Dass zahlreiche Jugendliche aus aller Welt auch noch für klassische Musik zu begeistern sind, beweist derzeit Fulda – mit dem einzigartigen Konzept der Pianale. Zum zehnten Mal hat die Landesmusikakademie Hessen in Zusammenarbeit mit der Musikschule junge Pianisten zum Musizieren nach Fulda eingeladen. move36 hat vier Klaviervirtuosen getroffen und stellt sie dir hier kurz vor.

Ein Text von Daniel Beise und Mirhosain Hosaini

Teilnehmer aus 21 Ländern seien dieses Jahr “ein Rekord”, so Uta Weyand-Schäfer, Initiatorin und 1. Vorsitzende des Pianale Freunde e. V. Bis zum 14. August zeigen die jungen Pianisten, was sie drauf haben. Neben intensiven Workshops mit anerkannten Pädagogen und Musikern beweisen die Musiker sich in Konzerten und geben in den Schlössern der Region populäre Pianostücke zum Besten. Ziel ist es, ihr Repertoire konzertfähig zu gestalten und das Publikum zu begeistern.

Trotz der Wettbewerbsnatur “rücken die Teilnehmer eng zusammen und knüpfen starke Bande untereinander”, betont Weyand-Schäfer. Die Finalisten werden in London auftreten, und der beste Student bekommt die Chance, mit dem Fuldaer Kammerorchester aufzutreten. Für das Finale im Stadtschloss Fulda kannst du bei uns Tickets gewinnen.

Kenny Fu aus London ist begeistert von Fulda. Der 18-Jährige mag die kleinen Gässchen, historischen Fachwerke und das viele Grün. “Die Pianale ist ein super Platz zum Lernen in schöner Atmosphäre”, sagt er und fährt fort: “Das lohnt sich wirklich.” Mit 14 Jahren ist er aus eigenem Antrieb auf eine Musikschule gegangen, aus dem Elternhaus hat er das Musikalische eher nicht mitgegeben bekommen. Lange hat er über diesen Schritt nachgedacht, da er sich ebenso für Sport und Wissenschaft begeistert, was an einer Musikschule eher hinten runterfalle. Aber er ist glücklich mit seiner Entscheidung. Neben Klassik hört Kenny am liebsten Pop, “the normal stuff”, wie er sagt.

Sein nächster Schritt: ein Studium an der Musikakademie in London. Sobald er ein waschechter Profi ist, möchte Kenny lieber selbst Stücke komponieren als performen – und irgendwann auch mal ein Orchester leiten.


Elisabeth Pion aus Montreal unterrichtet bereits junge Nachwuchstalente am Klavier. Die 20-Jährige ist zum ersten Mal in Deutschland und freut sich, bei der Pianale dabei sein zu dürfen. Die vielen neuen Eindrücke, Leute und Kulturen findet sie klasse. “Ich möchte hier in Fulda so viel lernen, wie mir meine Fähigkeiten ermöglichen”, betont sie.

Bereits mit fünf Jahren bekam sie private Klavierstunden; “meinen Eltern war es wichtig, dass ich und meine Geschwister zur Musik finden”, erzählt sie. Früher hat sie auch Sachen wie Dubstep gehört, mittlerweile aber fast nur noch Klassik oder Jazz. Im Moment studiert Elisabeth Piano Performance in Montreal und sie würde gerne mehr mit Sängern auf der Bühne performen, das mache ihr besonders viel Spaß – wie auch mit dem Publikum zu kommunizieren und es zu begeistern.


Lucas Thomazinho aus Sao Paulo hat bereits im Alter von drei, vier Jahren mit seinen Eltern die ersten Schritte am Piano gemacht. Mit acht Jahren ging er auf eine Musikschule, jetzt studiert auch er Piano Performance. Auf der Fuldaer Pianale gefällt es dem 21-Jährigen ebenso wie den anderen. Vor allem, dass sie jeden Tag musizieren und Sprachkurse besuchen können, begeistert ihn. “Zwar geht es hier auch um Konkurrenz, aber man ist nicht so nervös wie bei anderen Wettkämpfen”, sagt er. Dass man neue Leute und Kulturen kennenlernt und zusammen Musik macht, sei hier viel wichtiger.

Und so drücken sich die verschiedenen Kulturen auch gerade in ihrer Musik aus, meint Lucas. Nicht überraschend, dass er auch klassisch brasilianische Musik wie Samba oder Sertaneja hört. Was er einmal mit seiner Musik erreichen möchte? “Zuallererst möchte ich besser werden, meine Skills erweitern und mein Publikum begeistern.”


Aleksandra Koziol aus Warschau klimperte als Kleinkind spaßeshalber auf dem Klavier, aus der Klimperei wurde früh eine Leidenschaft. Mit neun Jahren fragte sie ihre Eltern, ob sie auf eine Musikschule kann. Heute singt die 24-Jährige neben dem Klavierspielen. Außerdem hört sie Rock und Jazz, “so bekomme ich neue Ideen”, sagt sie. “In der Musik gibt es kein Ende, man kann sich immer weiterentwickeln.” Irgendwann möchte sie auch mal Geld mit ihrer Kunst verdienen und darüber hinaus den Deutschen klassische polnische Musik näherbringen. “Mein Plan ist, erst mal in Deutschland zu bleiben, weil ich hier viele Möglichkeiten habe, mich zu verbessern; außerdem sind die Menschen einfach freundlich hier.”

Das Besondere an der Pianale ist für Aleksandra, dass man hier viele Professoren und Musiker aus anderen Ländern kennenlernt und tagelang Ideen und Erfahrungen austauschen kann. “Das ist sehr hilfreich”, betont sie. Aber auch die vielen Konzerte in den schönen Schlössern der Region haben es ihr angetan.

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