Blutige Orte, Klaviermusik, Religion und inklusive Bildung – einen bunten Menschen- und Themenmix hat es am Donnerstagabend beim Talk am Dom im gut besuchten Café Ideal gegeben. Moderator Klaus Depta vom Bistum Fulda unterhielt sich mit lokalen Bekanntheiten, aber auch deutschlandweit populären Gästen.

Den Anfang machte TV-Moderator, Bestsellerautor und Kolumnist Peter Hahne, da er am Abend noch nach Rom zu einem Treffen mit dem einstigen Papst Benedikt fliegen musste. Sein neues, im April erscheinendes Buch “Niemals aufgeben!” kam schnell zur Sprache, Hahnes These: “Wir werfen heutzutage alles viel zu schnell weg – wir geben nicht nur uns selbst viel zu schnell auf, sondern auch Menschen in unserem Umfeld schreiben wir viel zu schnell ab.”

Der Bezug zu seinem christlichen Glauben durfte natürlich nicht fehlen, und so erzürnte er sich über die vermeintlich schleichende Islamisierung des Abendlandes: Weihnachtsmärkte würden in Wintermärkte umbenannt, die Gesellschaft vergesse zunehmend christliche Feiertage und deren Bedeutung, in Brandenburg sei an einer Schule der Geschichtsunterricht abgeschafft worden. Natürlich gehört das Christentum in unserem Kulturkreis zur Allgemeinbildung, aber zu sagen, “wer die Bibel nicht kennt und sich als Intellektueller bezeichnet, ist blöd”, war dann doch etwas vermessen. Es gibt zahlreiche Formen von Intellekt, die nicht zwangsläufig mit Religiosität einhergehen müssen.

“Ich bin einfach kein Startyp”

 

Nachdem die Runde kleiner wurde, plauderte der lokale Vollblutmusiker Frank Tischer, der bereits mit internationalen Musikgrößen auf der Bühne stand, ein wenig aus dem Nähkästchen: “Klar wollte ich früher auch mal ein Star werden, aber nach einiger Zeit habe ich festgestellt, dass ich einfach kein Startyp bin. Mir geht es beim Musik machen um die Musik und nicht um das Stardasein.”

Religion, Radio und Popmusik

Auch der Theologe Prof. Siegfried Krückeberg hat sich entfernt der Musik verschrieben – seit 26 Jahren bringt er die Kirche ins hessische Privatradio auf harmony fm oder FFH und zeigt, dass Religion nicht nur in den öffentlich-rechtlichen Sendern ankommt. Mit dem “Hit-from-Heaven-Sonntag” zeigt Krückeberg, dass man auch aktuelle Popsongs mit einer Message in Beiträgen aus christlicher Sicht beleuchten kann – so zum Beispiel “Leichtes Gepäck” von Silbermond.

Inklusive Bildung und eine Wette mit dem Oberbürgermeister

Nach einer erneuten Musikeinlage von Tischer erklärte Rainer Sippel vom antonius – Netzwerk Mensch, was Inklusion bedeutet: “Jeder Mensch – ob behindert oder nicht – soll mit all seinen Eigenheiten an der Gesellschaft teilhaben und mitwirken können.” Er kämpft für die Öffnung von Kindergärten und Schulen für behinderte Menschen. Inklusive Bildung, dass behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen lernen, ist auf dem Vormarsch, aber aufgrund der Kosten in öffentlichen Schulen nur schwer umzusetzen. Es brauche kleinere Klassen und mehr Lehrer, so Sippel – individuelle Förderung heiße das Zauberwort.

Und so erzählte er auch gleich von seiner Wette mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Gerhard Möller: Sippel wettete, dass Möller keine 111 Orte der Inklusion in Fulda finden würde. Die Idee für diese Zahl entsprang dem 111-jährigen Bestehen des Antoniusheims, das mittlerweile den etwas sperrigen Namen antonius Netzwerk – Mensch trägt. Möller fand sogar 131 Beispiele für Inklusion, womit er die Wette gewann und Fulda gleichzeitig zur inklusivsten Stadt Deutschlands gekürt wurde.

“Nah am Wahnsinn”

Zu guter Letzt kam Tatortreiniger Christian Heistermann aus Berlin zu Wort. Heistermann ist Vorbild und Berater für die TV-Serie “Der Tatortreiniger”; die Serie füllt groteske Szenen mit schwarzem Humor, die aber durchaus realistisch sind. Seine Dienstleistung, die bislang kein geschütztes Gewerbe ist, sei nur schwer zu beschreiben. “Es ist ein unwahrscheinlich harter Job”, und nicht selten werde er auch zum Seelsorger für Hinterbliebene, auch wenn er hierfür nicht ausgebildet sei. Die einen seien froh und glücklich, dass er da sei und ein offenes Ohr habe, andere reagierten zuweilen ziemlich krass und meinten zum Beispiel, er solle alles schnell wegmachen, es war eh nur ‘ne Drecksau – bei solchen Äußerungen stellten sich bei ihm schlicht Hilf- und Ratlosigkeit ein.

Und wie schafft er es, das alles nicht an sich ran zu lassen, wie bewahrt man die Distanz? “Wenn man zum Beispiel Kampfspuren sieht, fängt man im Kopf an zu arbeiten, Spuren nachzuvollziehen und zu fantasieren, was vorgefallen ist, obwohl man das eigentlich gar nicht will. Da ist man schon nah am Wahnsinn”, so Heistermann. Dennoch sei es sein Berufswunsch gewesen, und er versuche natürlich, das nicht an sich ran zu lassen.


Am Donnerstag auf dem Offenen Kanal

Gegen halb elf bedankte sich Moderator Klaus Depta bei seinen Gästen und dem Publikum und kündigte auch gleich den nächsten Talk am Dom am 22. September an. Übertragen wird die gestrige Talkrunde am Donnerstag, 10. März, um 19.30 Uhr auf dem Offenen Kanal Fulda. Infos zu den Sendezeiten gibt’s hier und Videos vom Offenen Kanal hier.

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