Der Terror kommt nach Frankfurt: In seinem neuen Buch „Todesgrüße nach Frankfurt“ skizziert der Fuldaer Helmut Flender einen Terroranschlag im Herzen Deutschlands. Der Lehrer an einer Gesamtschule in Neuhof schreibt schon seit seiner Jugend, hat zahlreiche Werke als Self-Publisher veröffentlicht und lässt sein neuestes Buch jetzt das erste Mal professionell verlegen.

Ein Text von Markus Weißmüller

„Es ging deutlich näher an mich heran, als ich erwartete, denn der Attentäter in meinem Buch ist Fiktion, doch das war real. Ich denke, ich wäre schneller in den Alltag zurückgekehrt, wenn ich nicht darüber geschrieben hätte, so aber brauchte ich erst einmal eine Pause“, sagt Helmut Flender aus Welkers, möchte tatsächlich geschehene terroristische Anschläge oder die aktuelle politische Lage aber gar nicht so sehr in sein Werk hereinlassen. „Mein Buch soll immer noch Unterhaltung bleiben und nicht permanent mit erhobenem Zeigefinger gelesen werden.”

Der 46-Jährige hat am 22. Februar zwar nicht seinen Debütroman, aber den ersten im Krimibereich veröffentlicht. Er heißt „Todesgrüße nach Frankfurt“. Flender ist mit der Bezeichnung Krimi allerdings nicht ganz konform. „Ich würde es eher als Genremix bezeichnen, denn es sind viele unterschiedliche Themen angeschnitten wie Mobbing, Beziehungen und auch ein wenig Geschichte“, erzählt er.

 Investigative Journalistin als Hauptfigur

Das Buch beschreibt das Horrorszenario eines Anschlags: Nichtsahnend, dass sie im Visier eines Attentäters sind, sitzen die Schüler in einem Reisebus auf der A5 nach Südfrankreich. Erschreckenderweise findet die Klassenfahrt ein frühes Ende, wobei die Polizei, allen voran Jens Kleist als leitender Ermittler, noch nicht weiß, dass es sich um eine Mordserie handeln wird. Doch Protagonistin und Journalistin Eva Maler, die durch Zufall Augenzeugin des vermeintlichen Busunglücks wird, versteift sich nicht auf die These des islamistischen Motivs und beginnt im nahen Umfeld der Angehörigen nachzuforschen – mit besorgniserregenden Resultaten. Dabei war die Journalistin „in dem Buch anfangs gar nicht vorgesehen“, erklärt der 46-Jährige. „Aber meinem Verleger bei Mainbook hat diese Figur in meinem Thriller „Die Oberfläche“ – meiner ersten Geschichte mit der Journalistin – so gut gefallen, dass ich sie noch mit reingebracht habe.“

Dazu war es zwar nötig, „Todesgrüße nach Frankfurt“ umzustrukturieren. Für Flender war das aber kein Problem, wie er sagt, denn ihm habe der Vorschlag gefallen. Klar, am Anfang sei es nie einfach, mit Kritik umzugehen, und auch das Selbstvertrauen müsse natürlich erst wachsen. Doch dafür fing Flender schon früh an Texte zu schreiben und hat schon so einiges an schriftstellerischer Erfahrung.

Während er mit 19 Jahren sein erstes Theaterstück verfasste, studierte er zunächst Mathematik und Physik in Bonn. „Da ich Chemie-Leistungskurs hatte, lagen die naturwissenschaftlichen Fächer als Studium nahe. Wobei Deutsch und Sprachen mir mehr und mehr Spaß machten.“ Aus diesem Grund wechselte er nach einem Semester nach Marburg und studierte Chemie und Literaturwissenschaften. „Mit 24 oder 25 Jahren schrieb ich dann mein erstes 400 Seiten starkes Buch, das ich jedoch wegen zu vieler autobiographischer Parallelen immer noch auf meiner Festplatte liegen habe – lesen tue ich es aber trotzdem immer wieder gerne.”


Der ewige Student


Nach dem Abschluss in Marburg wartete Flender zunächst vergeblich auf einen Referendariatsplatz. „Ich studierte in der Wartezeit also einfach weiter“, erzählt er. Am Ende hatte er sage und schreibe 21 Semester studiert: Mathe und Physik, Chemie, Literaturwissenschaften, Informationstechnik, Volkswirtschaftslehre und gegen Ende sogar noch Portugiesisch. „Auch während des Referendariats besuchte ich noch Seminare an der Universität.“

Das hat Flender in Offenbach absolviert. Und dort hörte er auch von einem Lehr-Programm, das es ihm ermöglichte, als Lehrer an einer Privatschule in Rio de Janeiro zu unterrichten. Er nahm an. Dadurch litt aber seine Schaffenskraft. „Für das Schreiben hatte ich damals leider keine Zeit mehr.“ Nach drei Jahren kam er jedoch wegen seiner Frau, die als Grundschullehrerin in Deutschland unterrichten wollte, wieder zurück in die Heimat und setzte somit auch seine Schriftstellerkarriere fort.

“In der Mitte meines Lebens”

Und irgendwann kam dann der Tag, an dem er bereits einen so großen Teil seiner Zeit in das Schreiben investiert hatte, dass er nicht mehr nur für sich schreiben und die Manuskripte auf der Festplatte verstauben lassen wollte. „Man scheint irgendwie darauf zu warten, dass man auf der Straße angesprochen und gefragt wird: Hast du da nicht noch was auf deiner Festplatte, was du veröffentlichen wolltest?“, erinnert sich der Vater von zwei Kindern. „Und ich stehe schließlich in der Mitte meines Lebens“, da müsse er jetzt oder nie aktiv werden. Und so begann Flender 2014, seine bis dahin überwiegend Science-Fiction-lastigen Bücher unter dem Pseudonym „Max Mann“ zu veröffentlichen. „Gewählt habe ich den Namen als eine Hommage an Max Frisch und Thomas Mann. Nebenbei kann man den Namen auch in Brasilien gut aussprechen.“ Insgesamt 13 Bücher hat der Lehrer mittlerweile veröffentlicht.


“Das ganze Leben ist eine Improvisation”


Doch woher nimmt man überhaupt die Zeit für ein ganzes Buch? „Ich nehme an allen Stellen etwas weg – beim Sport, der Familie, der Schule – und bis jetzt ist keiner zu kurz gekommen“, versichert der Lehrer, der nebenbei auch noch das Studium „Deutsch als Zweitsprache“ (DAZ) macht, um Flüchtlingen die Integration zu erleichtern. „Ich suche immer die Herausforderung und kann Stagnation absolut nicht abhaben.“ Natürlich müsse man da an der einen oder anderen Stelle improvisieren, doch schließlich bestünde das ganze Leben aus Improvisation. Das ist verständlich bei seiner Arbeit, die aus dem Lehren von Flüchtlingen, Grundschülern und Schülern der Gesamtschule in Neuhof besteht. Doch er finde immer noch genügend Schlupflöcher, um Zeit für das Schreiben abzuzwacken. „Durch das Schreiben auf meinem handlichen iPad kann ich überall ein paar Zeilen tippen, um mein festgesetztes Tagespensum von 1000 bis 1500 Wörtern zu schaffen.“

Sein aktuelles Werk ist jetzt also „Todesgrüße nach Frankfurt“: Anfang 2015 schrieb Flender innerhalb von nur sechs bis acht Wochen seinen Krimiroman nieder. Ein langes Dahinsiechen sei für ihn keine Lösung, das sei wie beim Sprechen – wenn jemand zu langsam oder schnell spreche, kann man nicht mehr folgen und verliere den Faden, findet er.

Fortsetzung folgt …


Und so lässt sein nächstes Buch wahrscheinlich auch nicht mehr lange auf sich warten, es ist „schon zu einem Sechstel fertig“, sagt der 46-Jährige. Die Ideen scheinen ihm dabei nicht auszugehen: „Es behandelt ein ganz anderes Thema, es geht um Dopingvorfälle, doch die Figuren aus ‚Todesgrüße nach Frankfurt‘ sollen soweit alle erhalten bleiben“, verrät er. Denn nicht nur Eva Maler, seine hartnäckige Journalistin, sei ihm mittlerweile sehr ans Herz gewachsen.

Was seine Zukunft betrifft, hält er an seinem Motto der Veränderung fest und möchte seine Portugiesischkenntnisse irgendwann wieder anwenden. Nach Brasilien werde er aber erst einmal nicht zurückgehen, erzählt er wehmütig, denn so weit wolle er sich nicht von seiner Familie entfernen. Und das, obwohl er damals eine große Begeisterung für Brasilien entwickelt hat, „die bis heute anhält“, wie er gesteht. Seine Vokabelhefte hortet Flender heute immer noch.

Es wird sich also zeigen, was kommen wird. Bis dahin wird Helmut Flender eifrig weiter schreiben und hoffen, dass seine Bücher „mit viel Glück die Menschen emotional erreichen“ können. Denn das wünsche sich schließlich jeder Autor.

Hier kannst du das Buch bestellen.

Helmut Flender: “Todesgrüße nach Frankfurt”
Preis: 10,70 Euro
Seitenzahl: 254
Erscheinungsdatum: 22. Februar
Verlag: Mainbook

 

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