Am Samstag haben neun junge Köpfe die Grüne Jugend in Fulda wiederbelebt – 2014 hatte sie sich aufgelöst, weil die Mitglieder sich wegen Studium oder Ausbildung verlaufen hatten. Wer sind nun aber die neuen Gesichter der Jugendorganisation von Bündnis 90/Grüne? Wie haben sie sich gefunden und was haben sie vor? move36 hat Theresa, Marcel und Carl getroffen und mal nachgehakt.

Noch steht alles am Anfang, “wo die Reise hingeht, werden wir noch sehen”, sagt Theresa Henkel, Gründungsmitglied der Grünen Jugend Fulda. Die 26-Jährige aus Niederkalbach hat gerade ihr Lehramtsstudium in Deutsch und PoWi in Marburg beendet und möchte nun frischen Wind nach Fulda bringen. “Wir brauchen aber schon noch Hilfe, das soll man ja nicht leugnen”, sagt sie. Ann-Christine Herbold, Vorstandsmitglied des Landesverbandes der Grünen, war extra angereist um sicherzugehen, dass beim Satzungstext und bei der Wahl des Vorstandes alles seine Richtigkeit hat.

Der 15-jährige Felix Otto, Schüler am Marianum, wurde zum Vorstandssprecher gewählt. “Er ist ein motivierter, junger Typ und hat da richtig Bock drauf”, erzählt Theresa. Außerdem findet sie es gut, dass das ein “unbeschriebenes Blatt” in die Hand nimmt. Felix gehört übrigens zu den drei Leuten, die im Februar den Startschuss für die Grüne Jugend Fulda geliefert haben – Johanna Gärtner (26) und Iryna Böhm (27) sind die anderen beiden.

“Ein Sammelsurium an Ideen und Persönlichkeiten”

Aber wie haben sich die neun eigentlich gefunden? Theresa und Johanna kennen sich noch aus der Schule und wohnen jetzt zusammen in einer WG in Fulda. Der 27-jährige Marcel Müller aus Kalbach kennt Theresa sogar seit der Grundschule. Der gelernte Bürokaufmann ist Schatzmeister der Grünen Jugend und somit für die Finanzen zuständig – so ganz durchgestiegen sei er aber noch nicht, “da muss ich mich noch genau einlesen”, sagt er. Förder- und Spendengelder dürften sie annehmen, das wisse er schon. Der Rest der Gruppe sei dann hauptsächlich über Handzettel oder Stände auf dem Universitätsplatz auf sie zugekommen.

“Bislang sind wir noch ein Sammelsurium an Ideen und Persönlichkeiten, jetzt geht es zunächst darum, uns besser kennenzulernen und mehr Leute an Bord zu holen”, so Theresa. “Je größer die Gruppe, desto vielfältiger die Agenda.” Viele Ideen und Themen, die sie angehen möchten, haben sie allemal: kostenloser Nahverkehr, freies WLAN, Datenschutz, nachhaltigeres Essen in Mensen. Und den Asylfragen und dem Rechtsruck in der Gesellschaft wollen sie außerdem etwas entgegensetzen.

“Vorreiterrolle beim WLAN”

“Zum Beispiel haben wir im Flüchtlingsheim in Flieden, wo Johanna ehrenamtlich tätig ist, Wanderungen mit Flüchtlingen organisiert, um einfach Begegnungen zu schaffen und dieses Fremdheitsgefühl auf beiden Seiten gar nicht erst aufkommen zu lassen”, erzählt Theresa. Da waren sie aber noch keine Grüne Jugend; als diese wollen sie den Kurs aber fortsetzen und in der Flüchtlingsfrage mehr Menschen involvieren und Begegnungen schaffen. Darüber hinaus könne das kulturelle Angebot insgesamt wesentlich bunter werden, findet Theresa.

Gründungsmitglied Theresa Henkel und Beisitzer Carl Rathgeber

“Beim freien WLAN und Datenschutz wollen wir eine Vorreiterrolle einnehmen”, betont Carl Rathgeber aus Petersberg. Der 19-Jährige ist Schüler an der Richard-Müller-Schule und Beisitzer bei der Grünen Jugend – heißt: Er berät und kontrolliert den Vorstand. Für die Technikfragen haben sie sogar schon einen Fachmann im Team: Mathias Jäger (28), ebenfalls Beisitzer, habe das Thema zum Programm gemacht. Er sei da sehr engagiert, und bevor er dazukam, hätten sie das gar nicht auf dem Schirm gehabt, so Theresa. Richtig konkret und praktisch wird’s allerdings erst nach ein paar Treffen, schätzt sie.

Fuldaer Jugend soll involviert werden

Vor allem wollen die neuen Köpfe auch die Fuldaer Jugend involvieren und sie fragen, was sie denn eigentlich will. “Beispielsweise haben wir die Aktion ‘Was wünschst du dir für Fulda’ auf dem Uniplatz geplant, bei der Jugendliche mit Kreide ihre Wünsche auf den Platz schreiben sollen”, so Theresa. Es müsse nur noch umgesetzt werden. Mathias und Iryna kümmern sich derzeit darum, Kontakte an der Hochschule zu knüpfen. Um die Interessierten auch wirklich einzubeziehen, organisiert die Grüne Jugend einmal im Monat einen offenen Stammtisch, der Forum für ein freies Brainstorming sein soll – der erste findet am Dienstag, 10. Mai, um 18 Uhr in der Gaststätte Eidmann’s statt. Die Location und die Zeit für die folgenden Termine sind noch nicht festgesetzt.


Wie geht es weiter?

Was steht nun als nächstes an? „Die Jusos, Jugendorganisation der SPD, haben schon bei uns wegen einem Treffen angefragt; sie sehen auch, dass Fulda hier und da etwas konservativ ist und wollen ebenso aufbrechen. Aber bevor wir uns treffen, wollen wir intern noch mal zusammenkommen, um uns selbst genauer zu definieren”, erklärt Carl. “Wir brauchen schärfere Konturen”, betont denn auch Theresa. Dabei seien sie recht frei und  könnten Themen kontrovers angehen, da “in unserer Satzung ganz klar steht, wir stehen der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe, sind ihr aber nicht verpflichtet”, so Marcel.

Und so hoffen die frischen Köpfe der Grünen Jugend auf einen gut besuchten Stammtisch und eine regen Zulauf in der kommenden Zeit. Jeder sei herzlich willkommen, jeder kann zum Stammtisch kommen und mitmachen, so Theresa.

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