Der Wein steht kalt, das Diner ist durchdacht, die Kerzen tauchen das gemütliche Zimmer in warmes, sanftes Licht. Und dezente Musik füllt die Playlist. Eigentlichen kann nichts mehr schiefgehen beim dritten Date mit der neuen Flamme. Ah, Stopp! Kondome!

Schnell zisch ich noch mal los, um welche zu besorgen. Aber wo, frage ich mich, als ich schon unterwegs bin? Apotheke oder Drogerie? Schon geschlossen. Tanke? Mh, zu weit weg. Nur der Supermarkt um die Ecke kommt infrage. Was, wenn mich da jemand Bekanntes sieht und irgend eine peinliche Bemerkung an der Kasse loslässt?

Verlegen stapfe ich durch die Gänge. Auch das noch: An der Kasse eine lange Schlange, hauptsächliche Jugendliche. Es ist Freitagabend. Bier, Schnaps, Kippen, Tiefkühlpizzen und Chips liegen auf dem Band. Auf meine Füße stierend, vor und zurück wippend warte ich – einige stehen noch vor mir, die Kondome noch nicht in Reichweite.

Woher diese Verlegenheit?

Aber warum diese Peinlichkeit? Ich bin doch keine 14 mehr. Ist Sex nicht das Natürlichste auf der Welt? Einer Umfrage in Auftrag des Verbandes der Privaten Krankenversicherung zufolge ist es fast jedem Zweiten (42 Prozent) zwischen 18 und 24 Jahren peinlich, Kondome im Supermarkt zu kaufen – egal ob Mann oder Frau. Sie tun sich dabei gleich schwer.

Seltsam, dass das im aufgeklärten und offenen 21. Jahrhundert immer noch so ist, wo die Medien voll von Sex oder zumindest sexuellen Anspielungen sind. Seit den 80er Jahren wirbt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung intensiv für Kondome – das müsste doch mittlerweile bei allen angekommen sein. Klar, Sex ist der Inbegriff für Vertrautheit, Privatsphäre und Intimität schlechthin. Aber man treibt es ja nicht im Supermarkt. Woher also diese kindliche Verlegenheit?

Who the fucking cares?

Ein Überbleibsel der Pubertät? Oder geben wir einfach zu viel darauf, was andere von uns denken? Angst vor den Urteilen wildfremder Menschen? Aber was sollten sie schon Verwerfliches denken? Sie tun es doch auch. Oder sind die schiefen Blicke purer Neid?

Gleichzeitig hat knapp die Hälfte der Befragten Angst, sich beim Sex mit einem neuen Partner eine Geschlechtskrankheit einzufangen. Immerhin: Die Sensibilität dafür ist da, aber alle Angst hilft nichts, wenn man aus lauter Verlegenheit auf den Kauf und damit den Schutz verzichtet. Und Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Chlamydien oder Gonorrhö sind wieder auf dem Vormarsch, wie ihr im aktuellen move36-Magazin oder in der App unter on.move36.de/7e90 nachlesen könnt. Diese Krankheiten sind nicht zu unterschätzen und heimtückisch, weil man oft gar keine Beschwerden hat und sie unbehandelt zu mühsamen, chronischen Infektionen führen können.

Nein, Danke! Entschlossen schreite ich Richtung Kasse, schnappe mir ein Päckchen Kondome und denke mir: „Who the fucking cares?“ Jeder hat Sex! Der Abend kann kommen.

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