was mich zu Tränen gerührt hat.

Seit du fünf Jahre bist, stehst du auf Bühnen und singst, hast in mehreren Musicals performt. Bist du in dem Business selbst mal angeeckt?

Auf jeden Fall. Der Konkurrenzkampf ist sehr groß und es werden auch Ellenbogen eingesetzt. Das war der Grund, warum ich gern solistisch arbeiten wollte, ich wollte das alles nicht mehr. Ich möchte einfach innere Werte vermitteln, von der oberflächlichen Seite weggehen. Das haben wir genug auf der Welt.

Hattest du irgendwann mal einen Plan-B für deine Zukunft?

Ich wollte immer Sängerin werden, obwohl mir immer gesagt wurde, dass ich was Vernünftiges lernen soll. Im Grunde stimmt es ja, jedes kleine Mädchen möchte Ballerina oder Sängerin werden. Aber bei mir war das immer klar. Ich wusste, was ich dafür tun werde und muss. Das Wichtigste ist, dass man dran bleibt.

Wie sieht der Rest der Platte aus? Worauf dürfen wir uns freuen?

Das Album ist in Arbeit und ist als Demo fertig. Bald kommt der Song “Spiegelbild” raus, den wir auch wieder über meinen Facebook- und YouTube-Kanal veröffentlichen. Dabei geht es darum, nicht gut zu finden, wie man ist – mit dem Aussehen nicht zufrieden zu sein, Esstörungen zu entwickeln. Ich habe über Depressionen und einige andere tiefsinnige Themen geschrieben. Aber es kommen auch ein paar flotte, sommerliche Nummern. Es ist ein sehr souliges RnB-Album. Wir gehen nächste Woche wieder ins Studio, ich denke, Mitte oder Ende des Jahres wird es erscheinen.

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